«Die Mitte»

Von Beck bis Wiederkehr: Das sagen Limmattaler CVP-Politiker zum neuen Parteinamen

Am 4. September präsentierte CVP-Präsident Gerhard Pfister den neuen Parteinamen.

Am 4. September präsentierte CVP-Präsident Gerhard Pfister den neuen Parteinamen.

Derzeit stimmen CVP-Mitglieder über den neuen Namen der Partei ab. Auch im Limmattal wird darüber diskutiert.

Die CVP will sich auf nationaler Ebene bald in «Die Mitte» umbenennen. Zurzeit erhalten Mitglieder der Partei Abstimmungsunterlagen zur Namensänderung, die sie bis zum 16. Oktober zurückschicken können. Es handelt sich dabei um die erste Urabstimmung in der Parteigeschichte. Eine Umfrage bei Limmattaler CVP-Politikern zeigt, dass viele von der Idee überzeugt sind und eine Öffnung der Partei befürworten.

«Ich werde Ja zur Namensänderung stimmen», sagt der Dietiker alt Kantonsrat Josef Wiederkehr auf Anfrage. Ihm gefalle unter anderem das neue Logo, sagt er. «Der Name ‹Die Mitte› haut mich aber nicht vom Hocker.» Auch bei Ottilie Dal Canton, Präsidentin der CVP Dietikon, löste der neue Name keine Begeisterung, wie sie auf Anfrage sagt. Genau wie Wiederkehr finde sie ihn zu wenig aussagekräftig. Dal Canton, die selbst reformiert ist, wollte das «C» zwar ursprünglich behalten. «Trotzdem bin ich offen für Neues und stehe hinter der Idee der Namensänderung», sagt sie.

«Wir müssen uns als Partei profilieren»

Amadeus Zimmermann, Präsident der CVP Oetwil-­Geroldswil-Weiningen, ist ebenfalls klar für den Namenswechsel. «Der Wegfall des C könnte der Wählerabnahme ein Ende setzen», sagt er. Ähnlich denken René Beck, Präsident der CVP Oberengstringen, und Danilo Follador, Präsident der CVP Bezirk Dietikon.

Für Urs Ramer, Vorstandsmitglied der CVP Urdorf, ist der Parteiname nicht so wichtig. Ihm gefalle der Zusatz ‹Freiheit, Solidarität, Verantwortung›. «Die drei Begriffe können aber auch zu Verwirrungen führen. Wir müssen uns als Partei profilieren», sagt er. Andres Uhl, Präsident der CVP Schlieren, sagt: «Für mich müsste das C nicht unbedingt verschwinden, es ist aber auch nicht dramatisch, wenn es wegfällt.» Uhl war früher katholisch, ist mittlerweile aber konfessionslos. In der CVP Uitikon werde die Namensänderung mehrheitlich begrüsst, sagt Präsident Ingo Engelmann auf Anfrage.

«Für Junge hat Religion heute oft nicht mehr viel mit Politik zu tun.»

«Ich hätte auch gut mit dem alten Namen leben können, sehe aber durchaus Chancen in der Namensänderung», sagt Janine Vannaz, Präsidentin der CVP Birmensdorf-Aesch. Besonders hoffe sie auf mehr junge Wähler. «Für Junge hat Religion heute oft nicht mehr viel mit Politik zu tun. Für mich sollte Politik möglichst offen sein», sagt Vannaz, die selber konfessionslos ist. Sie ist der Ansicht, dass die christlichen Werte der CVP gar nicht so viel mit Religion zu tun haben: «Für mich bedeutet Christentum zum Beispiel Nächstenliebe und Ehrlichkeit; und diese Werte kann man mit jeder Religion ausleben.»

Falls der neue Name von den Parteimitgliedern der CVP angenommen wird, haben die Kantone bis 2025 Zeit, sich ebenfalls für oder gegen den Namen «Die Mitte» zu entscheiden. Auch den Ortsparteien würde es freistehen, wie sie sich in Zukunft nennen würden. René Beck verrät: «Die CVP Kanton Zürich ist zum Schluss gekommen, die Namensänderung zu unterstützen.»

«Mir ist es wichtiger, Lösungen und Kompromisse zu finden.»

Die Ortsparteien Dietikon, Birmensdorf-Aesch, Oetwil-Geroldswil-Weiningen und Uitikon sowie die Bezirkspartei Dietikon wollen sich der Entscheidung auf nationaler Ebene anpassen. Der Urdorfer Urs Ramer ist der Meinung, dass die Ortspartei Urdorf bei der Namenswahl der kantonalen Partei folgen sollte. In Schlieren hingegen ist die Ausgangslage noch nicht klar: «Wir würden uns zwar gerne der nationalen Entscheidung anpassen, wollen aber auch nichts erzwingen», sagt Andres Uhl. In Oberengstringen werde man sich an der nächsten Mitgliederversammlung für einen Namen entscheiden, sagt René Beck.

In einem Punkt sind sich die Limmattaler CVP-Politikerinnen und -Politiker einig: Sie sehen keine allzu grosse Verbundenheit ihrer Partei zum Katholizismus. «Mir ist es wichtiger, Lösungen und Kompromisse zu finden. Dazu braucht es zwingend ‹Die Mitte› und nicht das Christentum», sagt Beck.

Viele erhoffen sich zwei bis drei Prozent mehr Wähler

Ramer betont, dass die CVP ­keineswegs nur Katholiken ­offenstehe, dies aber noch ­immer eine Ansicht sei, die viele Leute davon abhalte, sie zu wählen. «Von mir aus darf die christliche Seite der Partei erhalten bleiben», sagt Uhl. «Das heisst aber nicht, dass sie im ­Namen enthalten sein muss.» Ingo Engelmann steht hinter dem «C». Er sei im Namen der CVP Uitikon der Ansicht, dass die christliche Soziallehre, insbesondere Subsidiarität und Solidarität, die Leitlinien der Partei bleiben.

CVP-Präsident Gerhard Pfister sprach in Zusammenhang mit der Namensänderung von einem neuen Wählerpotenzial von 20 Prozent (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Bei den Nationalratswahlen 2019 verzeichnete die Partei lediglich 11,4 Prozent der Wählerstimmen. Dal Canton hingegen ist der Meinung, dass der Wähleranteil auch nach der Namensänderung etwa gleich bleiben wird. Engelmann, der selber reformiert ist, bezweifelt einen grossen Sprung beim Wähleranteil ebenfalls. «Wir müssen uns die Wähler mit einer guten Politik verdienen», sagt er.

Beck, Ramer, Uhl und Josef Wiederkehr sehen auch die Möglichkeit, dass es Wähler geben wird, die aufgrund der Namensänderung die Partei verlassen werden. «Die Abwanderung wird aber bestimmt durch Neuzugänge mehr als kompensiert werden können», sagt Ramer. Amadeus Zimmermann glaubt, dass es anfangs einen kleinen Rückgang, später aber eine Zunahme des Wähleranteils um etwa drei Prozent geben wird. Auch Follador hält, genau wie sein Schlieremer Kollege Uhl, eine Zunahme des Wähleranteils um zwei bis drei Prozent für möglich.

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