Akustische Gitarren schmücken die Wand. Neben dem Mischpult hängt ein Mikrofon. Zwei Ledersessel umrahmen ein weisses Piano. Dazwischen drängt der strahlend
blaue Himmel durch das Fenster. «Manchmal habe ich auf den Sesseln einen Moment der Stille genossen, während Lars produziert hat», sagt Marc Sway. «Du meinst, du hast geschlafen», sagt Lars Christen, und die beiden können sich vor Lachen nicht mehr halten.

In Christens Schlieremer Studio haben die Männer eineinhalb Jahre lang an Sways neuem Album gearbeitet. «Wir haben so viel Zeit hier verbracht, dass uns die Stadt ans Herz gewachsen ist. Wir sind zu Schlieremern geworden», sagt Sway, der mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern etwas ausserhalb der Stadt Zürich lebt.

Schlieren ist für den 39-Jährigen viel mehr als nur der Standort des Tonstudios. «Wir sind jeden Mittag in die Stadt essen gegangen oder haben uns etwas geholt», erzählt Sway. Dabei hätten sie mitbekommen, was Schlieren bewegt. «Wir waren bei der Verschiebung der Blutbuche dabei und haben den Fortschritt der Limmtattalbahn-Baustelle miterlebt», sagt Sway. Zudem hätten sie auch den Bau des Stadtplatzes mitverfolgt. «Über die Farbe der Flügel haben wir uns gestritten. Ich will aber nicht verraten, wer von uns welche Farbe bevorzugt hätte», sagt Christen, der seit sieben Jahren als Produzent und Songwriter unter dem Namen «Lars The Music Guy» tätig ist und bereits mit Künstlern wie Bastian Baker und James Gruntz gearbeitet hat.

Zurück zu den Wurzeln

Das Thema Heimat und Ankommen zieht sich wie ein roter Faden durch Sways sechstes Album «Way Back Home». «Ich wollte meinen brasilianischen Wurzeln musikalisch Ausdruck verleihen und die beiden Welten verbinden, die mich schon immer prägten», sagt Sway. Deshalb feilten die Männer nicht nur im Schlieremer Studio an den Liedern, sondern reisten auch nach Brasilien. Sways Mutter stammt aus der Stadt Salvador, die im Nordosten des Landes liegt. «Mischling zu sein und binational aufzuwachsen sehe ich als grossen Vorteil an, auch wenn man sich mit Sachen herumschlagen muss, wie zum Beispiel der Kluft der Mentalitäten», sagt Sway. Die Angst gewisser Leute vor der Durchmischung der Welt sei ein Irrglaube. «Sie wird dadurch bunter und sicher nicht schlechter.»

In Rio de Janeiro trafen sich die Männer mit Musikern, die Sway auf seinen zahlreichen Besuchen in der zweiten Heimat kennengelernt hatte. «Wir sperrten uns drei Wochen lang in einem Studio ein und versuchten den Songs, die wir aus Schlieren mitbrachten, eine brasilianische Note zu verleihen», sagt Christen. Brasilianische Musik lasse sich nicht auf einen Musikstil oder typische Instrumente reduzieren. Sie charakterisiere sich viel mehr durch das, was sie in den Zuhörenden auslöse. «Brasilianische Musik hat etwas Animierendes, sie regt einem dazu an, sich zu bewegen», sagt Christen. Sway nickt: «Das hast du auf den Punkt gebracht.»

Heimat als Gefühl

Der Aufenthalt in Rio de Janeiro und die Arbeit an seinem Album bescherten Sway aber nicht nur zehn Songs, sondern auch die Erkenntnis, was die Essenz von Heimat ist. «Ich habe gemerkt, dass Heimat vor allem ein Gefühl ist und nicht zwingend an einen Ort gebunden sein muss.» Sich daheim zu fühlen, sei verbunden mit dem Gefühl von Ankommen und hänge häufig mit der Anwesenheit von Menschen zusammen. «Schlieren ist auch zu einem Daheim für mich geworden, weil ich hier viel erlebt habe und weil ich mit Lars zusammen war.» Die beiden kannten sich vorher nicht. Inzwischen sind die Arbeitspartner Freunde geworden. «Wir hatten viele gute Gespräche. Manchmal haben wir auch aneinander vorbei oder gleichzeitig geredet», sagt Sway, und er und Christen prusten wieder los. Mit dem Album sind die beiden zufrieden, auch wenn sie wohl noch ewig daran hätten arbeiten können. «Wir haben uns viel Zeit gelassen. Doch irgendwann muss man ein Werk vollenden», sagt Sway. Schliesslich sei ein Album eine konservierte Momentaufnahme. «Auf der Bühne entwickeln sich die Lieder weiter.»

Derzeit tourt der Sänger mit seiner Band durch die Schweiz. Halt macht er am 5. September auch am Schlierefäscht. Für Sway ist der Auftritt etwas Besonderes. «Es bedeutet mir viel, dass ich an dem Ort spiele, an dem meine Musik entstanden ist. Das hat etwas Symbolisches.» Und Sways Motto passt zum Stadtfest: «Brasilianer lieben es, Feste zu feiern. Es ist etwas Natürliches und wird nicht lange im Voraus geplant. Deshalb gebe ich auch keine Konzerte, sondern feiere Feste auf der Bühne.»