Dietikon
Von Steuerfuss bis Schule: So schlugen sich die Stadtratskandidaten im Zwei-Stunden-Podium

Stadtentwicklung, Verkehr, Finanzen, Soziales und Schule: Am zweistündigen Dietiker Stadtrats-Wahlpodium gab es so einiges zu diskutieren. Die wichtigsten Aussagen im Überblick.

David Egger
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Der wichtigste Gast, das Volk, erschien zahlreich. 250 Zuschauer wurden gezählt. Das waren 100 mehr als noch beim gleichen Anlass 2014.
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Schon am Donnerstagabend wird sich der Gemeinderatssaal wieder füllen: Dann findet die erste Gemeinderatssitzung des neuen Jahres statt.
Wer sagt was? In zwei Stunden konnten sich die Zuschauer ein genaueres Bild der zwölf Stadtratskandidaten machen.
Stadtrats-Wahlpodium Dietikon
Die Podiumsdiskussion war unterteilt in fünf Teilpodien, zu denen jeweils vier oder fünf Kandidaten geladen waren. Wer zu welchen zwei Themen sprechen durfte, wurde ausgelost.

Der wichtigste Gast, das Volk, erschien zahlreich. 250 Zuschauer wurden gezählt. Das waren 100 mehr als noch beim gleichen Anlass 2014.

Severin Bigler

Sie stehen zuweilen in der Kälte auf dem Kirchplatz und verteilen Flugblätter, sie geben Geld aus und lachen von den Plakaten und sie sind bereit, ihre Zeit für die Stadt und ihr Volk aufzuopfern: Die zwölf Stadtratskandidaten engagieren sich und wollen das Beste für Dietikon. Doch was das Beste ist, darüber ist man sich nicht einig – so auch am grossen Stadtratswahlpodium, zu dem die Interparteiliche Konferenz Dietikon am Montagabend geladen hatte.

Die spannende Diskussion war unterteilt in die fünf Teilpodien Stadtentwicklung, Verkehr, Finanzen, Soziales und Schule, zu denen jeweils vier oder fünf Kandidaten geladen waren – wer zu welchen zwei, wurde im Vorfeld ausgelost. Dieser Artikel gibt einen Einblick in das zweistündige Podium. Geleitet wurde es von der Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung, Bettina Hamilton-Irvine.

Zuerst finden Sie alle sechs Kandidaten, die schon 2014 zur Wahl standen, geordnet nach der damaligen Stimmenzahl. Dann kommen die sechs neuen Kandidaten. Fünf davon sind Gemeinderäte, auch sie sind geordnet nach dem Wahlresultat 2014.

Schon am Donnerstagabend haben die meisten der zwölf Politiker ihren nächsten öffentlichen Auftritt für die Demokratie: die erste Gemeinderatssitzung im Jahr 2018.

Tipp: Die Limmattaler Zeitung hat alle zwölf Kandidaten die gleichen Fragen beantworten lassen – inklusive Angaben zur Person und zur Politiklaufbahn.

Rolf Schaeren (CVP, bisher)

Rolf Schaeren (CVP, bisher)

Severin Bigler

«Die vielen tausend Leute finden etwas gut an dieser Stadt»

«Ich höre hin und wieder Kritik an Dietikon. Aber dass es nicht so schlimm sein kann, beweisen doch die vielen tausend Leute, die zugezogen sind, die finden offenbar etwas gut an dieser Stadt», sagte Rolf Schaeren. Die Wachstumsskepsis all jener, die schon lange in Dietikon leben, könne er aber verstehen. Schaeren wehrte sich gegen zu viel Kritik an der Stadt. «Wenn es nach uns ginge, könnte man das Niderfeld auch grün lassen, aber es ist die Auflage des Kantons, es zu überbauen», sagte er. Bei Immobilienentwicklungen könne der Stadtrat nur den Rahmen zur Verfügung stellen, entwickeln müssen die Grundeigentümer. Er verwies zudem darauf, dass man die Steuern hat senken können.

Heinz Illi (EVP, bisher)

Heinz Illi (EVP, bisher)

Severin Bigler

«Wenn der Druck weiterhin kommt, kommt es gut»

«Der Stadtrat macht Druck, allein kann er es aber nicht machen», sagte Heinz Illi, als es um die S-Bahn-Station Silbern ging. «Wenn der Druck weiterhin kommt, kommt es gut», ist er überzeugt. Die Station sei wirklich zentral für Dietikon und das Limmatfeld. Gefragt, was das Verkehrsmittel der Zukunft sei, antwortete Illi klar: «Wer mich kennt, weiss, das ist die Stadtbahn.» Also die Limmattalbahn. Beim Thema Finanzen sagte Illi, dass man die beiden Kostentreiber Schule und Soziales in den Griff bekommen müsse. Nachdem der Dietiker Steuerfuss nun um drei Prozent gesenkt wurde, müsse es nun so weitergehen, fuhr Illi fort. Es soll nicht die letze Steuersenkung gewesen sein.

Roger Bachmann (SVP, bisher)

Roger Bachmann (SVP, bisher)

SEVERIN BIGLER

«Das Wachstum ist eine sehr grosse Chance für Dietikon»

Roger Bachmann betonte, dass der Kanton die Vorgaben macht, wo das Wachstum stattfinden soll. Und: «Wenn man es richtig macht, ist das Wachstum eine sehr grosse Chance für Dietikon.» Die Soziallasten hätten einen direkten Zusammenhang mit dem verfügbaren Wohnraum, sagte er. Man müsse für Investoren Anreize setzen, die Bausubstanz zu erneuern, damit das Übermass an Wohnraum für sozial Schwache abnehme. Beim Thema Verkehr sagte er, dass Dietikon mehr beim Bund lobbyieren müsse und dass die Ängste gegenüber der Limmattalbahn von den Erfahrungen mit der Bremgarten-Dietikon-Bahn herkommen, die Dietikon nur Probleme im Zentrum bringe.

Roger Brunner (SVP, bisher)

Roger Brunner (SVP, bisher)

Severin Bigler

«Die Stadt Dietikon war noch nie eine Zürichsee-Gemeinde»

Roger Brunner brach eine Lanze für das Limmatfeld und lobte etwa, dass ein Quartierverein gegründet wurde. Man müsse nicht meinen, dass dort alles schlecht sei. Dietikon brauche zwar weiterhin Wachstum und Entwicklung, um die Steuerbelastung zu reduzieren, doch machte Brunner klar: «Die Stadt Dietikon war noch nie eine Zürichsee-Gemeinde und wird es nie sein.» Ausserdem ist er überzeugt, dass bis in fünf Jahren beim Löwenplatz die Grünphasen für Fussgänger verlängert wird. Im Sozialbereich sei es wichtig, dass sich die älteren Sozialhilfebezüger, von denen es immer mehr gibt, nicht als Bittsteller fühlen, sondern als normaler Teil der Bevölkerung.

Lucas Neff (Grüne, neu)

Lucas Neff (Grüne, neu)

Severin Bigler

«Dietikon hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem»

Beim Thema Stadtentwicklung sagte Lucas Neff, dass man bei der Planung des Niderfelds auf einem guten Weg sei. Nun gelte es, nicht die gleichen Fehler wie beim Limmatfeld zu machen. Zudem dürfe die Überlandstrasse die Stadt nicht mehr so teilen wie heute. Neff machte zudem klar: «Die Stadt Dietikon hat kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem.» Stichwort: Soziallasten. «Es kann nicht sein, dass die Stadt Zürich ihre Sozialfälle nach Dietikon abschiebt und wir sie dann weiter Richtung Aargau schieben», so Neff. Die Dietiker Schule lobte er in den höchsten Tönen. So habe er auch als Vater nur gute Erfahrungen gemacht und sehr engagierte, gute Lehrer erlebt.

Reto Siegrist (CVP, neu)

Reto Siegrist (CVP, neu)

Severin Bigler

«Sparen alleine ist keine Politik, wir müssen attraktiv sein»

«Wir müssen uns überlegen, was man kurzfristig machen kann und nicht immer langfristig planen, denken und schwatzen», sagte Reto Siegrist, als es um den Verkehr ging. Bei den Hotspots (zum Beispiel Heimstrasse und Steinmürlistrasse) wisse die Stadt schon lange, was sie wolle, doch warte sie, um die Lösungen gemeinsam mit der Limmattalbahn zu realisieren. Siegrist fragte: «Müssen wir so lange warten?» Zum Thema Finanzen sagte er: «Sparen alleine ist keine Politik, wir müssen attraktiv sein.» Auch künftig werde man keinen tiefen Steuerfuss haben. «Ich kann Ihnen auch etwas anderes versprechen. Es wäre einfach nicht ehrlich», sagte Siegrist. Und erntete viel Applaus.

Stephan Wittwer (SVP, neu)

Stephan Wittwer (SVP, neu)

Severin Bigler

«Ich stelle mich voll und ganz hinter die 140 Millionen Franken»

«Ich stelle mich voll und ganz hinter die 140 Millionen Franken für den motorisierten Individualverkehr, die die Limmattalbahn mit sich bringt», sagte Stephan Wittwer, als er gefragt wurde, ob er die Limmattalbahn befürwortet. Um diese zu erhalten, müsse man auch die Bahn schlucken. Wittwer fordert eine schnelle Umsetzung zahlreicher Punkte aus dem städtischen Gesamtverkehrskonzept. Motto: «Nicht immer zehn Jahre warten.» Zudem forderte Wittwer, dass die Stadt günstiger baue. Nicht jeder Kindergartenpavillon müsse zur Kathedrale werden, auch Standardlösungen seien erlaubt. Und Dietikon baue viel zu teure Tempo-30-Zonen, in denen dann gleichwohl gerast werde.

Martin Romer (parteilos, neu)

Martin Romer (parteilos, neu)

Severin Bigler

«Was ich besonders wichtig finde, ist die Informationspolitik»

Martin Romer bevorzugt zwar persönlich das Auto, nutzt aber auch regelmässig den öffentlichen Verkehr. Für ihn ist klar, es brauche eine Symbiose aller Verkehrsmittel. Und: «Was ich besonders wichtig finde, ist die Informationspolitik.» Diese müsse forciert werden, damit die Leute selber auf die Idee kommen, ab und zu aufs Auto zu verzichten. «Man muss mit den Leuten reden», so Romer. Beim Thema Schule sagte er, dass Dietikon viele bildungsferne Familien habe. «Die Sonderschulung ist einer der grössten Kostentreiber.» Zudem seien die Bürger gefordert. Man dürfe die Schule nicht ständig schlechtreden: «Es ist weiss Gott nicht einfach, bei uns Kinder auszubilden.»

Philipp Müller (FDP, neu)

Philipp Müller (FDP, neu)

Severin Bigler

«Ich würde den Hebel ganz stark beim Sozialen ansetzen»

Philipp Müller, der langfristig die Steuern stärker senken will, weiss, wo er Einsparungspotenzial sieht. «Ich würde den Hebel ganz stark beim Sozialen ansetzen, dort muss man die Schrauben enger anziehen», sagte er, als es um die Finanzen ging. Man könnte die Sozialhilfebezüger besser fördern, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. «Hier können wir noch zulegen», so Müller. Die Sozialleistungen seien zudem vermehrt an Bedingungen zu knüpfen. Zwar müsse man auch mit anderen Städten Allianzen schmieden, um sich für einen Soziallastenausgleich einzusetzen. Aber: «Als Stadtratskandidaten müssen wir uns fragen, was wir in Dietikon selber bewegen können.»

Anton Kiwic (SP, neu)

Anton Kiwic (SP, neu)

Severin Bigler

«Wir brauchen die Limmattalbahn unbedingt»

Anton Kiwic ist es wichtig, dass die Stadtquartiere eigene Identitäten entwickeln. «Nur wenn alle Quartiere ein Gesicht haben, hat auch die Stadt ein Gesicht», sagte er. Unter den elf Limmattalbahn-Befürwortern in der Kandidatenschar spricht er sich besonders stark für die Bahn aus: «Wir brauchen die Limmattalbahn unbedingt, um mit dem Wachstum umgehen zu können.» Er verwies darauf, dass die Bahn auch Fussgängern zugute komme: Spätestens mit ihrer Realisierung werde das Grünphasen-Problem am Löwenplatz gelöst. Den Kanton müsse man dazu bringen, die Lasten Dietikons zu vergüten. Und Kiwic fragte, ob die Mikrofon-Probleme das Resultat der Sparpolitik seien.

Sven Johannsen (GLP, neu)

Sven Johannsen (GLP, neu)

Severin Bigler

«Dass Dietiker Schulen bei Schweizern wieder salonfähig werden»

Sven Johannsen sieht in Dietikon nicht primär den Steuerfuss als Problem. «Das Hauptproblem ist, dass junge Familien ihre Kinder nicht in Dietikon in die Schule schicken wollen.» Er wolle sich dafür einsetzen, «dass Dietiker Schulen bei Schweizern wieder salonfähig werden», sagte er, als es ums Thema Schule ging. Er rechnete zudem aus, dass in jeder Dietiker Klasse durchschnittlich drei Schüler als psychologisch auffällig gelten. «Ich habe das Gefühl, dass ab und zu überdiagnostiziert wird, was zu grossen Kosten führt», sagte er – und lobte ebenfalls die Lehrer. Bei den Finanzen sei es wichtig, dass die Stadt ein gutes Sozialkosten-Controlling mache, um die Kosten im Griff zu behalten.

Bernhard Schmidt (parteilos, neu)

Bernhard Schmidt (parteilos, neu)

Severin Bigler

«Wenn ich hier höre, was auf uns zukommt, ist das keine Vision»

Für Bernhard Schmidt ist der Steuerfuss grundsätzlich kein wichtiges Instrument, um Steuerzahler und Firmen anzulocken: «Es geht doch um den Inhalt», sagte er. Zudem äusserte der einzige Limmattalbahn-Gegner in der Runde Kritik am Umgang mit Verkehr und Wachstum. «Wenn ich hier höre, was alles auf uns zukommt, ist das keine Vision. Ich spüre nicht, dass wir aufbrechen zu einem ganz tollen Dietikon, sondern dass wir weitermachen wie bis anhin.» Beim Thema Schule verwies er darauf, dass die Problematik sei, dass viele Kinder kein Deutsch können. Daher forderte er wesentlich mehr Investitionen im vorschulischen Bereich. Diese würden die Schule entlasten, so Schmidt.