Dietikons Captain Naim Haziri hatte sich nach dem Schlusspfiff die Schuhe ausgezogen und trabte in Richtung Garderobe, als ihn Beat Studer ansprach. «Es tut mir leid, wirklich», sagte der Wettinger Coach mit ernster Miene und umarmte Haziri, der Studers Worte mit einem Lächeln quittierte. Studer entschuldigte sich für einen Wortwechsel, der sich eine Viertelstunde zuvor ereignet hatte. Diesem war ein Foulspiel an Haziri vorausgegangen. Dem Dietiker war ein Gegenspieler auf den Fuss gestanden, worauf sich Haziri minutenlang pflegen lassen musste und danach mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Seitenlinie ging. Dabei rief jemand der Wettinger Vereinsverantwortlichen Haziri offenbar zu, er solle sich beeilen. «Und die Person fragte mich, ob ich Deutsch könne», sagte Haziri.

Der Dietiker Captain marschierte daraufhin wutentbrannt zur Wettinger Bank, um den Provokateur zu stellen. Studer und andere Wettinger mischten sich ein und hielten Haziri zurück. Nach einem kurzen Hin und Her beruhigte sich die Situation wieder und auch beim Dietiker Captain schlug der Puls nach dem Schlusspfiff wieder im normalen Bereich. «Ich kenne Studer schon seit langem», sagte Haziri. Der Wettinger Trainer habe sich schon auf dem Platz entschuldigt. Angesprochen auf den Zwischenfall meinte Haziri daher: «Da bleibt nichts hängen.»

Wende in der Nachspielzeit

Hängen bleiben dürfte allerdings die Niederlage, die Haziri und seine Mannschaftskollegen erlitten haben und durch welche die Dietiker in der Tabelle auf Platz 7 abgerutscht sind. Umso ärgerlicher ist die Pleite aus Dietiker Sicht, schienen sie doch schon einen Punkt auf sicher zu haben. Denn als die reguläre Spielzeit abgelaufen war, stand es noch 1:1. Dann, knapp eine Minute nach Anbruch der Nachspielzeit, erzielte Pascal Bonnemain die 2:1-Führung für die Gäste. Der sicher geglaubte Punkt war damit in weite Ferne gerückt.

Doch die Hausherren gaben sich noch nicht geschlagen. Sie warfen nochmals alles nach vorne, um den Ausgleich zu erzielen. So richtig gefährlich wurden die Dietiker aber nicht mehr. Stattdessen sorgte der Wettinger Kiybar Kürsat nach fast fünf Minuten Nachspielzeit mit seinem Tor für die Entscheidung. «Klar, nach dem 1:2 mussten wir aufmachen», sagte Haziri nach dem Schlusspfiff. Das habe den Wettingern den nötigen Raum gegeben. «Es ist ärgerlich, dass wir drei Gegentore kassiert haben. Wir hätten eigentlich einen Punkt holen müssen.»
Unverdient war der Wettinger Sieg allerdings nicht. Die Gäste hatten über die gesamte Partie gesehen die besseren Chancen, die beste nach 20 Minuten, als Kiybar mittels Penalty auf 2:1 für Wettingen hätte erhöhen können, jedoch an Dietikons Torwart Alpay Inaner scheiterte. Zuvor waren die Wettinger bereits nach zehn Minuten durch einen herrlichen Freistoss von Leandro Lorito in Führung gegangen, ehe João Paiva per Kopf ausgeglichen hatte.

Fehlende Erfahrung

Auch in der zweiten Halbzeit waren die Gäste dem zweiten Treffer näher als die Dietiker, die lediglich durch einen Schuss von Raphael Meyer kurz nach Wiederanpfiff und durch Roberto Stoykov in der Schlussviertelstunde für Torgefahr sorgten. Mit einem Punkt hätten die Dietiker also durchaus zufrieden sein können. Woran liegt es, dass die Dietiker ein Unentschieden nicht über die Zeit retten können? «Unsere Mannschaft ist sehr jung», sagte Haziri, der mit seinen bald 34 Jahren zu den Routiniers im Team gehört. «Wir haben elf Spieler, die noch bei den A-Junioren spielen könnten. Da fehlt dann halt auch die Erfahrung in solchen Situationen.»
Immerhin: Die Niederlage hat für Dietikon keine gravierenden Auswirkungen. Da auch das auf dem ersten Abstiegsplatz klassierte Olten verloren hat, bleibt der Abstand der Dietiker zum Strich bei sechs Punkten — und das vier Runden vor Schluss, wobei die Limmattaler das deutlich bessere Torverhältnis haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dietikon noch unter den Strich fällt, ist also klein. Dennoch sagt Haziri: «Wir müssen in den nächsten Spielen unbedingt Punkte holen.» Und was glaubt der Captain? Könnte es sonst im Abstiegskampf nochmals spannend werden? Haziri ist zuversichtlich: «Nein, wir werden die Liga sicher halten.»