Limmattal

Trotz Boom in Zürich: Hotels in der Region verlieren seit Jahren Gäste

Ein Zimmer des im März eröffneten «Hilton Hotel Garden Inn Zurich Limmattal». Es könnte regionalen Hotels neuen Schwung verschaffen.

Der grosse Boom bei den Übernachtungen in der Stadt Zürich hat offenbar keine Wirkung auf die Limmattaler Hotels. Das Bundesamt für Statistik hat gegenüber der Limmattaler Zeitung die Zahlen seit 2015 exklusiv ausgewertet – und einen Rückgang bei den Logiernächten festgestellt.

Immer weniger Auswärtige wollen im Limmattal übernachten. Dies geht aus den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu den Logiernächten in Schweizer Hotels hervor. Für die Limmattaler Zeitung wertete es die Zahlen der ersten Jahreshälften seit 2015 aus. Damals verzeichneten die sieben Hotelbetriebe im Bezirk Dietikon 38'957 Logiernächte bei 22'685 Ankünften. 2019 waren es 6,2 Prozent weniger: Im ersten Halbjahr wurden 36'559 Logiernächte gezählt, die sich auf 21'348 Ankünfte verteilten.

Dies ist bemerkenswert, weil die Region Zürich eigentlich eine Boomregion ist. So verbuchte die Stadt Zürich im selben Zeitraum ein Zuwachs von 18,3 Prozent.

In der Grossregion Zürich, die sich von Baden bis Winterthur und Zug bis Rapperswil erstreckt, ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Übernachtungen um 2,4 Prozent auf knapp über 3 Millionen gestiegen, wie Zürich Tourismus in dieser Woche bekannt gab. Besonders stark war diese Zunahme in der Region Zürich, zu der die Stadt, die Flughafenregion, das Knonaueramt und das Limmattal gehören.

Warum ist die Anzahl Logiernächte im Limmattal entgegen dem Trend rückläufig? Für Martin von Moos, Präsident Zürcher Hoteliers, ist dieses Ergebnis schwierig einzuschätzen. «Mit seiner Bautätigkeit verfügt das Limmattal über grosses Potenzial», sagt er auf Anfrage.

Aktuell sei das Limmattal aber noch nicht erste Wahl für zwei wichtige Segmente: «Freizeittouristen wollen lieber in der Stadt wohnen, und Geschäftstouristen zieht es wohl eher ins Glatttal aufgrund der zahlreichen internationalen Unternehmen und der Nähe zum Flughafen», sagt von Moos.

Die grosse Konkurrenz belebt das Geschäft

Während die Anzahl der Betriebe im Limmattal über die vergangenen fünf Jahre gleich geblieben ist, kommen die Gäste heute von anderswo als früher. Besonders markant ist der Rückgang jedoch bei den Deutschen (-1843 Logiernächte), den Briten (-1714) und der Schweizer (-663).

Erfreulich sind hingegen die Zahlen zu den Gästen aus Indien und China. Verglichen mit 2015 kamen 1111 mehr Inder und 944 mehr Chinesen ins Limmattal.

Liegt einer der Gründe für die rückläufigen Zahlen in der grossen Konkurrenz? So eröffnete im März das «Hilton Hotel Garden Inn Zurich Limmattal» in Spreitenbach, und in der Stadt Zürich erhöhte sich die Anzahl Hotels seit 2015 von 121 auf 124.

Laut von Moos belebt Konkurrenz das Geschäft. «Erfahrungsgemäss erschliessen neu eröffnete Hotels neue Gästesegmente.» Er geht davon aus, «dass die Marke Hilton eine Magnetwirkung haben kann». Diese benötige aber mehr Zeit, um sich zu entfalten.

Zahlen aus den einzelnen Limmattaler Gemeinden sind aus Datenschutzgründen nicht öffentlich. Nur wenn ein Ort über mehr als drei Hotels verfügt, veröffentlichen die Statistiker Zahlen zu Gemeinden. Im Bezirk werden sieben Hotels betrieben: Neben dem Sommerau und dem Globales Conti in Dietikon gibt es das Tivoli in Schlieren, das Hotel Geroldswil in Geroldswil, den Landgasthof Leuen in Uitikon, den Schwanen in Urdorf und das Hotel Limmatbrücke in der Fahrweid. Gefragt danach, was die Limmattaler Hotels besser machen könnten, gibt von Moos eine klare Antwort: «Wir sind nicht hier, um unseren Kollegen Ratschläge zu erteilen.»

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