Das Timing für die Forderung sei alles andere als geglückt, bemerkte TalkTäglich-Moderator Hugo Bigi gegenüber Patrick Walder, SVP-Parteipräsident des Kantons Zürich. Nur zwei Wochen nach dem Glarner-Skandal setzt sich die Zürcher SVP im Kantonsparlament für eine Änderung des Schulreglements ein. Religiöse Feiertage sollten nicht wie bisher als freie Tage verbucht werden; die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Jokertage dafür einsetzen, so der Vorschlag der Zürcher SVP. Einen «Missstand» nennt Walder das momentane Vorgehen an den Schulen in der Sendung und führt aus: «Wir als Zürcher SVP haben die Aufgabe, Missstände zu erkennen und dagegen vorzugehen. Das wollen wir mit dem Vorstoss, den wir im Kantonsrat einreichen.»

Anders sieht dies SP-Fraktionschef und Gymnasiallehrer Markus Späth. «Es ist kein Missstand und der Vorschlag der SVP keine Lösung.» Wie es die Bundesverfassung und die Schulen bisher handhabten, würde mehr als ausreichen. Späth geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet: «Mit der Bundesverfassung und der Dispensationsmöglichkeiten haben wir einen massiven Beitrag zur Befriedigung der Schweiz geleistet.» Aufgrund des Modells habe man den Umgang mit diversen religiösen Gemeinschaften gelöst. Späth stört sich zudem daran, dass die SVP immer nur von den muslimischen Gruppen sprechen würde – «typisch», wie er findet. «Wir meinen alle religiösen Feiertage», sagt Walder. Bei der Thematik ginge es um Gleichberechtigung und Fairness. «Kinder, die keinem Glauben angehören, werden schlechter behandelt. Das können wir so nicht tolerieren.»

Laut Gymnasiallehrer Späth ist dieser Vorwurf weder auf der Schüler- noch der Lehrerseite je ein Thema gewesen. Man könne die Dispensation sogar aus dem Reglement herausstreichen, und die Eltern könnten ihre Kinder wegen familiären Angelegenheiten immer noch vom Unterricht dispensieren. «Man würde das Problem also nur verschieben.» Der SP-Politiker ist sich mit Walder jedoch – zumindest ansatzweise – in einem Punkt einig: Ungleichheiten gebe es im Absenzenwesen nun mal – «sei es, weil gewisse Eltern strenger beim Unterschreiben von Absenzen sind, oder sei es, weil andere die verfügbaren Jokertage gar nicht erst beziehen». Gerechtigkeit gebe es in diesem Bereich so oder so nicht.

«Permanenter Anti-SVP-Reflex»

Walder betont wiederholt die angeblich schwierige Stellung der SVP im Kantonsrat: «Der permanente SVP-Reflex im neugewählten Zürcher Parlament erschreckt mich. Das habe ich so nicht erwartet.» Die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg habe er sich nach den Neuwahlen im Frühling besser vorgestellt. «Als wir an der Medienorientierung unseren Vorstoss vorstellten, hat kein Fraktionspräsident oder sonst ein Kantonsrat mit uns das Gespräch gesucht, um sachlich eine Lösung zu finden.»  Darauf entgegnet Späth: «Ihr müsst Politik handwerklich richtig machen.» Was die SVP am Montag gemacht habe, sei vollkommene Scharlatanerie. Wolle man eine Mehrheit im Parlament, müsse man miteinander verhandeln. Das sei nicht passiert. Für den SP-Politiker ist klar: «Ihr habt etwas lanciert, um von Glarner abzulenken.»