Am vergangenen Dienstag hörte er es zum ersten Mal: Ein lautes Dröhnen über den Dächern, das von einem Helikopter stammte. Als sein Feierabend am nächsten Tag erneut gestört wurde, «begann ich mich zu wundern», sagt ein Anwohner am Krummibuckweg in Dielsdorf. Er schaute aus dem Fenster und sah ein Fluggerät im Industriegebiet auf der anderen Seite der Gleise landen. Als er dort nachschauen ging, entdeckte er auf dem Gelände des BMW-Konzerns vier Helikopter sowie einen Car und eine Schar Leute. An den darauffolgenden Abenden brummten etwa zwischen 17.30 und 19.30 Uhr erneut Helis über das Wohngebiet.

Das BMW Group Brand Experience Center führt vom 8. bis 18. April einen Event durch, bei dem Kunden die neusten Automodelle besichtigen und ausprobieren können. Anschliessend werden sie mit dem Helikopter nach Hinwil geflogen, damit sie im dortigen Verkehrssicherheitszentrum des TCS mit Instruktoren verschiedene Fahrübungen absolvieren können. In Hinwil gibt es verschiedene Einrichtungen wie Kurven- und Kreisbahnen mit Gleitbelag sowie Wasserhindernisse und Schleudersimulatoren.

«Mit dem Helikopterflug wollen wir für unsere Kunden ein zusätzliches begeisterndes Erlebnis schaffen», erklärt Sandro Kälin von der Konzernkommunikation. Die Rückreise von Hinwil nach Dielsdorf erfolge per Car.

Wie aber gehen Flüge über eine Distanz von gut 40 Kilometern mit der Nachhaltigkeit zusammen, die sich der Autohersteller auf die Fahnen schreibt? Der Konzern sei bemüht, den CO2-Ausstoss seiner Fahrzeuge sowie den Energie- und Materialverbrauch in der Produktion stetig zu senken. Man sei sich der ökologischen Belastung der Helikopter-Flüge durchaus bewusst, sagt Kälin. Deshalb werde das Unternehmen die entstandenen Emissionen finanziell kompensieren. Die Anwohner und Unternehmen der Industriestrasse seien zudem mit einem Schreiben über die Events sowie die Flüge informiert worden.

Vom Vorhaben hatte auch die Gemeinde Dielsdorf Kenntnis. Da die Nachtruhe eingehalten wird, habe Sicherheitsvorsteher Ruben Schmid keinen Anlass gesehen, Einwände zu erheben, teilt Gemeindeschreiber Marco Renggli mit.

Helikopterstarts und -landungen sind mit einigen Einschränkungen prinzipiell auch ausserhalb von Flughäfen zulässig. Sie müssen aber beim kantonalen Amt für Verkehr angemeldet werden. Es komme immer wieder vor, dass Firmen einzelne Flüge durchführen, sagt Kommunikationsbeauftragter Markus Gerber. In dieser gehäuften Art, wie sie bei BMW zurzeit stattfinden, sei es aber eine Ausnahme.

Der lärmgeplagte Anwohner, der nicht mit Namen genannt sein möchte, hat für den Spass der Autohändler kein Verständnis. In Zeiten, in den andauernd vom Energiesparen gesprochen werde, sollte so etwas nicht zugelassen werden, findet er. «Nur zur Belustigung der Kunden Flüge zu veranstalten, ist unnötig und rücksichtslos.»