Winterthur

Viel Prominenz und fehlende Tiernummern: So lief die Premiere des Circus Beat Breu

Beat Breus Zirkuspremiere bot klassische Nummern von mässiger bis guter Qualität. Und ein Publikum mit viel Prominenz von Trompeten-Sigi bis Alex Zülle.

Was wird jetzt wohl folgen? Frenetisch haben sie ihn gerade gefeiert, ihren Beat Breu, als er im Lichtkegel einsam in die Zirkusmanege getreten ist und sie, die Freunde, die vielen geladenen und auch einige zahlende Gäste begrüsst hat. Es war ein Applaus, in dem alles Wohlwollen mitschwang, das sich der «Bergfloh» mit seiner langen Karriere hart verdient hat – und vielleicht deshalb läuft Breu jetzt leicht gebückt, wie unter der Last der Erwartungen aus der Manege.

Schnauz und Trompete

Die Zirkuspremiere der Radsportlegende am Montagabend auf dem Teuchelweiherplatz ist ein gesellschaftlicher Anlass. Ein Wiedersehen für viele, die dem Sport zugetan sind, vor allem dem Radsport. Vom Ex-Profi Alex Zülle über Toni Vescoli bis zum Trompeten-Sigi sind zahlreiche Weggefährten da, um Beat Breu zu unterstützen. Sigi Michel, wie der Mann mit Trompete und Schnauz im richtigen Leben heisst, ist an der Tour de Suisse einst den Versorgungswagen gefahren. Abends hockte er jeweils mit Breu zusammen. «Ich wünsche mir sehr für ihn, dass das mit dem Zirkus klappt», sagt er. Ähnlich äussert sich der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle, der Breu vor ein paar Jahren am Oktoberfest in der Reithalle kennen gelernt hat und nun als Ehrengast geladen ist. «Er hat mir schon damals erzählt, dass er das mit seinem Zirkus plant. Ich hoffe, dass sein Traum jetzt weitergeht.»

Spannend, aber mit Steigerungspotenzial: So war Beat Breus erste Zirkusvorstellung

Vom Profi-Radrennfahrer zum Zirkusdirektor: Beat Breu erfüllte sich am Montagabend einen grossen Traum. 

Breu gehören die Sympathien an diesem Abend, ihm, der immer wieder aufsteht. «Ich hoffe, dass er mehr Glück hat als bei seinen letzten Projekten», sagt Richard Steiner, der mit Breu noch Radquer gefahren ist. Er sei ein guter Typ, der immer lustig drauf war und nett zu den Jungen, ergänzt Steiners Sohn Renato, auch er ein ehemaliger Radfahrer. Und lustig sei der Beat gewesen, Bauchkrämpfe habe man gehabt, wenn man mit ihm die Garderobe teilte.

Ganz so lustig ist der Circus Beat Breu dann nicht. Der Clown gehört nicht zu den Highlights. Und auch Valentina, die Frau, die durchs Programm führt und dieses immer wieder mit Schlagereinlagen in die Länge zieht, hat keine zündenden Pointen. Ihre Nummer mit einer Bauchrednerpuppe lässt sich verlustlos streichen. Es sind diese Minuten, die dem Publikum lang vorkommen in der Bruthitze, die das Zelt an diesem Sommerabend aufgestaut hat. Aber da sind auch andere Momente. Vor allem die Jongliernummern bringen immer wieder Stimmung ins Zelt. Und auch die Nummer am Trapez braucht sich nicht zu verstecken. Es ist solides Zirkushandwerk. Nicht mehr, nicht weniger.

Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte. Mit einem frenetischen Applaus und stehenden Ovationen für Beat Breu, den Mann mit dem Zirkustraum. Breu tritt zum Schluss noch einmal mit seinen Artisten in die Manege, um sich für die fehlenden Tiernummern zu entschuldigen. Alle Tiere habe man auf ihre Gesundheit geprüft, sagt er, dennoch habe die Schweiz die Einreise verboten. Ende September sollen die Tiere dann nachkommen. Dem Nummernmix wird das guttun. Ob es allerdings reicht, um den Zirkus Beat Breu auf und über den Berg zu bringen, wird das Publikum entscheiden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1