Kantonsrat
Umstrittene Doppelrolle: Zürcher Bildungsdirektorin präsidiert auch Universitätsrat

Was die Politik bei der Wirtschaft kritisiert, dass ein VR-Präsident auch CEO ein und derselben Firma sein darf, erlaubt sie bei der Universität Zürich. Bildungsdirektorin Silvia Steiner präsidiert auch den Universitätsrat. Der Kantonsrat dem grossmehrheitlich zugestimmt.

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Die Bildungsdirektorin präsidiert künftig auch den Universitätsrat: Silvia Steiner (CVP).

Die Bildungsdirektorin präsidiert künftig auch den Universitätsrat: Silvia Steiner (CVP).

KEYSTONE

Die Zürcher Bildungsdirektorin darf gleichzeitig auch Präsidentin des Universitätsrats der Uni Zürich sein. Der Kantonsrat sprach sich am Montag für diese Doppelrolle aus und lehnte einen Vorstoss ab, der eine Trennung von Aufsicht und strategischer Führung forderte.

Als Bildungsdirektorin ist Silvia Steiner (CVP) für die Aufsicht über den Universitätsrat zuständig. Ist sie in diesem Gremium selber vertreten, führt dies zu einer Doppelrolle. Diese hatte bei der Entlassung von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli als Kurator des Medizinhistorischen Museums für heftige Kritik gesorgt.

Die damaligen Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) war zu jener Zeit mitverantwortlich für die Entlassung - gleichzeitig von Amtes wegen aber auch Rekursinstanz. Deshalb forderte ein ehemaliger FDP-Kantonsrat in einer Einzelinitiative eine Entflechtung.

Das Zürcher Parlament lehnte den Vorstoss am Montag mit 128 zu 43 Stimmen deutlich ab. Nur die Freisinnigen und die Grünen sprachen sich dafür aus. Sie forderten eine klare Trennung zwischen Aufsicht und strategischer Führung. Alles andere bezeichnete die Sprecherin der Grünen als "wenig zeitgemäss und fragwürdig".

Sogar die SVP, welche Aepplis Rolle am lautesten kritisiert hatte, sprach sich gegen den Vorstoss aus. Die Bildungsdirektion müsse weiterhin die Hauptverantwortung tragen, nur so könnten Missstände auch angeprangert werden, sagte ihr Sprecher.

Die Universität habe eine enorme Bedeutung für den Kanton Zürich, waren sich die Gegner der Einzelinitiative zudem einig. Mit einem Staatsbeitrag von jährlich 600 Millionen Franken sei eine Mitsprache bei der strategischen Führung unabdingbar, sagte etwa die SP-Sprecherin. Der Kanton müsse seine Verantwortung wahrnehmen.