Ist es ein Problem, wenn der Vater eines Kandidaten als Stellvertreter im vielleicht künftigen Amt des Sohnes waltet? Diese Frage tauchte – neben vielen anderen rund um die Statthalterwahl im Bezirk Dietikon – im Wahlkampf auf. Simon Hofmann (FDP) war im letzten September von der Interparteilichen Konferenz (IPK), einem Gremium aller Bezirksparteien, einstimmig als Kandidat nominiert worden. Zu dieser Zeit versah sein Vater Ueli Hofmann (FDP), Statthalter von Meilen und in wenigen Monaten Pensionär, bereits Stellvertreteraufgaben im verwaisten Dietiker Statthalteramt.

Denn im Herbst 2015 war der Amtsinhaber Adrian Leimgrübler (FDP) von der Justizdirektion fristlos entlassen worden. Ihm werden diverse Verfehlungen im Amt vorgeworfen. Das Strafverfahren ist noch hängig. Vorwürfe tauchten auf, dass Simon Hofmann als Statthalter nicht mehr unabhängig und unbefangen urteilen könnte, wenn doch kurz zuvor sein Vater auf demselben Stuhl gesessen ist. Die Limmattaler Zeitung wollte von Ueli Hofmann wissen, wie er seinen Stellvertreter-Einsatz im Bezirk Dietikon bewertet.

Mit welchen Aufgaben sind Sie im Bezirk Dietikon befasst?

Ueli Hofmann: Ich war und bin zusammen mit meinem Amtskollegen von Hinwil einzig mit der administrativen Leitung des Statthalteramtes befasst.

Seit wann?

Wir wurden mit Regierungsratsbeschluss vom 13. Juli 2016 eingesetzt.

Wie haben sich die Arbeit und der Arbeitsaufwand gestaltet?

In personalrechtlicher Hinsicht standen Mitarbeitergespräche, eine Neuanstellung, zwei Anstellungsänderungen sowie eine Pensionierung an. Sodann sind regelmässige Kontrollen von Zahlungsbelegen und entsprechende Zahlungsfreigaben für die Buchhaltung vorzunehmen, und schliesslich unterstützen wir alle Mitarbeitenden bei Bedarf beratend. Strafuntersuchungen führen wir selber keine. Vieles können wir per Mail oder Telefon von unseren eigenen Arbeitsplätzen in Hinwil und Meilen aus erledigen, sodass wir momentan noch etwa für einen halben Tag pro Woche persönlich nach Dietikon gehen.

Ermöglichen Ihre Stellvertreteraufgaben es Ihnen, als oberster Wahlleiter zu fungieren?

Nein. Statthalter Fridolin Kreienbühl und ich sind ausschliesslich für das Statthalteramt tätig. Mit dem Bezirksrat, also der wahlleitenden Behörde, haben wir absolut nichts zu tun. Der Bezirksrat wurde nach der Entlassung von Adrian Leimgrübler von Beginn weg vom Vizepräsidenten des Bezirksrats Dietikon Hansjörg Frei geführt. Er hatte glücklicherweise die Möglichkeit, sein Pensum entsprechend zu erhöhen. Er hat übrigens den Arbeitsplatz von Adrian Leimgrübler übernommen.

Stimmt es, dass Sie Ihren Sohn als Kandidaten ins Spiel brachten?

Nein, das stimmt nicht. Einige meiner Statthalterkollegen wussten, dass sich ein Sohn von mir vorstellen könnte, auch einmal Statthalter zu werden. Als Daniel Widmer, Statthalter von Dielsdorf und ehemaliger Stadtschreiber von Schlieren von seinem damaligen Stadtpräsidenten Peter Voser nach möglichen Kandidaten gefragt wurde, erwähnte Widmer meinen Sohn, worauf ich von Herrn Voser angerufen wurde. Ich verwies diesen an meinen Sohn.

Nach diesem kurzen Telefonat hatte ich keine weiteren Kontakte mehr zu irgendjemandem von der FDP des Bezirks Dietikon oder gar der Interparteilichen Konferenz.

Inwiefern hatten Sie Einfluss auf die Nominierung Ihres Sohnes durch die IPK?

Ich hatte nicht den geringsten Einfluss darauf.

Wäre es Ihnen möglich gewesen, Ihre Stellvertreterdienste nach dessen Nominierung einzustellen?

Vielleicht. Ich habe mir diese Frage aber nie gestellt.

Verstehen Sie den Aufruhr, den Ihr Engagement im Bezirk Dietikon verursacht hat?

Nein. Ich betrachte die Tatsache, dass schon ich Statthalter war, als grossen Vorteil für meinen Sohn. Ich wäre damals nach meinem Amtsantritt jedenfalls dankbar gewesen, wenn ich mich zu vielen offenen Fragen dieses vielseitigen Berufs bei jemandem hätte orientieren können. Etwa zur Frage, was von mir bei Gemeindevisitationen, bei Feuerwehrinspektionen oder Ansprachen bei militärischen Entlassungen und vielem mehr erwartet wird.

Würden Sie der Bitte des Regierungsrates noch einmal nachkommen, wenn Sie gewusst hätten, was das nach sich zieht?

Ja. Wir Statthalter sind sehr daran interessiert, dass alle Statthalterämter gut funktionieren, und falls das einmal irgendwo nicht so sein sollte, helfen wir uns immer gegenseitig aus. Wenn man nun der Ansicht war, dass Kollege Kreienbühl und ich als zwei der amtsältesten Statthalter für diesen interimistischen Einsatz für den Bezirk Dietikon geeignet wären, war für mich auch klar, dass ich kurz vor meiner Pensionierung diesen Einsatz leisten würde.

Sie kennen Adrian Leimgrübler persönlich durch Ihre Arbeit. Warum denken Sie, dass es besser wäre, ihn nicht wieder zu wählen?

Ja, ich kenne Adrian Leimgrübler gut und ich hoffe, dass wir uns unabhängig vom Wahlausgang auch weiterhin freundschaftlich begegnen können. Die Frage, weshalb ich es trotzdem besser fände, wenn mein Sohn gewählt würde, muss ich unbeantwortet lassen. Mein Sohn hat mich – wie mir scheint zu recht – angewiesen, mich nicht in den Wahlkampf einzumischen. Er will einen positiven Wahlkampf ohne mein Mittun führen und diesen nicht auf möglichen Verfehlungen seiner Mitkandidaten aufbauen.

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