Tennis
Von Urdorf nach Mississippi: Wie Tom Cecchetto in den USA zum Profi reifen will

Tom Cecchetto vom Tennisclub Weihermatt geht für vier Jahre in die USA, um zu studieren und zu trainieren. An der University of Southern Mississippi will der 18-Jährige zum Tennisprofi reifen und erste ATP-Punkte sammeln.

Michel Sutter
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Tom Cecchetto versucht sein Glück als Tennisspieler künftig in Mississippi in den USA.

Tom Cecchetto versucht sein Glück als Tennisspieler künftig in Mississippi in den USA.

archiv/zvg

Tom Cecchetto sitzt in der Cafeteria seines Arbeitgebers, er lächelt. «Ich freue mich total», sagt er. Andere wären in seiner Situation nachdenklich, würden sich fragen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Cecchetto nicht.

Dabei wird sich für den 18-Jährigen, der beim TC Weihermatt in Urdorf trainiert, im Januar einiges ändern. Er hat sich an der University of Southern Mississippi in den USA eingeschrieben. Dort wird er vier Jahre lang leben, International Business studieren – und auf dem Tennisplatz stehen. «Es war schon immer mein Traum, ein College zu besuchen und dort Tennis zu spielen», so Cecchetto. Ein Traum, den der Stalliker eigentlich ausgeträumt hatte – aufgrund seines Alters und der Tatsache, dass er keine Matura hatte.

Im Sommer wurde er aber vom Head-Coach der University of Southern Mississippi angefragt, ob er in den USA College-Tennis spielen wolle. Dann ging alles sehr schnell. «Wir trafen uns in Europa, er besuchte ein Training von mir», erinnert sich Cecchetto. «Dann unterbreitete er mir das Angebot eines vollen Stipendiums, also dass man mir alles bezahlen würde – vom Essen über die Krankenversicherung bis zur Unterkunft.» Ein Angebot, das Cecchetto nicht ausschlagen konnte.

Drei Wochen Prüfungsvorbereitung

Bedingung war allerdings, die beiden Prüfungen GED und SAT zu bestehen, die den Eintritt ins College erst ermöglichen. «Um dafür zu lernen, hatte ich gerade mal drei Wochen Zeit», sagt Cecchetto. «Im Oktober erfuhr ich, dass meine Punktezahl ausreichend war», sagt er. Dann informierte er seinen Arbeitgeber und die United School of Sports, wo er seine KV-Ausbildung absolviert.

«Der Arbeitgeber war sehr verständnisvoll und grosszügig», so Cecchetto. Bei der Schule sei man allerdings schon ein bisschen enttäuscht gewesen von Cecchettos Entscheid, aber andererseits wollte man ihm bei dieser einmaligen Chance auch nicht im Weg stehen. Ein Entscheid, der auch bei Cecchettos Freundin auf wenig Begeisterung stiess. «Für sie war das sehr schwierig», so Cecchetto. Den Traum, in die USA zu reisen, wollte er aber nicht aufgeben. «Tennis ist für mich in meinem Leben sehr wichtig», sagt er.

Umfeld zeigt Verständnis

So wichtig, dass Cecchetto auch in Kauf nimmt, von seiner Familie und seinem Umfeld getrennt zu sein. «Aber die meisten haben positiv reagiert, insbesondere meine Tenniskollegen», sagt er. Und auch sein Trainer, von dem er sich nun wird trennen müssen. «Alle verstehen meinen Entscheid.» Dazu gehören auch seine Eltern, die ihn zu diesem Schritt ermutigt haben. «Zudem bin ich ja nicht weg, ich kehre in den Semesterferien in die Schweiz zurück.»

Dennoch: Ist ihm nicht bange davor, alleine in einem fremden Land zu sein? «Für mich ist es wichtig, auch mal auf eigenen Beinen zu stehen», sagt Cecchetto. «Ich lebe dort zusammen mit einem Mitbewohner in einer Wohnung, wir kümmern uns um den Haushalt und haben viel Eigenverantwortung. Darauf freue ich mich.»

Ganz fremd ist ihm die Umgebung nicht mehr. «Wir waren dort und haben uns alles angesehen», so Cecchetto. «Ich habe auch das Tennisteam kennen gelernt. Die Spieler kommen von überallher.» Die Niveaus der Spieler seien unterschiedlich. «Einige von ihnen haben schon ATP-Punkte», so Cecchetto. «Ich denke, von ihrer Erfahrung werde ich enorm profitieren können.»

Hoffnung auf Profi-Laufbahn

Das sagt Cecchetto auch im Hinblick auf die vergangene Saison, die durchwachsen war. Zwar ist er jetzt als N4/81 klassiert und konnte sich im Ranking steigern. Doch er musste auch Niederlagen verkraften, zum Beispiel in der ersten Runde bei den Schweizermeisterschaften. «Da gerät man schon ins Grübeln», gibt Cecchetto zu. «Ich habe mir danach sogar kurz überlegt, ob ich weitermachen soll, aber ich habe gespürt, dass ich unbedingt weiter Tennis und Tennisturniere spielen will.»

Zum Tennis spielen wird Cecchetto mehr als genug kommen. «Ich glaube, wir haben nur einen Tag trainingsfrei», sagt er. «Sonst ist alles voll aufs Tennis ausgelegt.» Von der Intensität erhofft er sich, dass er, wenn er aus den USA zurückkehrt, ATP-Punkte haben wird und den Weg auf die Profi-Laufbahn einschlagen kann. Wenn nicht? «Dann habe ich einen Abschluss in International Business», sagt er. «Aber ich werde die vier Jahre auf jeden Fall durchziehen.»