Spital Limmattal
Urdorfer Gemeinderat will nur aus Akutspital austreten

Urdorf soll den Zweckverband verlassen, aber seine Pflegeplätze behalten – was nicht so einfach ist. Da bekannt sei, dass beispielsweise Schlieren dringend mehr Pflegeplätze brauche, könnte die Situation für Urdorf problematisch werden.

Bettina Hamilton-Irvine
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Jürg Krebs

Der Urdorfer Gemeinderat will nicht mehr offiziell aus dem Zweckverband Spital Limmattal austreten, sondern nur noch aus dem Akutspital – und so seine Pflegeplätze im Pflegezentrum behalten. Dies ist neu: Denn bisher drehte sich die Diskussion um Urdorf und das Spital Limmattal immer um den Austritt aus dem Zweckverband. Über der Medienmitteilung, mit der die Exekutive am 12. Juli die Diskussion auslöste, stand denn auch: «Gemeinderat Urdorf beantragt Gemeindeversammlung Austritt aus Zweckverband Spital Limmattal und Ablehnung der Statuten.»

In der az Limmattaler Zeitung publizierten Einladung zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 19. September lautet der gemeinderätliche Antrag aber nun auf «Austritt aus Akutspital Limmattal». Gesundheitsvorstand Andreas Herren bestätigt auf Anfrage, der Gemeinderat beabsichtige, nur bezüglich Akutspital aus dem Zweckverband auszutreten: «Urdorf braucht die Pflegeplätze. Der Gemeinderat strebt ganz klar an, diese zu behalten.»

Anschlussvertrag ist möglich

Dies könnte jedoch schwierig werden. Wie Spitalpräsident Markus Bärtschiger sagt, hätten die Limmattaler Gemeinden dem Zweckverband gemäss Statuten die Aufgabenbereiche Akutspital und Pflegezentrum übertragen. «Wer aus dem Verband austritt, verliert nach Gesetz auch den Anspruch auf Langzeitpflege.» Zwar sei es möglich, dass Urdorf nach einem Austritt mit dem Zweckverband einen Anschlussvertrag für die Pflegeplätze abschliesse.

Doch müssten diesem die Verbandsgemeinden zuerst zustimmen. Da bekannt sei, dass beispielsweise Schlieren dringend mehr Pflegeplätze brauche, könnte die Situation für Urdorf problematisch werden. Bärtschiger betont, er wolle «nicht den Teufel an die Wand malen» und keinen Konflikt mit Urdorf. Doch: «Der Antrag hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.»

Das sieht auch Danilo Follador so. Der Urdorfer CVP-Präsident und Initiant des Komitees «Urdorf braucht das Limmi» zeigt sich «sehr überrascht» über diese Wendung. «Ich bin der Meinung, man kann nicht das Filetstück rausnehmen und sonst die Solidarität mit dem Spital vermissen lassen», sagt er. Die 15 Pflegeplätze, die Urdorf zurzeit belege, hätten «einen enormen Wert» für die Gemeinde: «Das darf man nicht unterschätzen.»

Follador hat das Komitee «Urdorf braucht das Limmi» gemeinsam mit alt Gemeindepräsident Kurt Gutknecht und alt Gemeinderat Urs Ramer ins Leben gerufen, um für einen Verbleib Urdorfs im Spitalverband zu kämpfen. Am Mittwoch fanden das erste Treffen und die offizielle Konstituierung statt. Das Komitee, dem bisher 23 Urdorfer Persönlichkeiten aus Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft angehören, lädt am 4. September zu einem Informationsanlass ein.

Zwei separate Veranstaltungen

Auch der Urdorfer Gemeinderat hat bereits zu einer Informationsveranstaltung geladen: Sie findet am 10. September statt. Der Gemeinderat ist der Ansicht, ein Verbleib im Spitalverband habe ein nicht abschätzbares finanzielles Risiko zur Folge. Zudem mache er keinen Sinn, da er gesetzlich nicht mehr verlangt werde.