Schlieren

Verein Wabe lanciert in Schlieren Trauertreff für Hinterbliebene

Claire Stiefel, Mitglied Stiftung Wabe

Claire Stiefel, Mitglied Stiftung Wabe

Der Verein Wabe Limmattal lanciert einen Trauertreff für Hinterbliebene. «Trauern ist ein längerer Prozess», sagt Leiterin Claire Stiefel. In den Trauertreffs sollen die Betroffenen die Möglichkeit zum Austausch erhalten und neue Perspektiven gewinne

Claire Stiefel ist Coach für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Zu ihr kommen Führungskräfte, die sich persönlich weiterentwickeln wollen, ebenso wie Leute, die unter chronischen Schmerzen leiden. Und sie spricht mit Menschen, die um den Tod einer geliebten Person trauern. «Über die Trauer zu reden, ist ein erster Schritt, um sie zu verarbeiten», sagt Stiefel.

Alltag lässt wenig Raum

Aus diesem Grund organisiert der Verein Wabe Limmattal ab Mai einen Trauertreff für Hinterbliebene. Der Verein Wabe Limmattal ist eine Freiwilligen-Organisation, die die Begleitung kranker und sterbender Menschen anbietet. «Die Idee eines Trauertreffs stand schon länger zur Diskussion, da wir bei Betroffenen vermehrt ein entsprechendes Bedürfnis festgestellt haben», sagt Stiefel, die neben ihrer Coachingtätigkeit auch im Vorstand des Vereins Wabe ist. Sie wird die Leitung des Trauertreffs übernehmen, da sie über eine breite Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Mit dem Trauertreff möchte Wabe den Hinterbliebenen die Möglichkeit bieten, mit anderen über ihre Trauer sprechen zu können.

Denn im Alltag hat das Thema Tod oft wenig Platz: «Das Umfeld der Angehörigen reagiert meist sehr verständnisvoll und hilfsbereit in der Zeit direkt nach einem Todesfall. Ziemlich bald wird dann aber erwartet, dass man einen Strich zieht und weitergeht», meint Stiefel und ergänzt: «Natürlich ist es wichtig, dass man wieder vorwärts schauen kann im Leben. Trauern ist aber ein längerer Prozess, der ganz individuell verläuft und unterschiedlich lange braucht.»

Die Reaktion sei aber verständlich, denn die Trauer anderer konfrontiere uns mit der Vergänglichkeit des eigenen Lebens. Viele könnten und wollten sich in ihrer täglichen Routine nicht mit dem Thema auseinandersetzen.

Früher trug man Schwarz

«Irgendwann wird aber jeder mit dem Thema konfrontiert werden», sagt Stiefel. Und in diesem Moment sei es wichtig, der Trauer genügend Raum zu bieten. «Früher war die Trauerphase klar geregelt: Nach dem Todesfall eines nahen Verwandten trug man ein Jahr lang Schwarz. Jeder konnte sehen, dass man in Trauer war und es wurde selbstverständlich darauf Rücksicht genommen.» Diese Konvention existiere jedoch nicht mehr. «Deshalb weiss heute aber niemand mehr genau, wie man eigentlich trauert.»

Inspiration durch Austausch

«Die Wahrheit ist, dass Trauer nicht nach Regeln verläuft. Genauso wie die Menschen unterschiedlich leben, trauern sie auch nicht gleich», sagt Stiefel. Sie habe aber immer wieder festgestellt, dass über die Trauer zu reden wesentlich sei, um sie zu verarbeiten. Mit dem Trauertreff möchte sie dafür den Rahmen schaffen, der im alltäglichen Leben fehlt.

«Der Trauertreff kann helfen, sich in der Gemeinschaft getragen zu fühlen und sich inspirieren zu lassen», sagt Stiefel. «Zu sehen, dass andere Leute ihre Trauer anders verarbeiten, kann für einen selber sehr bereichernd sein. Es eröffnet neue Perspektiven und Lichtblicke.»

Denn jeder Schicksalsschlag sei zugleich auch immer eine Chance, das Leben mit anderen Augen zu sehen.

Der erste Trauertrefffindet am 8. Mai von 19.00 bis 21.00 an der Sägestrasse 12 in Schlieren statt. Die folgenden Treffen sind jeweils am ersten Mittwoch im Monat. Weitere Informationen unter www.wabe-limmattal.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1