Dietikon

Umstrittener Villa-Abbruch: Jetzt zieht die Stadt den Fall vor Gericht

Im November 2016 wurde die Villa Simon an der Römer-/Ecke Oetwilerstrasse innerhalb kurzer Zeit abgerissen.

Im November 2016 wurde die Villa Simon an der Römer-/Ecke Oetwilerstrasse innerhalb kurzer Zeit abgerissen.

Aus Sicht des Stadtrats wurde die Villa Simon 2016 unrechtmässig abgebrochen. Auch nach der Einstellung des Strafverfahrens durch das Statthalteramt unter anderem gegen Gemeinderat Lucas Neff sucht die Stadt Klärung beim Obergericht.

Bis zum 11. November 2016 stand in Dietikon an der Römer-/Ecke Oetwilerstrasse die Walmdach-Villa Simon. An diesem Tag wurde das Gebäude aus dem Jahr 1929 innerhalb von gut zwei Stunden abgerissen – unmittelbar, bevor die Stadt über die Aufnahme der Villa in das kommunale Inventar der schutzwürdigen Bauten entscheiden wollte.

In den Abbruch involviert: Die Grundstückseigentümerin, die Schwyzer CRS Management AG, die auf dem Grundstück der Villa mehrere sechs- bis achtstöckige Mehrfamilienhäuser errichten will, das Weininger Bauunternehmen Richi, das den Abbruch vornahm, sowie der von CRS beauftragte Dietiker Architekt Lucas Neff. Neff ist seit Jahren Gemeinderat der Grünen im Dietiker Parlament und macht bei der Stadtratswahl im März einen zweiten Anlauf, einen Stadtratssitz zu erlangen. CRS wie Neff wussten von den städtischen Plänen mit dem Gebäude.

«Ich wurde verunglimpft»

In den Augen der Stadt handelte es sich bei dem Abbruch um eine «rechtswidrige Zerstörung». Sie reichte im Dezember 2016 Strafanzeige ein gegen den Bauherrn, die Abbruchfirma und den Architekten. Mit Schreiben vom 8. Januar stellte das Statthalteramt Dietikon das Verfahren nun ein. Ab Zustellung beträgt die Rekursfrist zehn Tage.

Lucas Neff informierte gestern in einer Medienmitteilung von dem Entscheid und gab darin seiner Erleichterung Ausdruck: «Es fällt mir ein Riesenbrocken vom Herzen.» Neff liess die Limmattaler Zeitung Einsicht in den Entscheid nehmen. Daraus zu zitieren war nicht möglich; Neff verwies auf das laufende Verfahren. Er selbst fasst die Verfügung so zusammen: «Es wird klar festgehalten, dass ich keine Strafnorm verletzt habe.» Er sei von der Stadt verunglimpft worden. «Gegenüber mir – als von der Bauträgerschaft eingesetztem, treuhänderischem Architekten – galt nie die eigentlich übliche Unschuldsvermutung.» Mit Verweis auf die noch laufende Rekursfrist zeigte er sich in der Mitteilung optimistisch: «Realistischerweise wird der Stadtrat aber von einem Rekurs absehen.»

Daraus wird nichts. Stadtpräsident Otto Müller (FDP) gab gestern auf Nachfrage bekannt, dass die Stadt das Verfahren an die Strafkammer des Kantonalen Obergerichts weiterziehen wird. «Der Stadtrat hat den Entscheid in aller Form geprüft und ist in keiner Weise damit einverstanden.» Vor allem deshalb nicht, weil er auch Auswirkungen auf die Tätigkeit der Bewilligungsbehörde habe. «Das müssen wir durch den Weiterzug abklären lassen.» Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens zeigte sich Müller gestern «sehr befremdet vom Verhalten der Bauherrschaft und des Planers», ohne Details dazu zu nennen.

Abriss kurz vor knapp

Was den ganzen Fall so brisant macht, ist der zeitnahe Abriss des Gebäudes, sobald die Schutzwürdigkeit der Villa drohte. Für den Tag nach dem Abriss sollte ein Baustopp durch die Hochbauabteilung erfolgen. Bereits einen Monat vorher hatte die Stadt Bauherr und Architekten darüber informiert, dass ein Abbruch ohne vorherige Prüfung der Schutzwürdigkeit nicht erfolgen dürfe – es sei denn, eine Baubewilligung liege vor. Das war nicht der Fall. Diese bedürfe es ausserhalb der Kernzonen, wo auch die Villa lag, aber gar nicht, so der Anwalt des Bauherrn im November 2016.

Neff zeigte sich gestern überrascht, dass die Stadt das Verfahren weiterzieht. Die Unterschutzstellung von Gebäuden sei klar geregelt, daher sei auch die Rechtslage klar. «Meiner Meinung nach werden mit dem Weiterzug nur Steuergelder verschleudert. Es handelt sich um eine Trotzreaktion der Stadt, und diese ist auch politisch motiviert.» Es sei nie seine Absicht gewesen, die Stadt zu provozieren, weder als Politiker noch als Architekt. Neff beklagte, dass seitens der Stadt keine Kommunikation stattgefunden habe. «Meinerseits bestand immer Gesprächsbereitschaft, die aber von der Stadt zurückgewiesen wurde.»

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