Bezirksgericht

Unentschuldigte Absenzen: Schule in der Kirche stiess Vater sauer auf

In einer Kirche singen? Das geht gar nicht, findet der Vater von drei Buben.

In einer Kirche singen? Das geht gar nicht, findet der Vater von drei Buben.

Nachdem er seine drei Buben unentschuldigt vom Schulunterricht fernhielt, droht dem Vater nun eine Busse von 500 Franken. Der Mann will nicht, dass seine Söhne in einer Kirche singen.

Ein Vater schickt seine drei Buben unentschuldigt nicht in den Unterricht. Das schlägt sich gewichtig in seinem Portemonnaie nieder, soll er doch mit einer Busse von 500 Franken betraft werden, zu der sich noch 430 Franken Gebühren gesellen. Was ist denn da genau geschehen?

Am 19. Dezember 2016, einem Dienstag, fehlte der 6-jährige Sohn von 10 bis 12 Uhr im Kindergarten. Tags darauf nehmen sein 8-jähriger und sein 9-jähriger Bruder nicht an den Unterrichtsstunden von 13.30 bis 15.10 Uhr teil. Allerdings fand die besagte-Unterrichtszeit weder im Chindsgi-, noch im Schulzimmer und ebenso wenig in der Turnhalle statt. Auf dem Stundenplan stand Singen. Genau genommen waren für ein öffentliches Konzert Weihnachtslieder einstudiert worden und da fand die Hauptprobe logischerweise am Aufführungsort statt – in der Kirche.

Grund war der Glaube

Das passte dem Vater nicht: Aus religiösen Gründen hatte er ein Dispensationsgesuch gestellt. So lange seine Söhne in den Schulstuben Weihnachtslieder einstudierten, hatte der 31-jährige keinerlei Vorbehalte. In einer Kirche aber sollten die Buben nicht singen.

Im Jahr zuvor waren die beiden älteren eines Tages mit der Neuigkeit «Papi, heute haben wir in der Kirche gesungen»,aus der Schule nach Hause gekommen. Der Papi war aus allen Wolken gefallen. Vom Weihnachtslieder-Singen in der Schule hatte er gewusst, hatte auch keinerlei Einwände dagegen. Aber in der Kirche – nein!

«Kirchen sind kein Tabu für uns. Wenn ich eine schöne sehe, gehe auch ich hinein und schaue sie mir an. Aber darin singen würde ich nie und das sollen auch meine Söhne nicht.» In der Schweiz aufgewachsen, hier Schulen, Militär, eine Lehre absolviert, war der Vater bei der Lehrerin auf offene Ohren gestossen – nicht aber bei der Schulleitung. Die Dispensation für das Konzert wurde problemlos erteilt, nicht aber für die Hauptprobe. «Ich hätte die Kinder in der Zeit problemlos in die Schule geschickt. Aber nachdem es hiess, es sei in der fraglichen Zeit kein Mensch im Schulhaus, respektive im Chindsgi, habe ich sie eben daheim unterrichtet», sagte der leicht verbitterte Vater.

Er hatte sich einen Anwalt genommen, mit dem er gestern vor dem Dietiker Einzelrichter Bruno Amacker sass, beschuldigt der Verletzung der Elternpflicht durch unentschuldigte Absenzen. Er sei, sagte der Beschuldigte, von Beruf Chauffeur und inzwischen vierfacher Vater, ein «braver Bürger». «Sie wissen, dass ich mir noch nie etwas habe zuschulden kommen lassen. Aber es kann doch nicht sein, dass Kinder gezwungen werden, in einer Kirche Lieder zu singen», sagte der Vater.

Schon zwei Anwälte beschäftigt

Warum er denn gegen den Entscheid der Schulleitung nicht Rekurs einreichte, fragte der Richter; immerhin habe er dafür 30 Tage Zeit gehabt.» «Ich wollte nichts Falsches machen», antwortete der Vater. Er habe sich an eine Anwältin gewandt. Bis die sich genau informiert gehabt habe, sei viel Zeit verstrichen.

Sein heutiger Rechtsvertreter – ein Anwalt aus Bern – forderte einen Freispruch. Er zitierte aus der Zürcher Volksschulverordnung: «Die Dispensation von einzelnen Fächern ist nur ausnahmsweise und bei Vorliegen besonderer Umstände möglich.» Aus dem Volksschulgesetz fügt er an: «Die Volksschule erzieht zu einem Verhalten, das sich an christlichen, humanistischen und demokratische Wertvorstellungen orientiert. Dabei wahrt sie die Glaubens- und Gewissensfreiheit und nimmt auf Minderheiten Rücksicht.»

Richter Bruno Amacker ging, angesichts der heiklen Rechtslage davon aus, dass die Urteilfindung viel Zeit in Anspruch nimmt und wird das Urteil deshalb schriftlich mitteilen.

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