Kloster Fahr

Treffen der Namensvetterinnen: 19 Siljas gedenken der Klosterfrau Silja Walter

Im Silja-Walter-Raum spricht Priorin Irene mit ihren Gästen über das Leben und Werk der schreibenden Nonne.

Gestern wäre die schreibende Nonne Silja Walter 100 Jahre alt geworden. Namensvetterinnen trafen sich zum Silja-Tag.

Die Frage nach den Vornamen der 19 Frauen, die sich beim Kloster Fahr einfanden, war schnell beantwortet: Sie alle heissen Silja, und somit gleich wie die schreibende Nonne Silja Walter, die gestern 100 Jahre alt geworden wäre. Das war auch der Grund, weshalb das Kloster den 23. April 2019 zum Silja-Tag erklärte und Namensvetterinnen der 2011 verstorbenen Ordensschwester ins Fahr einluden. Angereist waren die Siljas aus Solothurn, dem Heimatkanton von Silja Walter, aus dem Aargau, aus Luzern, Zürich, Bern, St. Gallen und sogar dem Wallis.

Bereits beim ersten Austausch mit Priorin Irene zeigte sich, dass viele der Frauen ihren Vornamen tatsächlich Silja Walter zu verdanken haben. Meist deshalb, weil die Eltern in irgendeiner Form eine Beziehung zum umfangreichen Werk der Benediktinerin hatten. Es gab aber auch andere Erklärungen für die Namenswahl. So stand bei zwei Frauen auch das amerikanische Folk-Rock-Duo Simon & Garfunkel Pate. Ihr Song «Cecilia» hatte offenbar zur Namenswahl für die Tochter beigetragen.

Silja Walter als Maturlektüre

Allen Siljas gemeinsam ist, dass sich im Laufe ihres Lebens mit ihrer Namensvetterin auseinandergesetzt haben. Etwa Silja Mützenberg aus Baden, die Gedichte von Silja Walter für ihre Maturlektüre auswählte. Einig sind sich die Frauen auch, dass sie einen besonderen Vornamen tragen, den man nicht allzu oft hört.

Eine besondere Person war auch Silja Walter, wie die Priorin ihren Gästen erklärte. «Sie war eine Person voller Vitalität, auch noch im hohen Alter.» Die am 23. April 1919 als zweites von neun Kindern in Rickenbach bei Olten in die Verlegerfamilie Walter hineingeborene Silja (Cecile) Walter trat nach einem Berufungserlebnis im März 1948 in das Benediktinerinnenpriorat Kloster Fahr bei Unterengstringen ein. Hier legte sie am 11. Oktober 1949 ihre ersten Gelübde ab und erhielt den Ordensnamen Schwester Maria Hedwig. Silja Walter erhielt unter anderem zweimal den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und den Kunstpreis des Kantons Solothurn. Zudem wurde der Schwester des Schriftstellers Otto F. Walter das Ehrenbürgerrecht von Rickenbach, Würenlos und Mümliswil verliehen.

Von den Siljas, die sich gestern im Fahr trafen, sind nur zwei der schreibenden Nonne persönlich begegnet. Zu ihnen zählt Schwester Silja vom Kloster Baldegg. «Ich habe Silja Walter getroffen, noch bevor ich mich entschieden habe, ins Kloster einzutreten», erzählte sie. Zu ihrer Profess habe sie dann einen signierten Gedichtband ihrer Namensvetterin erhalten. Solche und auch andere Geschichten machten das gestrige Treffen für Priorin Irene zu einem besonderen Anlass. «Es war berührend zu hören, wie die Frauen zu ihren Namen kamen. Es sind ganz unterschiedliche Geschichten und dennoch haben alle auch Gemeinsamkeiten», sagte sie.

Nach einer Führung durchs Kloster, bei der auch im Silja-Walter-Raum Halt gemacht wurde, ging es für die Besucherinnen zur Vesper und anschliessend zum gemeinsamen Abendessen mit den Schwestern. Den Abschluss des Tages bildete der Besuch des Theaters «Ich habe den Himmel gegessen» in der Klosterkirche, für das die Sängerin und Schauspielerin Christine Lather Originaltexte von Silja Walter zu einem Theater-Monolog verflochten hat.

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