Zürich

Veterinäramt hat Tierquäler-Arzt entlassen

Der Fall einer Kuh hat für einiges Aufsehen gesorgt. (Symbolbild)

Der Fall einer Kuh hat für einiges Aufsehen gesorgt. (Symbolbild)

Der Tierarzt, der wegen Tierquälerei beim Schlachthof Hinwil verurteilt worden ist, wurde zu Recht entlassen. Aus Sicht des Zürcher Verwaltungsgerichts ist er sogar gut weggekommen.

Der Fall einer Kuh, die nach dem Transport zum Schlachthof Hinwil nicht mehr gehen konnte, hat für einiges Aufsehen gesorgt. Der amtliche Tierarzt hätte sofort eingreifen und die Kuh noch im Wagen töten müssen. Stattdessen schaute er eine Viertelstunde lang zu, wie die Schlachthofmitarbeitenden das Tier aus dem Fahrzeug zerrten und vergeblich versuchten, es mit einem Hubstapler aufzurichten.

Der amtliche Tierarzt setzte die Tierschutzvorschriften nicht um, sondern drehte ein Video vom Vorfall. Die Ereignisse vom Februar 2015 hatten Folgen für ihn. Er wurde Ende 2019 vom Bezirksgericht Hinwil mit erstinstanzlichem Urteil wegen Tierquälerei verurteilt. Das Delikt habe er durch seine Passivität begangen. Bestraft wurde der Tierarzt allerdings nicht.

Auf seine Anstellung beim Veterinäramt des Kantons Zürich wirkte sich der Vorfall aber sehr wohl aus, wie aus einem eben publizierten Urteil des Verwaltungsgerichts hervorgeht. Schon im März 2015 wurde für den damals 54-Jährigen eine ausserordentliche Mitarbeiterbeurteilung durchgeführt. Darin wurden seine Leistung und sein Verhalten als ungenügend eingestuft. Mit Verweis auf den Vorfall vom Februar wurde festgehalten, dass er «im Einzelfall seine Pflichten gar in krasser Weise missachte».

Der Mann, der zuvor Leiter der amtlichen Tiergesundheits- und der Fleischkontrolle war, wurde degradiert. Es wurden ihm sämtliche Führungsauf­gaben entzogen. Eine neue Zielvorgabe wurde abgeschlossen, und er erhielt einen schriftlichen Verweis. Zudem drohte man ihm an, ihn fristlos zu entlassen, sollte es zu weiteren schweren Versäumnissen kommen.

Das Verhalten kaum verändert

Aus dem Urteil geht hervor, dass es nicht bei dem einen Vorfall blieb. So wurde die Leistung des Tierarztes über mehrere Jahre bloss als «genügend» beurteilt. Mankos gab es jeweils bei der Umsetzung des Tierschutzes. Am 30. November 2017 – einen Tag nach einer internen Weiterbildung – kam es dann zu weiteren gravierenden Vorfällen. Diesmal beobachtet von einem anderen Amtstierarzt, der einen «Praktikums-Tag» absolvierte.

Erneut ging es um eine gehunfähige Kuh, die diverse Verletzungen aufwies. Erneut handelte der zuständige Tierarzt nicht. Diesmal fotografierte er den Vorfall. Schliesslich musste sein Kollege eingreifen und die leidende Kuh töten. Damit nicht genug: Im Stall fielen dem «Praktikanten» drei Stiere auf, die mit einem Strick durch den Nasenring geführt und angebunden gewesen seien. Das ist von der Tierschutzverordnung untersagt. Der Schlachthof Hinwil sei unter Androhung einer Anzeige schon mehrmals darauf hingewiesen worden. Der Tierarzt mit dem «Praktikums-Tag» meldete die Verstösse beim Veterinäramt. Sein passiver Kollege war danach mehrere Tage krankgeschrieben.

Im Februar 2018 wurde schliesslich die ordentliche Kündigung ausgesprochen. Der Entlassene rekurrierte bei der Gesundheitsdirektion und erstritt sich so eine Entschädigung von drei Monatslöhnen. Dies wurde ihm gewährt, weil man ihm keine Bewährungsfrist eingeräumt hatte. Damit war der Tierarzt aber nicht zufrieden, und er wandte sich ans Verwaltungsgericht. Er verlangte vier Monate Entschädigung und eine Abfindung von bis zu zehn Monatslöhnen.

Sogar fristlos gerechtfertigt

Das Verwaltungsgericht kommt nun zum Schluss, dass der Veterinär genügend Gelegenheit hatte, sein Verhalten zum Positiven zu verändern. Das sei aber nicht geschehen. Eine Bewährungsfrist wurde demnach zu Recht nicht angesetzt. Aus Sicht des Verwaltungsgerichts wäre gar eine fristlose Kündigung zulässig gewesen. Was die Abfindung angeht, sei nicht das Verwaltungsgericht zuständig, sondern der Regierungsrat. Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

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