Handball

Vieles spricht für den Abstieg von Dietikon-Urdorf

Können HCDU-Torhüter Josip Katicic und Co. den Kopf aus der Schlinge ziehen?

Können HCDU-Torhüter Josip Katicic und Co. den Kopf aus der Schlinge ziehen?

2009 bestritt der HC Dietikon-Urdorf sein bis heute letztes Spiel in der NLB. Es scheint weiter zurückzuliegen. Denn mittlerweile kann man im Limmattal froh sein, wenn es noch 1.-Liga-Handball zu sehen gibt.

Zum zweiten Mal in Folge geht es für den HCDU in die Abstiegsrunde. Der neue Trainer Karsten Hackel arbeitete erst ein paar Wochen im Verein, als er gegenüber dieser Zeitung sagte: «Das Ziel ist der Ligaerhalt. Und das ist ein hohes Ziel.»

Dass es ihm nicht darum ging, sich ein Alibi für schlechte Leistungen zu verschaffen, oder einfach nur tiefzustapeln, zeigte sich bald. Hackel schätzte das Potenzial des von überstürzten Abgängen geschwächten Teams von Anfang an richtig ein.

Hautpsache, an sich glauben

Er verordnete daraufhin das totale Kollektiv und nannte die Rückkehr zum einst so erfolgreichen Gegenstoss-Spiel «Tempohandball». Ein früherer HCDU-Trainer belächelt diesen Begriff, sagt aber: «Letztlich spielt es keine Rolle, was es ist - Hauptsache, die Spieler glauben daran.»

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn die Spieler an ihr Spiel glauben und es durchziehen, können sie den Gegner überrennen. Selbst wenn der - wie das meistens der Fall ist - körperlich in einer anderen Liga spielt.

In der Qualifikation gewann der HCDU von seinen sechs Matches die meisten in begeisternder Manier, selbst wenn es dabei in der Regel eine Menge Gegentreffer hagelte. Das Spektakel lässt sich anhand des Torverhältnisses illustrieren: Die 593 erzielten und 678 erhaltenen Treffer sind jeweils die höchsten Werte seit dem Wiederabstieg in die 1. Liga im Frühling vor fünf Jahren.

Die einzige Chance der Limmattaler auf den Ligaerhalt ist eine mental höchst anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen: Sich nie darum zu scheren, wie viele Gegentore man erhalten hat.

Guitton ist nicht mehr

Die Gefahren vor der Relegationsrunde sind hingegen mehrzählig. Denn damit er sein Spiel durchziehen kann, muss beim HCDU alles stimmen. Und das wird nach dieser schwankenden Qualifikation kaum plötzlich über fünf Matches der Fall sein.

Im vergangenen Jahr richtete es der aus der Asche der Enttäuschung auferstandene Raphael Guitton. Mit einem 9-Tore-Schnitt in der Abstiegsrunde rettete das Enfant terrible den HCDU fast im Alleingang.

Der diesjährigen Ausgabe fehlt die Unberechenbarkeit. Daniel Imhof ist noch immer der Ausnahmekönner am gegnerischen Kreis. Seine 135 Treffer sind der zweitbeste Wert der Gruppe 1. Doch er muss einen grösseren Aufwand für seine Tore betreiben und ist von deckungsstarken Gegnern leicht aus dem Spiel zu nehmen.

Wachsen andere über sich hinaus?

Dahinter klafft eine grosse Lücke. Der nach jahrelangem Dornröschenschlaf erweckte Kreisläufer Stefan Galli und vor allem das Perpetuum mobile Daniel Burla im Rückraum waren die Entdeckungen der Saison. Sie müssen beweisen, dass sie auch in der entscheidenden
Phase Verantwortung übernehmen können.

Vieles hat mit «Müssen» zu tun, wenig mit «Können». Nimmt man die Gefahren und addiert das kümmerliche Selbstvertrauen (kein Sieg aus den letzten sechs Matches) sowie den brutalen Modus (vier von sechs Teams steigen ab) dazu, bleibt nicht viel Grund zur Hoffnung.

Im Jahr 1977 bestritt das Fanionteam des damaligen HC Dietikon bis heute sein letztes 2.-Liga-Spiel. Das nächste folgt wahrscheinlich schon bald.

Das erste Abstiegsrundenspiel findet am Samstag in Visp statt (19.30 Uhr, Berufsschule). Das erste Heimspiel trägt der HCDU am 11. Mai gegen Brugg aus (16 Uhr, Stadthalle, Dietikon).

Meistgesehen

Artboard 1