Mit 85 km/h, toleranzbereinigt 82 km/h, war ein Engadiner Architekt im Tempo-50-Bereich durch die Luzernerstrasse in Birmensdorf gebrettert. Die Polizei blitzte ihn, und damit begann das Strafverfahren, das am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dietikon um ein weiteres Kapitel ergänzt wurde. Der Mann wollte, dass die ausgesprochene Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 220 Franken reduziert werde.

Eingangs der Verhandlung stellte der Richter dem Beschuldigten Fragen zur Person und seinem automobilistischen Leumund. Aus den Antworten ging hervor, dass der Beschuldigte bereits 2009 und 2016 den Fahrausweis wegen grober Verletzungen von Verkehrsregeln für je drei Monate abgeben musste. Im Weiteren war der Mann wie bei den Einvernahmen geständig.

Der 69-Jährige begründete seinen Rekurs mit der Situation an der Luzernerstrasse in Birmensdorf: «Ich war mit den Gedanken abwesend und überrascht, dass dort Tempo 50 gilt.» Sein Anwalt unterstrich diese Sicht im Plädoyer. Wortreich erläuterte er anhand von Beispielen, dass dort eher Tempo 60 statt 50 gelten sollte. Somit müsste 60 statt 50 als Bemessungsgrundlage gelten, was zu einer Reduktion der Strafe führen würde. Angrenzende Wiesen liessen eher auf eine Umfahrungsstrasse als eine Ortsdurchfahrt mit Tempo 50 schliessen. Der Verteidiger gab weiter zu bedenken, dass routinierte Autofahrer, besonders bei langen Fahrten, manchmal in Gedanken und nicht immer bewusst auf Kommendes ausgerichtet seien. Er sieht hier ein gewisses automatisches Fahren, das durch die Erfahrung kompensiert werde. Ein Umstand, der für seinen Mandanten spreche.

Das Bezirksgericht hielt am Strafantrag der Staatsanwaltschaft fest und beliess es bei einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 220 Franken. Dazu kommen noch 1500 Franken Gerichtsgebühr und 1100 Franken für die Staatsanwaltschaft. Der Strassenraum im Birmensdorf lasse nicht auf einen Ausserortsbereich schliessen, hielt der Richter fest. Bei pflichtbewusster Aufmerksamkeit sei ein Irrtum ausgeschlossen. Und das zu schnelle Fahren stufte er als eine zwar fahrlässige, aber doch grobe Verletzung der Verkehrsvorschriften ein. Den hohen Tagessatz begründete er mit der Einkommens- und Vermögenssituation des Mannes.