Gewalt

Tritte gegen Polizisten: Zürcher Gericht belässt es bei Geldstrafe

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den 21-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken. (Archiv)

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den 21-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken. (Archiv)

Er hat einen Polizisten getreten, einen anderen «Scheissbulle» genannt - und kommt noch einmal mit einem blauen Auge davon: Ein 21-Jähriger ist vom Zürcher Bezirksgericht zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 9 Monaten gefordert.

Eine unbedingte Freiheitsstrafe wäre im vorliegenden Fall "mit Kanonen auf Spatzen geschossen", befand der zuständige Einzelrichter am Montagabend im Rahmen seiner Urteilsbegründung.

Denn der 21-jährige Beschuldigte weise zwar zwei kleine Vorstrafen auf, und er müsse "noch etwas an sich arbeiten", sagte der Richter. Doch insgesamt sei ihm in Sinne einer letzten Chance eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken aufzuerlegen.

Keine Zweifel an den Tritten

Der Vorfall, der den Stadtzürcher vor den Richter brachte, geschah am Rande eines FCZ-Festes im Mai 2016. Beim Zürcher Volkshaus kam es zu einem Scharmützel zwischen Fans und der Polizei.

Der Beschuldigte soll dabei mit "voller Wucht" einem Stadtpolizisten mehrere Fusstritte in den Rücken versetzt haben, um diesen von einer Kontrolle und der Verhaftung eines anderen Fans abzuhalten, wie es in der Anklageschrift hiess.

Er sei nicht gewalttätig, führte der Schweizer vor Gericht aus. Er habe damals gesehen, wie ein Polizist einen Mann brutal zu Boden geworfen habe. Angesichts dessen Schmerzensschreie seien bei ihm, der mit drei Schwestern aufgewachsen sei, der Beschützerinstinkt hervorgekommen. "Ich wollte schlichten, deshalb bin ich dorthin gerannt."

Getreten habe er den Polizisten nicht, beteuerte der gelernte Kaufmann. Allenfalls sei er - oder auch jemand anders - im Chaos gestolpert und habe einen Polizisten berührt, allenfalls habe die Polizei alles missverstanden.

Für das Gericht war indes "sonnenklar, dass es zu zwei Tritten" gekommen war. Und dass diese vom Beschuldigten ausgingen. Ausser Polizisten seien keine andere Person in der Nähe gewesen.

"Ein loses Mundwerk"

Der 21-Jährige war schon zuvor, am Jahreswechsel 2015/2016, mit der Stadtpolizei in Konflikt geraten. Kurz nach Mitternacht soll er gemäss Anklage zunächst Polizisten auf der Polyterrasse der ETH beschimpft und bedroht haben. Eine Stunde später soll er sich dann im Niederdorf inmitten eine Gruppe aufgehalten haben, aus der Steine und Flaschen gegen anrückende Polizisten flogen.

Im Niederdorf habe er sich zurückgezogen, als die Stimmung aggressiv geworden sei, sagte der Mann vor Gericht. Dass er auf der Polyterrasse so etwas wie "Scheissbulle" gesagt habe, könne aber sein. "Ich habe ein loses Mundwerk." Das Ganze habe er aber eher als witzig empfunden, das sei "halt so ein Spruch" gewesen, mehr nicht.

Inakzeptabel, aber nicht so gravierend

Der Einzelrichter sprach den 21-Jährigen vom Vorwurf des Landfriedensbruchs im Niederdorf frei. Es gebe keine Gewissheit, dass er sich dort im Pulk aufgehalten habe. Wegen mehrfacher Gewalt und Drohung beim FCZ-Fest sowie wegen Beschimpfung auf der Polyterrasse verurteilte es ihn aber.

Insgesamt sei das Verhalten des 21-Jährigen inakzeptabel, aber doch nicht so gravierend, fasste der Richter zusammen. Deshalb sei eine bedingte Geldstrafe angemessen - ein letztes Mal. "Ab jetzt werden die Strafen härter ausfallen", warnte der Richter den jungen Mann.

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