Kürkonkurrenz Urdorf

Udo Jürgens gibt ihm den Takt vor: Orfeo Amann will Schweizer Meister werden

Der fünfjährige Eiskunstläufer Orfeo Amann bestreitet heute in Urdorf seine allererste Kürkonkurrenz. Er hat fleissig trainiert.

Zielstrebig stakst Orfeo Amann aus dem Umkleideraum der Kunsteisbahn Weihermatt Richtung Eisfeld. Fabrizio Urso, sein Trainer, lässt ihn zum Aufwärmen ein paar Runden drehen, bevor es ans letzte Einzeltraining dieser Woche geht. Urso will zügig beginnen, denn die Zeit ist knapp und es müsse doch noch etwas geübt werden, sagt er schmunzelnd zu Orfeos Mutter Graziella Amann. Sie steht ihrem Sohn beim halbstündigen Einzeltraining jeweils zur Seite.

Es ist der Dienstagnachmittag in der letzten Woche vor dem grossen Tag der Urdorfer Kürkonkurrenz. Später am Nachmittag wird Orfeo noch einmal in der Gruppe trainieren. Jetzt aber hat er das Eisfeld zumindest für zehn Minuten ganz für sich allein. Die Brille fest hinter den Ohren befestigt und das braun-blonde Haar unter einer schwarzen Mütze versteckt, trippelt er auf seinen schwarzen Schlittschuhen aufs Eis, dreht ein paar erste Runden und übt einzelne Figuren, die Teil seiner zweiminütigen Kür sein werden.

Zusammenarbeit: Orfeo Amman (rechts) mit seinem Trainer Fabrizio Urso.

Zusammenarbeit: Orfeo Amman (rechts) mit seinem Trainer Fabrizio Urso.

Der Fünfjährige nimmt zum ersten Mal an einer Kürkonkurrenz teil, steht aber nicht als Einziger seiner Familie am Start. Seine beiden Schwestern Gioia (8) und Stella (10) werden am Samstag ebenfalls ihre erste Kür laufen. Die beiden Mädchen haben den Test, der für die Teilnahme an der Kür erforderlich ist, schon seit Längerem absolviert. Orfeo konnte ihn gerade noch rechtzeitig im letzten Dezember ablegen. Alle drei absolvieren ausgehend vom Test die Kür in der Kategorie 1. Sternli.

180 Eisläufer aus der ganzen Schweiz

Insgesamt werden an diesem Wochenende rund 180 Eisläufer und -läuferinnen aus der ganzen Schweiz in Urdorf an der Kürkonkurrenz teilnehmen. Etwa 35 davon treten für den EC Urdorf an. «Vor zwei Jahren haben wir die Kürkonkurrenz um einen Tag verlängert, da wir so viele Anmeldungen hatten», sagt EC-Urdorf-Präsident Luk De Crom. «Wir merken natürlich einen Zuwachs von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr werden sogar erstmals Teilnehmer aus Genf und Lugano anreisen.» Es sei für den Verein eine schöne Wertschätzung, dass sich die Veranstaltung einer so grossen nationalen Beliebtheit erfreue.

Von den 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird Orfeo wohl der jüngste sein. «Etwa ab vier Jahren kann mit dem Eiskunstlauf im Clubverband begonnen werden», sagt De Crom.

Orfeo ist hier etwas die Ausnahme. Wahrscheinlich auch, weil er zwei Schwestern hat, die schon vor ihm mit dem Eiskunstlaufen begonnen haben. «Orfeo hat seinen beiden Schwestern immer beim Training zugesehen», erzählt Graziella Amann. Er sei jedoch zu Beginn gar nicht so gerne auf dem Eis gestanden. «Wenn ich mit ihm auf dem Eis war, hatte er meist nach fünf Minuten genug», sagt sie lachend.

In der Pingu-Gruppe begonnen

Aber als die Mädchen neue Schlittschuhe brauchten, fragte er im Laden plötzlich die Verkäuferin, ob er nicht auch Schuhe bekommen könne. Das war vor etwa anderthalb Jahren. Damals begann er mit dem Eislaufen in der Pingu-Gruppe bei Fabrizio Urso.

Seither ist er angefressen. Einmal in der Woche hat Orfeo Einzeltraining, zweimal die Woche geht er ins Gruppentraining und auch im Sommer, erzählt er stolz, trainiere er einmal in der Woche. «Da kann ich nach dem Training gleich noch in die Badi», sagt er mit einem Lachen im Gesicht.

Als das Einzeltraining auf dem auch für die Öffentlichkeit offenen Eisfeld in vollem Gang ist, wird es plötzlich immer voller auf dem Eis. Ein kleines Mädchen mit rosa Helm dreht mit seinem Vater Runden, zwei schon etwas ältere Mädchen üben zusammen Kunststücke und dann macht sich auch noch eine Schulklasse bereit, das Eis in Beschlag zu nehmen.

Figuren üben zu Udo Jürgens

Mittendrin übt Orfeo sein Kür-Programm zur Titelmelodie des schon ziemlich alten Zeichentrickfilms «Es war einmal der Mensch», gesungen von Udo Jürgens. Das Lied hat sich Orfeo selbst ausgesucht für seine Kür. Sein schwarzes Kür-Tenü hat Graziella Amann dem Liedmotto getreu mit einer weissen Uhr verschönert. «Eigentlich wollte Orfeo es heute schon anziehen, ein paar Kleinigkeiten müssen aber noch fertig gemacht werden, darum hat es erst am Samstag Premiere», erklärt Amann stolz.

Zwar läuft noch nicht alles ganz rund, aber dafür ist ein Einzeltraining da. Der Flugi, das Fahren auf einem Bein, das andere nach hinten ausgestreckt in der Luft, will einfach noch nicht ganz gelingen. Runde um Runde übt Orfeo, lässt sich aber weder von seiner Mutter am Eisrand, noch vom Fotografen oder den anderen Leuten aus der Ruhe bringen. Am liebsten macht Orfeo ohnehin eine ganz andere Figur, nämlich den Toeloop. Bei diesem speziellen Drehsprung dreht man sich um die eigene Achse.

Immer wieder erhält er Tipps von Trainer Urso und versucht, diese gleich zu beherzigen. So wird, bevor es ein letztes Mal an die Kür geht, dann auch noch das Verbeugen geübt.

«Ich freue mich sehr»

Der beste Trick gegen die Nervosität bei der Kür sei, sich vorzustellen, dass es nur ein Training sei, erklärt Urso. Man solle nie vergessen, dass man das alles ja freiwillig mache. Das gebe er seinen Schützlingen mit und versuche, sie mittels Mimik, Gestik und viel Freude immer wieder aufs Neue zu motivieren.

Nach einer halben Stunde ist das Einzeltraining auch schon vorbei. Zufrieden mit sich geht Orfeo vom Eis. Nervös sei er noch nicht. Aber: «Ich freue mich schon sehr auf den Samstag», sagt er. Auf die Frage, was seine Ziele seien und was er denn einmal werden wolle, meint er verschmitzt: «Schweizer Meister!»

Schon länger dabei: Sinja De Crom

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