Im November 2010 hatte der Sicherheitsangestellte seinen Job an den Nagel gehängt, um fortan in Dietikon einen Schachclub zu betreiben. Im Mai 2013 hatten Männer, die er nicht kannte, ihn gebeten, im Nebenzimmer sieben PCs aufstellen zu dürfen. An Miete wurden je Gerät monatlich 100 Franken vereinbart, ansonsten musste der Clubbesitzer sich um nichts kümmern.

Der hatte nichts gegen einen hübschen Zustupf ohne Verpflichtung. Die Freude war allerdings von kurzer Dauer und endete in einem «Gemetzel»: Im November 2013 tauchten Funktionäre der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) im Schachclub auf und nahmen – tatkräftig unterstützt von Kantonspolizisten – die Geräte im Hinterzimmer so auseinander, dass nurmehr ein Trümmerhaufen übrig blieb. Der Clubbesitzer beteuerte, nur selten Leute an den PCs sitzen gesehen und bis dahin keinen Rappen Miete bekommen zu haben. Nichtsdestotrotz wurde der gesamte Inhalt seines Portemonnaies - 6874.10 Franken –- beschlagnahmt.

Der heute 35-Jährige wurde der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Glücksspiele und Spielbanken beschuldigt. Es folgte ein reger Schriftwechsel zwischen der juristisch autonomen ESBK und dem Anwalt des Beschuldigten, der sich in einer 17-seitigen verworrenen Strafverfügung niederschlug, die Richter Bruno Amacker mit den Worten «die machen es einem nicht einfach, die vom ESBK», kommentierte.

Club seit Razzia geschlossen

Nachdem der Beschuldigte den Schuldspruch, verbunden mit einer Busse von 13'000 Franken nicht akzeptierte, stand er jüngst vor Schranken. Auf die Fragen des Richters nach den Umsätzen und der Rentabilität des Clubs, wollte der Beschuldigte nicht antworten, tat jedoch kund, dass der Club seit Februar 2015 geschlossen sei: Nach der Razzia und weil es hiess, dass das Haus abgerissen werde, habe er keinen Mumm zum Weitermachen gehabt. Einen Job hat er seither keinen, «Ich habe meine Ruhe gebraucht». Er lebe seither bei und von seiner Familie. «Bei Türken ist das normal». Ideen für die Zukunft habe er sehr wohl, Schulden keine.

In Vorbemerkungen zu seinem Plädoyer zeichnete der Verteidiger einen Abriss über verschiedene Spielvarianten auf. Das sogenannte Unterhaltungsspiel, dessen prominentester Vertreter der Flipperkasten ist, bei dem der Spieler bekanntlich keinen Gewinn erzielt, kann ebenso überall legal gespielt werden wie Geschicklichkeitsspiele. Sie werfen zwar Gewinne ab, wobei es zuvor aber gilt, schwierige Hürden geschickt zu überwinden, was selten gelingt.

Verteidiger fordert Freispruch

Die im Hinterzimmer vom Schachclub «enttarnten» Geräte wurden von der ESBK eindeutig als Glücksspielautomaten eingeordnet. «In die Liste von solchen aufgenommen worden sind sie allerdings erst 2014. Mein Mandant hat also 2013 gar nicht wissen können, dass er etwas gegen das Gesetz tat. Vor allem wurden in der Software keinerlei Beweise erbracht, dass es sich bei den fraglichen Geräten tatsächlich um Glücksspiel-Automaten handelte», so der Anwalt.

Die ESBK-Funktionäre und Polizeibeamten, welche die Hausdurchsuchung durchgeführt hatten, nannte er «Schergen, die ungestraft Mobiliar zerstört haben». Für seinen Mandanten, der nicht vorbestraft sei und der «sich seit vier Jahren wohl verhalten hat», forderte der Verteidiger einen Freispruch. Er habe auf keinen Fall vorsätzlich gehandelt, «allenfalls fahrlässig, weil ihm ein kleiner Zustupf für den Club willkommen war».

Einzelrichter Bruno Amacker wird das Urteil den Parteien und dieser Zeitung schriftlich zustellen.