Dietikon
Umdenken bei der Bepflanzung: «Neuphyten gehören nicht mehr zur heutigen Gartengestaltung»

Mit einheimischen Pflanzen und Baustoffen entsteht im Gartenraum der Firmen Tanner Gartenbau AG und Ernst Spalinger AG eine grüne Erholungszone mit einer Recyclingmauer, die Tieren Unterschlupf gewährt.

Sebastian Schuler
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Lorenz Tanner, Geschäftsführer der Tanner Gartenbau AG, gefällt die Idee des Parcours.

Lorenz Tanner, Geschäftsführer der Tanner Gartenbau AG, gefällt die Idee des Parcours.

Sebastian Schuler

Was hat Sie zur Teilnahme an der (G)Artenvielfalt-Ausstellung bewegt?

Lorenz Tanner: Die Ausstellung bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, vielen Menschen das Problem der invasiven Neophyten näher zu bringen und sie zu sensibilisieren. Mir gefällt die Idee des Globi-Parcours, der das Thema auf eine spielerische Art und Weise auch den jüngeren Besucherinnen und Besuchern des Parks vermittelt. Es ist ein tolles Projekt, das ich unterstützen will. Ich bin froh, gemeinsam mit der Firma Ernst Spalinger AG einen Gartenraum gestalten zu dürfen.

Wie gestalten Sie Ihren Gartenraum?

Wir wollen zeigen, dass man durch eine achtsame und nachhaltige Bepflanzung der nächsten Generation grüne Erholungszonen und damit Lebensqualität bieten kann. Im Zentrum unseres Gartens steht eine Recyclingmauer, die unter anderem aus wiederverwendetem Schweizer Sandstein, Gneis und Holz gebaut ist. Die Mauer wurde ohne Beton konstruiert und bietet so verschiedenen Tieren Unterschlupf. Zudem haben wir eine an die Ricola-Bonbons angelehnte Kräuterbepflanzung und weitere einheimische Pflanzen in unserem Garten.

Eine solche Pflanze ist die heimische Waldföhre. Was zeichnet dieses Baumgewächs aus?

Die Waldföhre ist ein Nadelgehölz und gehört zur Familie der Kieferngewächse. Sie kann eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen und ist in ihrem Wuchs sehr variabel. In tieferen, schneearmen Gebieten kommt der harzreiche Nadelbaum eher grobastig vor, und an höher gelegenen Standorten beginnen die Äste erst weiter oben am Stamm zu wachsen.

Waldföhren werden bis zu 40 Meter hoch.

Waldföhren werden bis zu 40 Meter hoch.

Sebastian Schuler

Sie ist bezüglich ihres Standorts überhaupt nicht anspruchsvoll und sowohl hitze-, als auch frostbeständig. Das macht die Waldföhre zu einer der forstlich und holzwirtschaftlich wichtigsten Baumarten hierzulande, aber auch in ganz Europa.

Wieso geht der Trend gerade jetzt zu einheimischen Pflanzen hin?

Es gibt schon seit geraumer Zeit eine Kundschaft, die einheimische Pflanzen will. Ebenfalls gibt es schon länger Gärten, bei deren Gestaltung die einheimischen Gewächse bevorzugt werden. Aber erst mit der Thematisierung der invasiven Neophyten wurde ein Grossteil der Bevölkerung sensibilisiert. Plötzlich merkten die Kunden, dass es gebietsfremde Pflanzen gibt, die keinen besonderen Wert für die Natur haben und sogar invasiv reagieren können.

Woher kommt dieses Umdenken?

Dieses verstärkte Bewusstsein für die Gefahren der invasiven Neophyten ist teilweise durch die Medien entstanden, aber auch auf uns Gärtner zurückzuführen. Wir leisten vermehrt Informationsarbeit und wehren uns, invasive Neophyten zu setzen.

Haben die Kunden Verständnis dafür?

Bei Aufträgen von Siedlungen kann es immer noch vorkommen, dass eine Verwaltung meterlange Kirschlorbeerhecken verlangt und sich nicht von einer Alternative überzeugen lässt. Solche Aufträge lehne ich entschieden ab. Privatkunden, die Freude am Garten und der Natur haben, verstehen es hingegen fast immer, dass die invasiven Neophyten nicht mehr zu der heutigen Gartengestaltung gehören.

(G)Artenvielfalt

Vom 10. Mai 2019 bis November 2020 findet auf der Allmend in Dietikon die Gartenausstellung (G)Artenvielfalt statt. In einzelnen Gartenräumen zeigen Unternehmen des Zürcher Gärtnermeisterverbandes, wie auch ohne Einsatz von invasiven Neophyten, das sind schädliche gebietsfremde Pflanzen, Gartengestaltung betrieben werden kann.

In dieser Interviewserie stellen Verantwortliche und Mitgestalter der Gartenräume jeweils eine einheimische Pflanze vor.