3,9 Millionen Franken kostet die Sanierung des Büelhofs. Die inzwischen 45 Jahre alte Liegenschaft an der Uitikonerstrasse in Schlieren beheimatet neben dem Feuerwehrdepot aktuell auch Kleinwohnungen. Wie der Stadtrat kürzlich bekannt gab, wird die Sanierung rund zwei Millionen günstiger, als er es erwartet hatte. «Aufgrund des Entlastungsprogramms der Stadt Schlieren, aber auch unter Berücksichtigung der Langfristigplanung des ganzen Gebäudes, wurde das Projekt überarbeitet, minimiert und optimiert», schreibt der Stadtrat in seinem Beschluss.

Laut Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) ist diese markante Einsparung aufgrund verschiedener Faktoren möglich. Neben der Reduktion von 18 auf 9 Wohneinheiten im Vergleich zum ursprünglichen Projekt, habe auch der bewusste Verzicht auf «Minergie»-Bauweise eine Rolle gespielt. «Energetische Verbesserungen sollen jedoch durch den Ersatz der Heizzentrale hin zu einer 100-Prozent-Gasversorgung und einer verbesserten Isolation des Flachdachs erzeugt werden», so Stiefel.

Dass aus Kostengründen auf den Ausbaustandard Minergie verzichtet wird, überrascht. Ist Schlieren doch seit 1997 Trägerin des Labels Energiestadt und wurde seither drei weitere Male zertifiziert. Kritik kommt denn auch von den Ortsparteien, die sich für nachhaltige Bauweise einsetzen. Andreas Kriesi (GLP) etwa, findet, dass in diesem Projekt eine Sanierung zu Minergie-Standard sinnvoll sei. «Dies, wenn man davon ausgeht, dass die effektiven Kosten für den Minergie-Standard nicht mehr als zehn Prozent der Sanierung ausmachen sollten», sagt er.

Label geht nicht verloren

Aus Sicht von Manuela Stiefel ist es kein Problem, als Energiestadt auf eine Minergie-Sanierung zu verzichten. Zwar habe der Stadtrat vor anderthalb Jahren beschlossen, den Gebäudestandard 2015 von «Energiestadt Schweiz» zu übernehmen. «Es wurde jedoch explizit festgehalten, dass bei Renovationen nur dann Minergie zur Anwendung gelangt, wenn dies technisch und finanziell vertretbar ist», so Stiefel. Dies stehe nicht im Widerspruch zum Energielabel der Stadt. «Es besteht keine Gefahr, das Label zu verlieren, zumal die Stadt Schlieren in diversen anderen Bereichen wie Fernwärme, Photovoltaik-Anlagen und Holzbauten mit Material aus dem eigenem Wald punktet», sagt Stiefel.

Zudem führten auch strategische Überlegungen zu den Einsparungen beim Büelhof-Projekt. So sei das Gebäude aus dem Jahr 1972 noch nie einer Gesamtsanierung unterzogen worden. Der Rohbau habe aber noch nicht mal die Hälfte seines Lebenszyklus’ erreicht, so Stiefel. Der Innenausbau oder die Heizung und Lüftung hingegen seien jedoch zu erneuern. «Mit dem gewählten Vorgehen werden in 25 bis 30 Jahren alle Gebäudeteile aufeinander abgestimmt am Ende des Lebenszyklus’ ankommen und dann wahrscheinlich einem Abbruch zugeführt werden können», so Stiefel.

Zins steigt um 26 Prozent

Auch die SP/Grünen-Fraktion habe den Kredit kritisch angeschaut, wie Fraktionspräsident Walter Jucker auf Anfrage sagt. «Insbesondere wird durch die Renovation billiger Kleinwohnraum vernichtet», moniert er. So habe seine Fraktion noch offene Fragen bezüglich der Kündigungsfrist und der neuen Mietzinse für die Wohnungen.

Fest steht: Der Start der Arbeiten ist bereits für den kommenden April vorgesehen. Den neun Mieterparteien, die wieder zurückkönnen, würden für die Renovationszeit von neun Monaten Ersatzwohnungen angeboten. «Für sechs weitere Mieter – die nicht zurückkehren können – wurde bereits anderer Wohnraum gefunden», so Stiefel.

Wer zurück in die Überbauung Büelhof kann, muss eine Mietzinserhöhung in Kauf nehmen. «Für eine 2,5-Zimmer-Wohnung liegt der Nettomietzins bei zirka 1200 Franken, eine minimale Erhöhung», so Stiefel. Zum Vergleich: Die derzeit einzige 2,5-Zimmer-Wohnung ist derzeit zu einem Preis von 950 Franken zu haben. Dies entspricht einer Mietzinserhöhung von rund 26 Prozent.