Dietikon
Viele Bäume, ein Hochhaus und Businseln: Die Pläne für den Bahnhof

Die Stadt Dietikon und die SBB haben am Bahnhof Grosses vor: Indem der heutige Bushof verlegt und auf zwei Inseln aufgeteilt wird, entsteht vor dem Bahnhof ein verkehrsberuhigter Platz. Die SBB planen auf dem P+R-Areal 200 Wohnungen und Büroflächen.

Oliver Graf
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Viele Bäume statt Busse: So soll es am Bahnhof Dietikon dereinst aussehen

Viele Bäume statt Busse: So soll es am Bahnhof Dietikon dereinst aussehen

zvg

Die graue Fläche vor dem Dietiker Bahnhof, auf dem heute Busse hin- und herfahren, soll zu einem weitgehend verkehrsberuhigten Stadtplatz werden: Angedacht ist ein mit hochstämmigen Bäumen bepflanzter Stadtwald. Dessen Blätterdach soll bis zum Bahnhofgebäude reichen.

Die Idee dieses Stadtwalds ist im Rahmen einer städtebaulichen Studie entwickelt worden, welche die SBB und die Stadt Dietikon in Auftrag gegeben haben. Dabei haben zunächst vier Teams mitgewirkt, zwei haben ihre Ideen dann vertieft weiterbearbeitet. Der Steuerungsausschuss von SBB und Stadt hat sich nun kürzlich einstimmig für das Konzept mit den Bäumen ausgesprochen. Im Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, wird es als «überzeugender Vorschlag zur Weiterentwicklung der Zentralität des Bahnhofgebietes in städtebaulicher, freiräumlicher und verkehrlicher Sicht» bezeichnet.

Der Busbahnhof wird zweigeteilt

Der attraktive begrünte Stadtplatz wird möglich, weil der bestehende Busbahnhof erneuert werden muss. Er genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Die im Einsatz stehenden Gelenkbusse sind zu lang für die Haltekanten. Diese sind nicht behindertengerecht. Und auch die Anordnung der Haltestellen ist nicht ideal; sie erschwert heute die Betriebsabläufe.

Vorgeschlagen wird nun eine Zweiteilung des Busbahnhofes: Die Endhaltestellen der Linien werden gemäss ihren Fahrtrichtungen auf zwei Businseln verteilt; auf die Businsel Nord auf dem Merkurplatz vor dem Postgebäude und auf die Businsel Süd auf dem Bahnhofplatz. Diese Aufteilung befreie den Bereich direkt vor dem Bahnhofgebäude vom Busverkehr, heisst es im Bericht zu den Studien. «Die systematische Trennung der Mobilitätsfüsse schafft ein robustes Gesamtsystem.»

Für den Stapi ist es ein «spannender Ansatz»

Diese Idee ist bestechend, wie Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) findet. Er spricht von einem «spannenden Ansatz». Denn dieser ermögliche es allenfalls auch, gleichzeitig die Verkehrsprobleme bei der Erschliessung der Post und im gesamten Bereich der Merkur- und Weiningerstrasse in Bahnhofsnähe zu verbessern. «Wir haben jetzt die Möglichkeit, diese Verbesserung im Zentrum detailliert anzuschauen und anzugehen, andernfalls ist diese Chance wohl auf Generationen hinaus verbaut», sagt Bachmann.

Denn die Neugestaltung des Busbahnhofes und des Bahnhofplatzes ist nur ein Bestandteil der Studie. Das gesamte Areal soll «zu einer Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs» und «einem attraktiven Standort für Wohnen und Arbeiten» entwickelt werden, wie die Stadt in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Sie beabsichtigt, «das Bahnhofsgebiet mit einer hohen Nutzungs- und Erlebnisdichte zu stärken».

Wohnüberbauung auf P+R-Anlage

Während die Stadt insbesondere den öffentlichen Raum aufwerten will, wirken die SBB darauf hin, in mehreren Etappen ihre Grundstücke westlich der Bahngleise zu überbauen. Auf dem heutigen P+R-Areal ist «eine mit Wohnhöfen durchsetzte Gebäudekomposition mit einem präzis platzierten Hochhaus an der Überlandstrasse» vorgesehen. Das Hochhaus könnte gemäss Studie bis zu 50 Meter hoch werden.

Zwischen dieser Wohnüberbauung und dem Bahnhofgebäude ist gegenüber des Bezirksgefängnisses ein weiterer Bau vorgesehen: In diesem «Sonderbaustein» sind gemäss SBB-Angaben im Erdgeschoss momentan Nutzungen im Bereich der Mobilität geplant, wie beispielsweise die Einfahrt in die Einstellhalle des SBB-Areals. In den Obergeschossen sind Büro- und Gewerbenutzungen vorgesehen.

Und in ihr Bahnhofgebäude wollen die SBB ebenfalls investieren. Gemäss Studie soll es saniert und um zwei Geschosse aufgestockt werden. An der nördlichen Gebäudeseite könnte in Richtung P+R-Anlage ein Anbau «als wohlplatzierter städtebaulicher Merkpunkt» folgen. Auf der anderen Seite in Richtung der Haltestellen der BDB und der im Bau befindlichen Limmattalbahn könnte ein Teil des Gebäudes hingegen abgerissen werden. Mit einem Rückbau liesse sich der heute enge Fussgängerbereich öffnen und der Personenfluss verbessern.

Es entsteht ein lebendiger Stadtteil

Gemäss diesen Ideen entsteht am Bahnhof «ein lebendiger Stadtteil», wie die Stadt in ihrer Mitteilung schreibt. «Neben rund 200 Wohnungen im mittleren Preissegment entstehen mindestens 1200 Quadratmeter publikumsorientierte Nutzung in den Erdgeschossen sowie 2800 Quadratmeter an Büro- und Dienstleistungsflächen.» Für Stadtpräsident Roger Bachmann ist das Gebiet am Bahnhof ein wichtiger Baustein in der weiteren Stadtentwicklung. «Der Bahnhofplatz ist eine unserer Visitenkarten.»

Die bisherige Zusammenarbeit mit den SBB stuft Bachmann als positiv ein. «Es besteht ein gegenseitiges Verständnis.» So sei für die Stadt klar, dass die SBB natürlich auch eine Rendite erzielen wollen. Die SBB seien sich ihrer Verantwortung bewusst, dass sie an dieser wichtigen Ecke der Stadt nicht einfach einen Betonklotz hinstellen könnten. «Wir haben einen Weg gefunden, um Wirtschaftlichkeit und städtebauliche Aspekte unter einen Hut zu bringen», sagt Bachmann. Die SBB wollen einen Beitrag zur Lebensqualität und einer hochwertigen Entwicklung im Stadtzentrum von Dietikon beitragen, heisst es seitens deren Medienstelle. «Wir freuen uns, auch weiterhin in der Projektentwicklung eng mit der Stadt Dietikon zusammen zu arbeiten.»

Es wird erst die Stossrichtung vorgegeben

Auch wenn nun nach dem Abschluss der Studie erste Visualisierungen vorliegen, fahren die Bagger nicht gleich auf. «Die auf dem Tisch liegenden Ideen geben erst die allgemeine Stossrichtung vor», sagt Bachmann. «Es gilt noch einen Haufen Fragen zu beantworten.» So müsse etwa genauer abgeklärt werden, wo die Taxis angeordnet werden, wie der Individualverkehr geführt werden soll, und was ebenfalls betroffene Grundeigentümer wie etwa die Besitzer des Postgebäudes von den Plänen halten. «Wir stehen erst am Anfang einer langen Planung.»

Die Kosten können deshalb gemäss Stadt noch nicht beziffert werden. Die SBB verweisen auf das Studienverfahren, bei dem die Gesamtprojektkosten für ihre Bauvorhaben auf rund 150 Millionen Franken veranschlagt wurden. «Dies kann sich jedoch noch ändern.»

Auf Basis der Studie wird die Stadt nun die Planung von Busbahnhof und Bahnhofplatz vorantreiben. Die SBB werden das Richtprojekt für einen Gestaltungsplan in Auftrag geben und daran anschliessend einen Architekturwettbewerb durchführen. Die weiteren Schritte werden ihre Zeit benötigen. Gemäss Studie ist eine Realisierung von Busbahnhof und Bahnhofplatz zwischen 2028 und 2031 denkbar.

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