Weiningen

Umweltaktivisten, Rockstars und Whistleblowerinnen: Er holt kontroverse Gäste nach Zürich

In diesem Büro in Altstetten arbeitet Fabian Hediger. Der Weininger veranstaltet mit seinem Team am 16. und 17. Januar die achte Ausgabe des Worldwebforums. Bild: Severin Bigler

In diesem Büro in Altstetten arbeitet Fabian Hediger. Der Weininger veranstaltet mit seinem Team am 16. und 17. Januar die achte Ausgabe des Worldwebforums. Bild: Severin Bigler

Fabian Hediger ist der Gründer des Worldwebforums. An der achten Ausgabe des zweitägigen Events wird über die Zukunft der Führungsriege diskutiert. Dazu hat der Weininger unter anderem Exctinction-Rebellion-Mitbegründer Roger Hallam oder Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich eingeladen.

Die dunkle Tapete ist übersät mit goldenen Farbtupfern. Bei genauem Hinsehen entpuppen sie sich als Umrisse eines bekannten Autos. Es ist ein DeLorean DMC-12, mit dem Michael J. Fox in der kultigen Science-Fiction-Trilogie «Zurück in die Zukunft» aus den 1980er-Jahren durch die Zeit reiste. «Die Zukunft, in die wir damals in den Filmen geschaut haben, ist heute schon vorbei», sagt Fabian Hediger.

Der 49-Jährige sitzt an einem zwölf Meter langen Sitzungstisch in seinem Büro in Zürich Altstetten und betrachtet das Miniatur-Modell des Zeitmaschinen-Gefährts, das vor ihm auf dem Tisch steht. «Auch wir müssen in die Zukunft schauen und versuchen, sie vorauszusagen», sagt der Gründer des Worldwebforums. Einen Beitrag dazu will er mit seinem Event am 16. und 17. Januar leisten. Der Weininger und sein 50-köpfiges Team holen an der achten Ausgabe der grössten Schweizer Digital-Konferenz erneut bekannte Persönlichkeiten in die Eventhalle «Stage One» in Oerlikon.

Der Anlass steht unter dem Motto: «Wanted: Leader» zu Deutsch «Gesucht: Anführer». «Unsere Rednerinnen und Redner werden sich mit diesem Thema auseinandersetzen und uns sagen, was sie sich unter einer guten Führungskraft vorstellen», sagt Hediger. Die Referenten kommen aus aller Welt. Darunter sind Top-Manager, Forscherinnen, Stars, Politiker oder Unternehmerinnen. Hediger weiss: «Die Meinungen werden auseinandergehen, es wird kontroverse Diskussionen geben.» So etwa, wenn der ehemalige deutsche Aussenminister und Vizekanzler Joschka Fischer und Bruce Gibney, einer der ersten Investoren des Online-Bezahldiensts Paypal, aufeinandertreffen. «Es wird spannend sein, was sich ein ehemaliger Kommunist und ein Kapitalist zu sagen haben», sagt Hediger. Und nicht nur diese Begegnung verspricht, unterhaltsam zu werden. Der deutsche Journalist Jan Fleischhauer wird zum Beispiel dem ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter auf den Zahn fühlen.

Referentin spricht über  den Facebook-Datenskandal

Auf die 1500 Gäste und 500000 Live-Stream-Zuschauer warten weitere Rednerinnen und Redner wie Werner Vogels, Vizepräsident von Amazon, oder Whistleblowerin Brittany Kaiser, die für das Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica arbeitete, das für den Missbrauch von rund 87 Millionen Facebook-Nutzerdaten verantwortlich ist und die US-Präsidentschaftswahlen, aus denen Donald Trump als Sieger hervorging, beeinflusst haben soll. Der Netflix-Dokumentarfilm «The Great Hack», der den Skandal aufrollt, ist für einen Oscar nominiert.

Die Gemüter bewegte im Jahr 2019 auch Roger Hallam. Der britische Umweltaktivist und Mitbegründer der Klimabewegung Extinction Rebellion relativierte in einem Interview im November den Holocaust und erntete dafür viel Kritik. Auch Hallam wird in Oerlikon einen Vortrag halten. «Wir hatten ihn bereits eingeladen, bevor seine Aussage bekannt wurde, für die er sich inzwischen entschuldigt hat», sagt Hediger.

Wie er die geballte Ladung an Prominenz jeweils in die Schweiz holt, erklärt der Weininger ganz einfach: «Das haben wir unserem Netzwerk im Silicon Valley zu verdanken.» Atlassian, ein Partner-Unternehmen von Hedigers IT-Firma Beecom, ist dort zu Hause. «Viele ehemalige Mitarbeiter von Atlassian sind unterdessen für Firmen wie Google, Amazon oder Apple tätig. Zudem werden wir von ehemaligen Referenten weiterempfohlen.» Viele von ihnen kennt Hediger persönlich. Und wenn nicht, hat er zumindest schon mit ihnen telefoniert. «Die meisten sind sehr gute Zuhörer, wirken dezent und zuvorkommend und haben so gar nichts Abgehobenes an sich», findet Hediger. Er lerne enorm viel im Austausch mit ihnen.

Der Weininger Fabian Hediger gründete das Worldwebforum 2007.

Vom Werbeevent zum Grossanlass

Der Weininger Fabian Hediger gründete das Worldwebforum 2007.


Diese Erfahrung will er nun auch den Konferenz-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern bieten. Deshalb geben er und sein Team an dieser Ausgabe des Worldwebforums den kleinen parallel verlaufenden Veranstaltungen mehr Raum. «Es werden immer noch Auftritte auf der grossen Bühne stattfinden, jedoch weniger als zuvor.» Der Fokus auf den kleinen Rahmen ermögliche es, mehr in die Tiefe zu gehen. «Die Gäste haben die Möglichkeit, mit den Referenten zu diskutieren», sagt Hediger.

Start-up-Gründer züchten Fleischzellen im Reagenzglas

Am zweitägigen Event dabei sein werden auch viele Start-up-Gründerinnen und -Gründer. «Brian Spears wird etwa über sein Unternehmen ‹New Age Meats› sprechen, das sich auf die Züchtung von Fleisch aus dem Reagenzglas spezialisiert hat. Damit könnte das globale Ernährungsproblem beseitigt werden», sagt Hediger. Eingeladen hat er unter anderem auch Jordan Noone, der das Start-up Relativity betreibt. «Er und sein Team haben den grössten 3D-Drucker entwickelt, mit dem man Raketen samt Triebwerk drucken kann.» Neu eingeführt hat Hediger zudem eine Late-Night-Show. «Sie ist das Bindeglied zwischen dem ersten und zweiten Tag und wird auf einer kleineren Bühne durchgeführt.» So entstehe eine familiärere Atmosphäre. Die Referentinnen und Referenten seien zum Greifen nah. Einer, der in diesem Rahmen auftreten wird, ist Lars Ulrich, Mitbegründer und Schlagzeuger der amerikanischen Metal-Band Metallica.

Die Babyboomer müssen Jüngeren Platz machen

Mit dem Worldwebforum, das 2007 als Werbeevent für die eigene IT-Firma mit 15 Teilnehmern begann, will Hediger die Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer inspirieren und anspornen. Es steht ein Wandel in den Chefetagen an. «Viele der referierenden Managerinnen und Manager sind der Ansicht, dass ein radikaler Wechsel stattfinden muss, weg von einer hierarchischen, hin zu einer agilen Unternehmensstruktur», sagt Hediger. Es brauche Visionen, neue Werte und Technologien. Die Babyboomer, die in Europa und der Schweiz mehrheitlich immer noch die führenden Kräfte seien, müssten umdenken oder der Generation X oder Jüngeren Platz machen.

Nur so könnten Firmen und Unternehmen erfolgreich sein und bleiben, laute der Tenor, sagt Hediger. Er unterstützt diesen Schritt. «Schliesslich wünsche ich mir, dass meinen Kindern und den darauffolgenden Generationen auch einmal alle Möglichkeiten offenstehen so wie uns. Ich glaube, sie sind froh, wenn wir für sie in die Zukunft schauen und uns dafür rüsten.»

Meistgesehen

Artboard 1