Weiningen
Umstrittene Haltekanten: Niemand will die Bushaltestelle vor der Haustüre haben

Die Gemeindeversammlung vom 3. Dezember soll entscheiden, welche Anwohner der Badenerstrasse in Weiningen in den sauren Apfel beissen müssen.

Sibylle Egloff
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Der Weininger Gemeinderat will den genauen Standort der Haltekanten der Bushaltestelle «Schulhaus» definieren.

Der Weininger Gemeinderat will den genauen Standort der Haltekanten der Bushaltestelle «Schulhaus» definieren.

Sandro Zimmerli

Wo sollen die Haltekanten für die Bushaltestelle «Schulhaus» an der Badenerstrasse in Weiningen zu liegen kommen? Diese Frage stellt sich den Stimmberechtigten an der Weininger Gemeindeversammlung am 3. Dezember. Der Gemeinderat will im Rahmen der 1,4 Millionen Franken teuren Instandsetzung des Abschnitts Badenerstrasse «West» den genauen Standort der Haltekanten definieren und die Bushaltestelle nach den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes ausgestalten.

Das Stimmvolk hat zwei Optionen. Entweder entscheidet es sich für die vom Gemeinderat favorisierte Bestvariante, bei der die beiden Haltekanten direkt gegenüberliegend im Bereich zwischen dem Zugang des Oberstufenschulhauses und der Liegenschaft Badenerstrasse 33 angeordnet werden. Das Vorprojekt dazu, das der Gemeinderat im September 2019 verabschiedete, beinhaltet zudem die Erstellung eines neuen Warteunterstands. Die Kosten von rund 90000 Franken dafür wären ungebunden.

Zur Alternative gibt es Treppe und Anzeigetafel

Die Stimmbürger können sich aber auch für die Alternativvariante aussprechen, die eine Platzierung der südlichen Haltekante vor der Liegenschaft Badenerstrasse 37b vorsieht. Bei dieser Variante würden ungebundene Ausgaben von 115000 bis 205000 Franken für eine schularealinterne Wegverbindung mit Treppe und Treppenlift sowie für Fahrgastinformationsanzeiger entstehen.

Eigentlich müsste der Gemeinderat den Stimmberechtigten das Geschäft gar nicht vorlegen. «Der Gemeinderat hätte die Kompetenz gehabt, die Bestvariante festzusetzen, weil sie weniger als 100000 Franken kostet», sagt Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos). Doch weil der Standort der Haltekanten umstritten ist, wählte der Gemeinderat diesen Weg. «Es gab einige Einwendungen zum Vorprojekt. Egal für welche Variante wir uns entscheiden, die Hälfte der betroffenen Anwohner wird keine Freude haben», sagt Okle. Es sei daher nicht angebracht, dass der Gemeinderat allein darüber befinde. Dieses Geschäft müsse diskutiert werden, bevor man sich festlege.

Dem Gemeinderat ist bewusst, dass es keine optimale Lösung für alle gibt. Doch wir hoffen, dass wir an der Gemeindeversammlung einen Konsens finden.

(Quelle: Mario Okle, Weininger Gemeindepräsident)

«Auch wenn wir die Bestvariante aus technischer Sicht leicht bevorzugen, müssen wir sagen, dass beide Optionen sich mit ihren Vor- und Nachteilen fast die Waage halten, wobei für die Alternativvariante das Wartehäuschen auf der Nordseite weniger zweckmässig ist, da man doch eine ganze Weile exponiert ist, bis man zum ostwärts fahrenden Bus gelangt», sagt Okle. Dass die Bestvariante günstiger ist als die Alternativvariante, sei für den Gemeinderat nicht ausschlaggebend. «Dem Gemeinderat ist bewusst, dass es keine optimale Lösung für alle gibt. Doch wir hoffen, dass wir an der Gemeindeversammlung einen Konsens finden», sagt Okle.

Der Grund für die Kritik an den jeweiligen Varianten hat mit den befürchteten Emissionen durch die Schülerinnen und Schüler zu tun. «Es handelt sich um ein soziales Problem. Die Anwohner der Badenerstrasse 33 und der Badenerstrasse 37 wollen nicht, dass Schülerinnen und Schüler den Abfall vor ihrer Haustüre rumliegen lassen und dort herumlungern, wenn sie auf den Bus warten. Zudem bemängelt man, dass die Einfahrt in die Liegenschaften durch die wartenden Schüler erschwert werden könnte», sagt Okle.

Schülerschaft soll sensibilisiert werden

Der Gemeinderat könne die Bedenken verstehen, schliesslich befänden sich die geplanten Haltestellen wenige Meter entfernt von den Stuben der betroffenen Anwohner. «Wir sind uns dessen bewusst, deshalb machen wir uns dafür stark, dass in der Schule eine Sensibilisierung stattfindet und die Jugendlichen auf das Thema angesprochen werden, damit sie sich so verhalten, dass die Anwohner die Lösung akzeptieren können», sagt Okle. Nach der Gemeindeversammlung wird der Gemeinderat die gewünschte Variante ausarbeiten, das Projekt auflegen und nach der Einsprachefrist festsetzen.

Die Stimmbürger befinden am Donnerstag zudem über das Weininger Budget 2021. Dieses sieht bei einem Aufwand von 26,44 Millionen Franken und einem Ertrag von 25,81 Millionen Franken ein Minus von 632000 Franken vor. Der Steuerfuss soll wie im Jahr zuvor 85 Prozent betragen.

Gemeindeversammlung

Die Versammlung findet am Donnerstag, 3. Dezember, um 20 Uhr im Quartierzentrum Fahrweid statt. Eine Anmeldung ist erwünscht und wird bis am 3. Dezember um 10 Uhr entgegengenommen.