Eishockey

Vom Limmattal über den grossen Teich: «Die NHL ist meine oberste Priorität»

Dean Kukan, hier bei unserem Fotoshooting beim Landesmuseum Zürich, hat grosse Zukunftspläne.

Der Urdorfer Dean Kukan will sich in der höchsten Eishockey-Liga Amerikas beweisen. Bisher hatte der Verteidiger wenige Einsätze – bis zu den Play-offs. Dort konnte er seinem Trainer zeigen, was in ihm steckt, mit Erfolg.

Dean Kukan hat das geschafft, wovon womöglich jeder Eishockeyaner träumt: Er spielt in der höchsten Liga Amerikas und der wohl prominentesten der Welt: in der National Hockey League (NHL). Der 25-jährige Urdorfer wechselte in der Saison 2015/2016 vom schwedischen Club Luleå HF zu den Columbus Blue Jackets. Geographisch hat sich für den Verteidiger nicht viel geändert, er lebt weiterhin im Norden. Spielerisch jedoch hat sich eine neue Welt für Kukan geöffnet.

Doch wer in der NHL unter Vertrag ist, erhält nicht automatisch Spielzeit oder gar einen Stammplatz. Das war Kukan bewusst. Nach seiner vierten Saison ist er zu Besuch in seiner früheren Limmattaler Heimat und lässt das Erlebte Revue passieren.

Dean Kukan, Hand aufs Herz: Haben Sie sich jemals an den Gestank in der Umkleidekabine gewöhnt?

Dean Kukan: Als ich noch bei den Junioren spielte, war es um einiges schlimmer als jetzt (lacht). Aber ja, man gewöhnt sich daran. Vor allem, wenn man jeden Tag auf dem Eis und somit auch Zeit in der Garderobe verbringt. Glücklicherweise wird in der NHL die Ausrüstung regelmässig gewaschen. Dort hält sich der Gestank in Grenzen.

Sie mussten in dieser Saison wieder um Spielzeit kämpfen. In den Play-offs gelang Ihnen dann der erste Durchbruch. Was ist Ihre Bilanz der vergangenen Saison?

Es war eine komische Saison. Die erste Hälfte war ich meist auf der Tribüne, bis zum Spiel gegen Vancouver. Da konnte ich mich unserem Coach John Tortorella beweisen. In den Play-offs wurde ich plötzlich immer aufgeboten.

War die Saison anstrengend für Sie?

Ja, sehr. Ich stand von insgesamt 82 Spielen 25 Mal auf dem Eis. Wenn ich spielen durfte, war es wunderbar. Schwieriger war es, wenn ich das Spiel nur von der Seite verfolgte. Die Trainer reden nicht viel mit den Spielern, das ist nicht immer einfach. Aber wenn ich aufgeboten werde, weiss ich, dass ich etwas richtig gemacht habe.

Aber Sie haben sich durchgebissen und punkteten schlussendlich unter anderem mit Ihrer Ruhe auf dem Eisfeld. Was war Ihr persönliches Highlight der Saison?

Sicherlich die vielen Einsätze in den Play-offs. Wenn ich mich für einen Moment entscheiden müsste, dann wäre das eindeutig mein erstes Tor in der NHL, das ich gegen Boston schoss.

Sehen Sie Ihre ruhige Art eher als einen Vorteil oder einen Nachteil an?

Ich bin einfach eher zurückhaltend. Im Eishockey gibt es genügend auffallende und laute Spieler. Ein ausgeglichener Mix tut der Mannschaft gut.

Jetzt sind Sie wieder in der Schweiz, bleiben Sie den ganzen Sommer hier?

Nein. In zwei Wochen gehe ich für einen Monat nach Schweden. Ich habe dort eine Wohnung mit meiner Verlobten. Dort werde ich auch einen Teil meines Sommertrainings absolvieren. Dann bin ich hier, bevor es Ende August wieder nach Amerika geht.

Wie sieht Ihr Sommertraining aus und haben Sie bereits damit begonnen?

Jeder Spieler erhält einen Trainingsplan vom Club. Ich absolviere vier Mal pro Woche ein Krafttraining und sechs Mal liegt der Fokus auf Konditionstraining. Zwei Wochen lang hatte ich Pause, letzte Woche habe ich das Training wieder locker aufgegriffen. Ich hatte schon nach paar Mal Joggen Muskelkater (lacht). Jetzt baue ich wieder langsam auf, bleibe trotzdem diszipliniert dran und intensiviere mein Training täglich.

Dean Kukan weilt zurzeit in der Schweiz, um seine Familie und seine Freunde zu besuchen.

  

Vermissen Sie die Schweiz?

Vor allem meine Freunde und meine Familie. Es ist schön, sie wieder zu sehen und mich mit ihnen auszutauschen. Meine Verlobte lebt mit mir zusammen in Columbus und im Sommer in Schweden. Dafür bin ich dankbar.

Zurzeit läuft die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Slowakei, wieso haben Sie sich gegen eine Teilnahme entschieden?

Das hat zwei Gründe. Mein Trainer hat mir gesagt, mein grösstes Manko sei das Sommertraining. Deshalb wollte ich früher damit beginnen. Die NHL ist meine oberste Priorität. Zweitens brauche ich eine Pause. Nicht physisch, sondern mental. Die Saison war nicht einfach für mich. Damit ich im September wieder zu 100 Prozent durchstarten kann, muss ich zuerst ein wenig Abstand vom Eis gewinnen. Es war eine schwere Entscheidung.

Was für ein Ziel haben Sie sich für die kommende Saison gesteckt?

Ich möchte mir einen Stammplatz bei den Columbus Blue Jackets erspielen. Das war schon immer mein Traum. Deshalb muss ich jetzt diszipliniert bleiben.

Ist Ihr Ziel denn realistisch?

Wenn ich mich ranhalte, sollte es zu schaffen sein. Aber sicher bin ich erst, wenn ich es erreicht habe.

Spüren Sie den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft stark?

Ja. Vornedurch sind wir Teamkollegen, aber die Konkurrenz schläft nicht. Jeder möchte einen Stammplatz. Vor allem in der Verteidigung ist es eine grosse Herausforderung, da die Blue Jackets mit den jetzigen Spielern eine der drei besten Verteidigungen der Liga vorweisen. Die Amerikaner sind auch verbissener als die Europäer, wenn es um Sport und Konkurrenz geht, aber ich bin zuversichtlich.

Könnten Sie sich vorstellen, in die Schweiz zurückzukehren?

Momentan nicht. Vielleicht in ein paar Jahren oder falls es mit der NHL doch nicht klappen sollte.

Bei welchem Club würden Sie im Falle einer Rückkehr am liebsten spielen?

Ach, da muss ich überlegen. Ich glaube, ich würde zurück zum ZSC, wo ich auch schon die Juniorenabteilung durchlief.

Und wenn Sie freie Wahl hätten, wohin würde es Sie in Ihrer Eishockey-Laufbahn ziehen?

Rein sportlich würde ich am liebsten nach Kanada. Dort leben die Leute das Eishockey, es ist der Nummer-eins-Sport. Rein von der Umgebung her, würde ich gerne in die Nähe des Meers. Da böte sich Florida an, Tampa zum Beispiel.

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Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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