Swissmill
Trotz Coop-Absage: Die Idee vom Klettern in der Stadt lebt weiter

Der Swissmill-Silo kann nicht nach Wunsch umfunktioniert werden. Doch auch wenn der Betonklotz nicht zur Kletterwand wird, suchen Vertreter der IG Zürinordwand nach möglichen Alternativen in Zürich.

Lina Giusto
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Vertreter der IG Zürinordwand suchen nach dem Coop-Nein neue Möglichkeiten.

Vertreter der IG Zürinordwand suchen nach dem Coop-Nein neue Möglichkeiten.

zvg

Das Swissmil-Silo zur Kletterwand umfunktionieren: So lautete die Idee der IG Zürinordwand, die sie im vergangenen Herbst in einem offenen Brief lancierte. In nur drei Wochen unterschrieben 3200 Interessierte für die Mehrseillängenrouten am Turm, der im Besitz des Detailhändlers Coop im Zürcher Quartier Wipkingen ist. Unlängst hat die Besitzerin aber klar gemacht, dass sie an einer Drittnutzung des Turms nicht interessiert ist.

Auch wenn sich das Vorhaben nicht realisieren lässt, am 118 Meter hohen Turm die höchste urbane Kletterroute der Welt entstehen zu lassen, geben die Kletterbegeisterten nicht auf: «Wir respektieren den Entscheid der Turmbesitzerin und diskutieren bereits weiteren Möglichkeiten in der Stadt Zürich», sagt Robert Fischer, Architekt und Vertreter der IG Zürinordwand.

"Kühn, aber realisierbar"

Die Initianten des Projektes bezeichnen ihr Vorhaben als «kühn, aber realisierbar». Dabei verweisen sie auf bereits existierende Outdoor-Kletterrouten im In- und Ausland. Als Beispiel dient die 165 Meter hohe Staumauer am Lago die Luzzone im Kanton Tessin oder der 70 Meter hohe Pont de Pérolles in Fribourg. Kletterrouten direkt im belebten Stadtgebiet gibt es bislang erst im Ausland. Dazu gehören das 50 Meter hohe Whitney-Peak-Gebäude in der amerikanischen Stadt Reno, der 34 Meter hohe Flakturm in Wien und der 19 Meter hohe Kegel in Berlin.

Auch wenn es in Zürich selber bereits Kletterhallen gibt, glauben die Zürinordwand-Vertreter an einen Bedarf für urbane Routen im Freien: «Die zahlreichen in der Stadt lebenden Kletternden wollen ihrem Hobby auch draussen nachgehen können und nahtlos in ihren Alltag integrieren. Die Kletterrouten an den Felswänden des Juras oder der Alpen sind für Zürcherinnen und Zürcher leider nur mit einem Mobilitätsaufwand zu erreichen», so Fischer.

«Der Klettersport ist eine neue Nutzung der Stadt. Er ermöglicht bildlich gesprochen eine neue Perspektive auf diese.»

Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich

Auf die Sicherheit der städtischen Bevölkerung würde beim Klettern Rücksicht genommen: «Man klettert nicht direkt über einer Strasse. Im Falle des Swissmill-Turms wären die Routen auf der Flussseite angebracht worden», sagt Fischer. Auch würde eine entsprechende Kletterwand regelmässig von einem externen Kontrollorgan auf die Sicherheit hin überprüft. Zahlreiche Experten, Versicherungen, mögliche Betriebspartner und Firmen aus dem Kletterbereich haben bereits ihre Unterstützung für das Vorhaben einer städtischen Kletterwand signalisiert: «Mit einem neuen Gastgeber ist die Machbarkeit gegeben», sagt Fischer.

Die Stadt als Sportplatz

Über die Urbanisierung der Klettersportart, seine Entwicklung zum Breitensport, seine mögliche Bedeutung für den Tourismus in Zürich wie auch die Nutzungserweiterung von städtischen Bauten diskutieren am Donnerstagabend neben den Vertretern der IG Zürinordwand, die Direktorin für Stadtentwicklung Zürich, Anna Schindler und Stefan Kurath, Architekt und Urbanist auf einem Podium des Zürcher Architekturforums.

Weil der Klettersport emissionsarm und damit quartierverträglich sei, passt er für Kurath gut in eine Stadt. Noch interessanter scheint für den Architekt aber die Nutzungserweiterung von hohen Gebäuden: «Die Geschichte der Stadt zeigt, dass ihre Architekturen schliesslich auch dazu da sind, Ereignisse zu ermöglichen, von denen man im Moment ihrer Erstellung gar noch nichts weiss.»

Einen Schritt weiter geht Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich: «Der Klettersport ist eine neue Nutzung der Stadt. Er ermöglicht bildlich gesprochen eine neue Perspektive auf diese.» Zudem böten die Stadt als Sportplatz und das touristische Interesse daran, auch die Möglichkeit neue Bevölkerungsgruppen für eine Sportart zu begeistern.

«Viele neue Sportarten haben ihren Ursprung in der Stadt und entwickeln sich dann zu einer Breitensportart», sagt Schindler. Als Beispiele verweist sie auf Breakdance, Streetsoccer, Streethockey, Inline-Skaten oder Stand-up-Paddling. Aber wie so oft, wenn etwas Neues entstehe, sei es wichtig, ein richtiges Mass an Toleranz zu finden und Nutzungskonflikte stadtverträglich zu gestalten, so Schindler.

Vortrag und Podium, Donnerstag 1. Februar, 19 Uhr, Architekturforum, Brauerstrasse 16, 8004 Zürich