Ist es möglich, in der Gartenplanung gänzlich auf Neophyten zu verzichten?

Arthur Küng: Auf invasive Neophyten kann und muss auf jeden Fall verzichtet werden. Aber diese Invasiven wegzulassen heisst nicht automatisch, auf alle Neophyten zu verzichten. Will man nur mit einheimischen Pflanzen arbeiten, ist man stark eingeschränkt. Dann können streng genommen nur noch Gewächse verwendet werden, die am Waldrand oder auf der ungedüngten Wiese vorkommen. Von den vielen Pflanzen, die ursprünglich aus dem europäischen und asiatischen Raum stammen und sich bei uns akklimatisiert haben, ist nur ein geringer Teil schädlich. Viele Neophyten stellen eine Chance für unsere Natur dar.

Inwiefern?

Die meisten Kräuterpflanzen wie Rosmarin, Salbei, Basilikum oder Lavendel haben einen hohen Nutzen für Menschen und Bienen. Aber man vergisst schnell, dass sie bei uns eigentlich nicht heimisch sind. Natürlich gehören die einheimischen Pflanzen zur Gartengestaltung dazu. Aber um den Ansprüchen gerecht zu werden, die man heute an einen Garten stellt, kann auch mit nicht invasiven Neophyten gearbeitet werden.

Was für Ansprüche sind das?

Ein Einfamilienhaus verfügt nicht mehr über so viel Land wie früher. Dennoch soll der Garten, zusätzlich zu seiner Nutzfunktion, auch als Spiel- und Wohnraum dienen. Diese Erwartungen an den Garten mit ausschliesslich einheimischen Pflanzen zu erfüllen, ist schwierig. Deshalb rate ich zu einer Mischung aus Zier-, Nutz- und heimischen Wildpflanzen.

Holunder ist vielseitig einsetzbar.

Holunder ist vielseitig einsetzbar.

Der Holunder ist eine der einheimischen Pflanzen in Ihrem Gartenraum. Ist er auch für einen kleineren Garten geeignet?

Der Holunder ist in einem grossen Gefäss auch auf der Terrasse oder einem grossen Balkon denkbar. Er sollte aber genügend Platz haben, da er ungeschnitten einen Umfang von bis zu vier Metern einnehmen kann. Der Holunder ist eine vielseitige Pflanze, die Vögeln und Insekten Lebensraum bietet, aber auch dem Menschen Nutzen bringt. Aus den Blüten und Beeren lassen sich etwa Gelee, Sirup oder Likör herstellen. Wenn er Mitte Mai in Vollblüte ist, eignet er sich mit seinen grossen Blüten auch als Zierpflanze.

Muss sonst noch etwas beachtet werden?

Der Holunder ist pflegeleicht und wächst auch im Schatten. Nicht gefeit ist er vor Läusen. Ich behandle einheimische Pflanzen aber grundsätzlich nicht mit Pflanzenschutzmitteln. Und die Schädlinge werden auch auf eine natürliche Art und Weise durch Nützlinge wie Florfliegen oder Marienkäferlarven bekämpft.

Was zeigen Sie an der (G)Artenvielfalt?

Wir zeigen einheimische und exotische Pflanzen. So steht in einer Ecke ein einheimischer Wacholder zusammen mit einigen Neophyten, die zur Herstellung von Gin verwendet werden können. Unsere Ausstellung spielt damit, Einheimisches mit der multikulturellen Pflanzenwelt zu kombinieren. Wir präsentieren ein vielfältiges Zusammenspiel verschiedenster Zier-, Nutz- und Wildpflanzen.