"Freizeit Schlieren"

Trotz Mitgliederzuwachs im Verein: «Bei Rücktritten fällt das Kartenhaus zusammen»

Die Schwyzerörgeli-Gruppe ist Teil von Freizeit Schlieren – hier an einem ihrer Konzerte.

Die Schwyzerörgeli-Gruppe ist Teil von Freizeit Schlieren – hier an einem ihrer Konzerte.

Mit rund 760 Mitgliedern ist der Verein Freizeit Schlieren einer der grössten der Region. Vize-Präsident Charly Mettier ist trotz guter Aussichten besorgt.

An der Generalversammlung von vergangener Woche gab es eigentlich nur gute Nachrichten aus dem Vorstand des Vereins Freizeit Schlieren. 2017 wuchs die Anzahl Mitglieder um rund 120 auf neu 760 an. Im selben Jahr schrieb der Verein 139 Kurse und 42 Veranstaltungen aus, von denen fast zwei Drittel durchgeführt werden konnten. Die Rechnung ergab eine Punktlandung von einem Plus von 900 Franken. Noch bis vor wenigen Jahren litt der vormalig unter dem Namen Freizeit Vereinigung bekannte Verein unter Mitgliederschwund und schrieb lediglich rund 60 bis 70 Kurse aus.

Der neuerliche Aufstieg markiert für den Präsidenten, Walter Stalder, einen Höhepunkt, auf dem er sich zurückziehen wird. 2019 wird sein 25. Jubiläum im Präsidium sein, und der Verein feiert den 45. Jahrestag seiner Gründung. Für seine Nachfolge stellt sich Vize Charly Mettier zur Verfügung. Eigentlich sind dies beste Voraussetzungen für den traditionsreichen Verein, der seit seiner Erneuerung vor zwei Jahren auch Torten-Grundkurse, Lektionen in Russisch und Stadtführungen anbietet.

Vorstand hat 20-Prozent-Pensum

Doch bereits an der Jahresversammlung des Vereins äusserte Mettier zahlreiche Bedenken bezüglich der Zukunft. «Derzeit sitzen acht Personen im Vorstand. Treten nur zwei oder drei Personen aus, wird das ganze Kartenhaus zusammenfallen», sagt er. So würden Funktionen wie etwa die Finanzen, die Kommunikation und die Erstellung des Programms sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. «Über das Jahr verteilt lässt sich der Aufwand dieser drei Ressorts mit einem 20- bis 30-Prozent-Pensum vergleichen», so Mettier.

Charly Mettier, Vize-Präsident von Freizeit Schlieren

«Wir versuchten bereits, Freiwillige für die Programmgruppe zu finden, was sich jedoch ebenfalls als ein Ding der Unmöglichkeit herausstellte.»

Charly Mettier, Vize-Präsident von Freizeit Schlieren

Béatrice Bickel, Irma Van der Ploeng und Mettiers Frau Erika, die diese Funktionen heute übernehmen, würden ohne Klagen die Arbeit verrichten. Doch gehe es dereinst darum, eine Nachfolge zu finden, sieht Mettier schwarz. «Wir versuchten bereits, Freiwillige für die Programmgruppe zu finden, was sich jedoch ebenfalls als ein Ding der Unmöglichkeit herausstellte.

Auch die Interessengruppe Paraplü, die vergangenes Jahr gegründet wurde, mehrere gesellschaftliche Anlässe ausrichtete und es sich zum Fernziel gesteckt hatte, einen Treffpunkt im Stadtzentrum ins Leben zu rufen, löste sich Ende 2017 auf. «Dies ist einerseits sehr schade, andererseits verständlich, da diese jungen Menschen zwischen 20 und 30 oft andere Prioritäten haben.»

Angebot für die ganze Bevölkerung

Erschwerend hinzu komme, dass der Verein Freizeit Schlieren sehr heterogen aufgebaut sei. Da seien etwa die Schwyzerörgeli- oder die Steinschleif-Gruppe, die ihrem Hobby frönen. «Dies motiviert, auch zusätzlichen Aufwand zu betreiben, um dieses Hobby ausführen zu können.» Bei anderen, dem Verein angehörenden Interessensgruppen, wie der IG Familie oder der IG Kerzenziehen, handle es sich jedoch um reine Dienstleister. «Wie auch im Vorstand pflegt man hier nicht sein Hobby, sondern organisiert Kurse und Veranstaltungen für die ganze Bevölkerung, was mit enormem Aufwand verbunden ist», sagt er.

Um den Verein nachhaltig zu organisieren, brauchte es daher ein besetztes Sekretariat, das den Vorstand entlastet, oder eine entsprechende Entschädigung für den Vorstand, so Mettier. Dieses Geld habe man trotz Einnahmen durch das Kerzenziehen und Sponsoring-Beiträgen des Lilienzentrums schlichtweg nicht. Um dies zu finanzieren, erhofft sich Mettier einen Beitrag der Stadt. «Ein solcher wäre nicht ganz neu, da die Stadt früher bereits die Kosten für die Verteilung des Programms übernommen hat», sagt er. Zudem: Würden ähnliche Freizeit Vereine in anderen Gemeinden finanziell stark unterstützt. Bereits habe er beim Schlieremer Präsidialdepartement für einen Termin mit dem neuen Stadtpräsidenten – am 10. Juni findet der zweite Wahlgang statt – angefragt.

Und ist das Zurückstutzen des Angebots eine Option? «Dies würde die Attraktivität von Freizeit Schlieren schmälern, was wohl ein erneuter Mitgliederschwund zur Folge hätte.» Somit könnte man wieder an dem Punkt sein, an dem sich der Verein am Rand der Auflösung befand. Mettier ist sich sicher: «Im Jahr 2018 fallen die Entscheidungen über die Zukunft des Vereins.»

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