Todesfall
Umstrittener Zürcher Gemeinderat Mario Babini ist tot

Mario Babini ist tot. Der parteilose Zürcher Stadtparlamentarier ist am Freitag im Alter von 60 Jahren im Universitätsspital Zürich gestorben. Babini wurde zuerst als «Messerfuchtler» und dann als «Mehrheitsbeschaffer» bekannt.

Patrick Gut
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Mario Babini Ende 2015 bei einer Sitzung im Gemeinderat.

Mario Babini Ende 2015 bei einer Sitzung im Gemeinderat.

Limmattaler Zeitung

Mario Babini war im September wegen Komplikationen in ein thailändisches Regionalspital eingeliefert worden. Dort brach eine Lungenentzündung aus. Wochen später verlegte man ihn in ein modernes Spital in Bangkok. In der thailändischen Hauptstadt wurde der ehemalige SVP-Gemeinderat operiert und auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde er in die Schweiz transportiert.

Am letzten Freitag ist Babini im Zürcher Universitätsspital verstorben. Die Parlamentsdienste der Stadt Zürich bestätigten auf Anfrage eine Meldung von Radio 1. Vom Tod des Gemeinderats hätten sie durch das Bestattungsamt erfahren, sagte Andreas Ammann, Leiter der Parlamentsdienste. Auf Wunsch der Familie finde keine öffentliche Abdankung statt. Weitere Details seien nicht bekannt.

Aus der Fraktion geworfen

Kurz nach seiner Wahl in den Gemeinderat für die SVP der Stadtkreise 1 und 2 war Babini 2014 national in die Schlagzeilen geraten. Er wurde angezeigt, weil er in der Beder-Bar in Zürich-Enge Personal und Gäste angepöbelt und bedroht haben soll. Der SVP-Politiker war angetrunken und soll ein Messer gezückt haben.

Der Doktor der Wirtschaftswissenschaften verbrachte 101 Tage in Untersuchungshaft. Die SVP warf ihn aus der Gemeinderatsfraktion. Babini trat aus der Partei aus und politisierte fortan als Parteiloser. Bei der CVP genoss er Gastrecht ohne allerdings Mitglied der Fraktion zu sein.

Rechtliche Konsequenzen hatte die Episode in der Bar letztlich nicht. Die Geschädigten zogen ihre Anzeige zurück und das Verfahren wurde eingestellt. Wie im Nachhinein bekannt wurde, war Babini zum Zeitpunkt des Vorfalls psychisch erkrankt – er befand sich demnach in einer manischen Phase.

Zünglein an der Waage

Der «Blick» titulierte Babini als Messerfuchtler, im Gemeinderat trat der nunmehr Parteilose als Mehrheitsbeschaffer auf. Das zeigte sich unter anderem in den Budgetdebatten. Im 125-köpfigen Stadtparlament brachten es SVP (ohne Babini), FDP, GLP und CVP auf 62 Sitze. Genau gleichviel wie SP, Grüne und AL. Die Stimme von Babini gab also verschiedentlich den Ausschlag. Entsprechend titelte die «NZZ» im Dezember 2014: «Budget à la mode de Babini» und ein Jahr später «Babinis Budget».

Nach dem Tod von Mario Babini könnten sich die Mehrheiten wieder häufiger auf die Seite der SVP neigen. Der Sitz steht nämlich der SVP der Stadtkreise 1 und 2 zu. Kreisparteipräsident Ueli Bamert kann noch nichts zur Nachfolge von Babini sagen. Dazu sei jetzt auch nicht der Zeitpunkt. «Es ist ein tragisches Ereignis und wir denken zunächst an die verstorbene Person», sagte Bamert.

Nach dem Rücktritt von Katharina Widmer Anfang Jahr, musste die SVP Kreis 1 und 2 bereits ein neues Gemeinderatsmitglied stellen. Damals verzichteten alle neun Ersatzkandidierenden auf der Liste. Die Partei wurde schliesslich mit dem Arzt Dubravko Sinovcic fündig. Die Kreispartei wird nun wohl auch für Babini jemanden suchen müssen, der in der Wahl 2014 nicht auf der Kandidatenliste stand.