Limmattal
Überdurchschnittliche Erträge: Der Honig fliesst dank einem guten Jahr

Der warme und lange Sommer rettete die Ernte. Nun dürfen sich die Imker über volle Honigtöpfe freuen. Auch im Limmattal konnten gute Erträge verzeichnet werden.

Kevin Capellini
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Viel Betrieb im Bienenstock: Bis zu 40 Kilogramm Honig produzierten einzelne Bienenvölker in diesem Jahr.

Viel Betrieb im Bienenstock: Bis zu 40 Kilogramm Honig produzierten einzelne Bienenvölker in diesem Jahr.

SEVERIN BIGLER

Ein überdurchschnittliches Honigjahr durften die Schweizer Imker 2017 vermelden. Dank dem warmen Sommer und den geringen Niederschlägen sind die Ernteerträge in fast allen Regionen höher als im Jahr zuvor. In einigen Kantonen, darunter Basel, Nidwalden und das Tessin, konnten sogar Rekorderträge verzeichnet werden, wie der Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde in einer Mitteilung schreibt.

Auch im Limmattal dürfen sich die Imker auf hohe Ernteerträge freuen. «Im Vergleich zu anderen Jahren ist die Ernte bei mir relativ gut ausgefallen», sagt Imkerin Brigitte Hilfiker, die in Unterengstringen und Urdorf imkert. «Aber der Ernteertrag kann auch in einem solch kleinen Gebiet regional sehr unterschiedlich sein.» So habe es während des Frosts Ende April starke klimatische Unterschiede zwischen den Tal- und den höher gelegenen Gemeinden gegeben, was dann einen starken Einfluss auf die produzierte Menge Honig habe.

Viel Honig, aber kein Rekordjahr

Dies bestätigt auch Bruno Reihl, Zentralvorstandsmitglied des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde. «Im Vergleich zum Jahr 2016 war es sehr viel Honig, jedoch kein Rekordjahr, da hat uns der Frost im Frühling einen Strich durch die Rechnung gemacht.» Denn ohne die Ausfälle durch den Kälteeinbruch wären neue Rekordwerte möglich gewesen, da der Sommer eigentlich so gut ausgefallen sei. Der Frost, der nur fünf Tage dauerte, war so stark, dass er die Obst- und speziell die Kirschenblüten, aus denen der Blütenhonig gewonnen wird, grösstenteils absterben liess, so Reihl.

Dank den wenigen Regentagen und den vielen warmen Sommertagen, die bis in den September überdauerten, konnte Hilfiker heuer verhältnismässig viel Waldhonig gewinnen, der erst während der späten Sommermonate geerntet wird. Während der Frühlingshonig hell, eher hart und mild ist, ist der sehr süsse Waldhonig dunkel, klebrig und sehr flüssig.

Geografische Lage spielt zentrale Rolle

Mit ihren zwölf Bienenvölkern konnte Hilfiker dieses Jahr gesamthaft etwa 150 Kilogramm Honig produzieren, was ein gutes Jahr sei, wie sie sagt. Bei der Honigernte spielt die geografische Lage eine sehr zentrale Rolle. «In den nördlichen Gebieten konnten teilweise bis zu 40 Kilogramm pro Bienenvolk gewonnen werden, während es in südlichen Kantonen nur halb so viel ist», sagt Reihl.

40'000 Bienen...

...leben während der Sommermonate durchschnittlich zusammen in einem Volk. Je nach Region und klimatischen Bedingungen kann die Bevölkerungszahl jedoch stark variieren.

Der Durchschnitt im Kanton Zürich, der sehr gut auf die Werte aus dem Limmattal zutreffe, liege dieses Jahr bei ungefähr 25 Kilogramm pro Volk. Ganz genau lasse sich dies jedoch nicht bestimmen, da die Produktionsmenge jeweils Ende Saison mittels Umfrage bestimmt werde. Jedoch würden sich daran nicht alle Imkerinnen und Imker beteiligen, was die genaue Erfassung aller Daten verunmögliche. Mit den vorhandenen Werten könne man die Lage aber sehr gut erfassen, so Reihl.

Viel Honig nur alle zwei Jahre

Ein einzelnes Bienenvolk setzt sich während der Sommermonate im Schnitt aus 40 000 Bienen zusammen, wobei nur die Königin auch Eier legen kann, im Winter reduziere sich die Population auf etwa 5000 Bienen. Sehr kalte Winter oder extrem schlechte Sommer können gemäss Reihl aber schnell auch zum Aussterben einer ganzen Kolonie führen.

Ein Trend, der sich gemäss Reihl ab 2011 entwickelt habe, sei, dass nur alle zwei Jahre viel Honig geerntet werden könne. «Bis in das Jahr 2011 war es jedes Jahr ungefähr gleich. Natürlich gab es auch vorher wetterbedingte Unterschiede, aber seit dann haben wir nur noch während der ungeraden Jahre relativ viel Honig.» In den geraden Jahren habe es sich gezeigt, dass die Sommer im Vergleich schlechter waren, was dann zu einer geringeren Ernte geführt habe, sagt er weiter. «Wir wollen nicht pessimistisch sein, gehen für 2018 aber von weniger Honig aus, als wir dieses Jahr ernten konnten.»