Kürkonkurrenz Urdorf
Udo Jürgens gibt ihm den Takt vor: Orfeo Amann will Schweizer Meister werden

Der fünfjährige Eiskunstläufer Orfeo Amann bestreitet heute in Urdorf seine allererste Kürkonkurrenz. Er hat fleissig trainiert.

Corinna Haag
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Orfeo Amann 27.01.2018
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Der Fünfjährige trainiert mit Fabrizio Urso.
Heute Samstag bestreitet Orfeo Amann in Urdorf seine allererste Kürkonkurrenz.
Orfeo Amanns Traum heisst: Schweizer Meister werden!
Orfeo Amann wäre nicht der erste erfolgreiche Eiskunstläufer oder Eishockeyspieler, der seine Karriere auf der Kunsteisbahn Weihermatt in Urdorf beginnt.
Fabrizio Urso (rechts) leitet auch die Pingu-Kurse in Urdorf. Dort absolvieren Kinder die allerersten Eiskunstlauflektionen.
Hat die Flugi-Figur im Griff: Orfeo Amann.
Eiskunstläufer Orfeo Amann in Aktion.
Zusammenarbeit: Orfeo Amann (rechts) mit seinem Trainer Fabrizio Urso.
Eiskunstläufer Orfeo Amann in Aktion.
Eiskunstläufer Orfeo Amann in Aktion.

Orfeo Amann 27.01.2018

SEVERIN BIGLER

Zielstrebig stakst Orfeo Amann aus dem Umkleideraum der Kunsteisbahn Weihermatt Richtung Eisfeld. Fabrizio Urso, sein Trainer, lässt ihn zum Aufwärmen ein paar Runden drehen, bevor es ans letzte Einzeltraining dieser Woche geht. Urso will zügig beginnen, denn die Zeit ist knapp und es müsse doch noch etwas geübt werden, sagt er schmunzelnd zu Orfeos Mutter Graziella Amann. Sie steht ihrem Sohn beim halbstündigen Einzeltraining jeweils zur Seite.

Es ist der Dienstagnachmittag in der letzten Woche vor dem grossen Tag der Urdorfer Kürkonkurrenz. Später am Nachmittag wird Orfeo noch einmal in der Gruppe trainieren. Jetzt aber hat er das Eisfeld zumindest für zehn Minuten ganz für sich allein. Die Brille fest hinter den Ohren befestigt und das braun-blonde Haar unter einer schwarzen Mütze versteckt, trippelt er auf seinen schwarzen Schlittschuhen aufs Eis, dreht ein paar erste Runden und übt einzelne Figuren, die Teil seiner zweiminütigen Kür sein werden.

Zusammenarbeit: Orfeo Amman (rechts) mit seinem Trainer Fabrizio Urso.

Zusammenarbeit: Orfeo Amman (rechts) mit seinem Trainer Fabrizio Urso.

Severin Bigler

Der Fünfjährige nimmt zum ersten Mal an einer Kürkonkurrenz teil, steht aber nicht als Einziger seiner Familie am Start. Seine beiden Schwestern Gioia (8) und Stella (10) werden am Samstag ebenfalls ihre erste Kür laufen. Die beiden Mädchen haben den Test, der für die Teilnahme an der Kür erforderlich ist, schon seit Längerem absolviert. Orfeo konnte ihn gerade noch rechtzeitig im letzten Dezember ablegen. Alle drei absolvieren ausgehend vom Test die Kür in der Kategorie 1. Sternli.

180 Eisläufer aus der ganzen Schweiz

Insgesamt werden an diesem Wochenende rund 180 Eisläufer und -läuferinnen aus der ganzen Schweiz in Urdorf an der Kürkonkurrenz teilnehmen. Etwa 35 davon treten für den EC Urdorf an. «Vor zwei Jahren haben wir die Kürkonkurrenz um einen Tag verlängert, da wir so viele Anmeldungen hatten», sagt EC-Urdorf-Präsident Luk De Crom. «Wir merken natürlich einen Zuwachs von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr werden sogar erstmals Teilnehmer aus Genf und Lugano anreisen.» Es sei für den Verein eine schöne Wertschätzung, dass sich die Veranstaltung einer so grossen nationalen Beliebtheit erfreue.

Von den 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird Orfeo wohl der jüngste sein. «Etwa ab vier Jahren kann mit dem Eiskunstlauf im Clubverband begonnen werden», sagt De Crom.

Orfeo ist hier etwas die Ausnahme. Wahrscheinlich auch, weil er zwei Schwestern hat, die schon vor ihm mit dem Eiskunstlaufen begonnen haben. «Orfeo hat seinen beiden Schwestern immer beim Training zugesehen», erzählt Graziella Amann. Er sei jedoch zu Beginn gar nicht so gerne auf dem Eis gestanden. «Wenn ich mit ihm auf dem Eis war, hatte er meist nach fünf Minuten genug», sagt sie lachend.

In der Pingu-Gruppe begonnen

Aber als die Mädchen neue Schlittschuhe brauchten, fragte er im Laden plötzlich die Verkäuferin, ob er nicht auch Schuhe bekommen könne. Das war vor etwa anderthalb Jahren. Damals begann er mit dem Eislaufen in der Pingu-Gruppe bei Fabrizio Urso.

Seither ist er angefressen. Einmal in der Woche hat Orfeo Einzeltraining, zweimal die Woche geht er ins Gruppentraining und auch im Sommer, erzählt er stolz, trainiere er einmal in der Woche. «Da kann ich nach dem Training gleich noch in die Badi», sagt er mit einem Lachen im Gesicht.

Als das Einzeltraining auf dem auch für die Öffentlichkeit offenen Eisfeld in vollem Gang ist, wird es plötzlich immer voller auf dem Eis. Ein kleines Mädchen mit rosa Helm dreht mit seinem Vater Runden, zwei schon etwas ältere Mädchen üben zusammen Kunststücke und dann macht sich auch noch eine Schulklasse bereit, das Eis in Beschlag zu nehmen.

Figuren üben zu Udo Jürgens

Mittendrin übt Orfeo sein Kür-Programm zur Titelmelodie des schon ziemlich alten Zeichentrickfilms «Es war einmal der Mensch», gesungen von Udo Jürgens. Das Lied hat sich Orfeo selbst ausgesucht für seine Kür. Sein schwarzes Kür-Tenü hat Graziella Amann dem Liedmotto getreu mit einer weissen Uhr verschönert. «Eigentlich wollte Orfeo es heute schon anziehen, ein paar Kleinigkeiten müssen aber noch fertig gemacht werden, darum hat es erst am Samstag Premiere», erklärt Amann stolz.

Zwar läuft noch nicht alles ganz rund, aber dafür ist ein Einzeltraining da. Der Flugi, das Fahren auf einem Bein, das andere nach hinten ausgestreckt in der Luft, will einfach noch nicht ganz gelingen. Runde um Runde übt Orfeo, lässt sich aber weder von seiner Mutter am Eisrand, noch vom Fotografen oder den anderen Leuten aus der Ruhe bringen. Am liebsten macht Orfeo ohnehin eine ganz andere Figur, nämlich den Toeloop. Bei diesem speziellen Drehsprung dreht man sich um die eigene Achse.

Immer wieder erhält er Tipps von Trainer Urso und versucht, diese gleich zu beherzigen. So wird, bevor es ein letztes Mal an die Kür geht, dann auch noch das Verbeugen geübt.

«Ich freue mich sehr»

Der beste Trick gegen die Nervosität bei der Kür sei, sich vorzustellen, dass es nur ein Training sei, erklärt Urso. Man solle nie vergessen, dass man das alles ja freiwillig mache. Das gebe er seinen Schützlingen mit und versuche, sie mittels Mimik, Gestik und viel Freude immer wieder aufs Neue zu motivieren.

Nach einer halben Stunde ist das Einzeltraining auch schon vorbei. Zufrieden mit sich geht Orfeo vom Eis. Nervös sei er noch nicht. Aber: «Ich freue mich schon sehr auf den Samstag», sagt er. Auf die Frage, was seine Ziele seien und was er denn einmal werden wolle, meint er verschmitzt: «Schweizer Meister!»

Schon länger dabei: Sinja De Crom

Schon länger dabei: Sinja De Crom

CMU

«Man will zeigen, was man kann»

Während Orfeo Amann am zum ersten Mal für eine Kür auf dem Eis steht, ist Sinja De Crom schon lange dabei.

Auch Sinja De Crom war fünf oder sechs Jahre alt, als sie das erste Mal eine Kür bestritt. Nun ist sie 20 Jahre alt, Primarlehrerin und Trainerin beim EC Urdorf. Sie trainiert die Kleinen, unterstützt aber auch grössere Kinder. «Als ich klein war, war ich vor den Wettkämpfen sehr nervös. Auf dem Eis aber verflog diese Nervosität dann immer sehr schnell, man lief die Kür und hatte Spass dabei. Das hat sich eigentlich bis heute nicht gross geändert.» Auch heute noch sei sie vor den Wettkämpfen nervös, wenn auch nicht mehr so wie früher. Aber Nervosität gehöre dazu, sonst unterscheide sich der Wettkampf nicht mehr vom Training.

Nicht nur Clubtrainings

Zu Spitzenzeiten trainierte De Crom täglich. Das Training bestand nicht nur aus Klubtrainings. Oft ging sie auch von sich aus aufs Eis. «Es ist bei diesem Sport schon wichtig, das man auch von sich aus trainiert.»

Spass war dabei immer ein grosser Faktor. Aber die Schule wurde immer wichtiger. Zwar lief Sinja neben dem Gymi noch Schweizermeisterschaften. Mit etwa 13 oder 14 Jahren realisierte sie aber, dass sie das Eiskunstlaufen nicht zu ihrem Hauptberuf machen wollte.

Neben dem Training war für De Crom immer sehr wichtig, dass ihre Eltern während der Wettkämpfe da waren und sie unterstützten: «Das gab mir immer ein sehr beruhigendes Gefühl.»

«Man muss eigentlich gar nicht aufgeregt sein»

Als Trainerin versucht sie vieles, von ihren eigenen Erfahrungen, ihren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. «Man muss eigentlich gar nicht aufgeregt sein, denn man macht immer freiwillig mit an einem Wettkampf und will den Schiedsrichtern ja auch zeigen, was man kann.»

Das müsse man den Kleinen immer wieder sagen, denn es sollte immer eine Freude sein, an einem Wettkampf teilzunehmen, insbesondere im Breitensport.
Als Trainerin sei es spannend, die Ambitionen und Fortschritte der Kleinen zu sehen: «Die Freude, die die Kleinen an einer Kür haben können und ihre Eigeninitiative, um selbst zu trainieren, das ist immer toll zu beobachten.»

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