Fussball

Trainieren mit dem Profi – «Yakin-Fussballcamp» kommt nach Dietikon

Hakan Yakin freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem FC Dietikon und Juniorenobmann Pascal Stüssi.

Hakan Yakin freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem FC Dietikon und Juniorenobmann Pascal Stüssi.

In den Frühlingsferien bringt der ehemalige Natistar sein Camp für begeisterte Nachwuchsspieler und Fussballlaien zusammen mit dem FC Dietikon auf die Dornau.

Über Jahre war Hakan Yakin der offensive Mittelfeldmotor der Schweizer Fussballnationalmannschaft und schoss unter anderem für die Grasshoppers, den FC Basel und die Young Boys Tore am Laufmeter. Zweimal wurde er als Schweizer Fussballer des Jahres ausgezeichnet. 2008 erzielte er an der Heimeuropameisterschaft alle drei Tore für die Schweiz und wurde in das Topteam der Vorrunde gewählt. Nach 87 Einsätzen für die Nationalmannschaft, in denen er 20 mal traf, zog er sich 2011 zurück und räumte den Platz für jüngere Spieler. Zwei Jahre später beendete er seine aktive Spielerkarriere bei der AC Bellinzona. In 461 Spielen versenkte er den Ball 159-mal im Tor.

In gut zwei Wochen wird Yakin auf der Dornau auf dem Rasen stehen. Denn er bringt sein «Yakin Fussballcamp» nach Dietikon. Die Spielstätte des FC Dietikon ist nach seiner Heimat Basel der zweite Ort, an dem das neu konzipierte Kinder-Fussballcamp stattfinden wird. «Mein Junior hat viele Camps besucht», erzählt er bei einem Treffen im FCD-Klubhaus. So sei er Ende letzten Jahres darauf gekommen, in der Ferienzeit selbst ein Camp auf die Beine zu stellen.

Nach einigen Sponsorenzusagen sei die Platzsuche dann immer konkreter geworden. Weil sein Sohn selbst ein Jahr für den FC Dietikon spielte, sei der Fall für ihn schnell klar gewesen. «Ich habe ihn ab und zu vom Training abgeholt und gesehen, dass die Verhältnisse hier perfekt sind: super Plätze, gute Leute und fast 400 Junioren», sagt der 42-Jährige. Also habe er spontan bei den Verantwortlichen angerufen, um die Durchführung des Camps abzuklären. Nur wenige Tage später kam die Zusage.

Yakin als Aushängeschild

«Es ist ein Glücksfall, dass er auf unseren Verein zugekommen ist», sagt Juniorenobmann Pascal Stüssi. Der Vorstand hätte über einen positiven Entscheid nicht lange diskutieren müssen. Weil es in der Schweiz viele Fussballcamps für den Nachwuchs gebe, sei den Verantwortlichen des FCD wichtig gewesen, auf eine gute Qualität zu achten. Mit Yakin als Aushängeschild habe man nun eine gute Basis. «Für uns ist das Camp beste Werbung», sagt Stüssi.

Er erinnert sich bestens an die Heldentaten Anfang der Nullerjahre, als der FC Basel mit Yakin in der Champions League erstmals grossen Vereinen wie dem FC Liverpool, Manchester United und Juventus Turin die Stirn bot. Oder als die Nummer 10 mit seinem Tor gegen Irland die Weichen in Richtung Qualifikation für die EM 2004 stellte. Aber wissen auch die sechs- bis dreizehnjährigen Kinder, die Zielgruppe des Camps, dass Hakan Yakin einer der talentiertesten Schweizer Fussballer war? «Wichtig ist, dass die Eltern es noch alle wissen», sagt Stüssi. Sein fünfjähriger Sohn sei beeindruckt gewesen, als er ihm Youtube-Highlights von Yakins Künsten zeigte. Unter den Kindern verbreite sich schnell, dass ein grosser Name nach Dietikon kommt.

Spezielles Techniktraining

Mit seinem Fussballcamp will Hakan Yakin junge Talente fördern. Morgens werden die Kinder jeweils mit dem speziell entwickelten Techniktrainings-System Diamant 10 geschult. Dieses vermittelt taktische Grundsätze für Einzelspieler wie «Jeder ist immer in Bewegung» oder «Entscheidung innert einer Sekunde treffen». Aber auch Mannschaftsstrategien sind Teil des Programms. Nachmittags geht es dann spielerischer zu und her.

«Mir geht es nicht nur um Fussball, sondern um eine positive Beschäftigung der Kinder», sagt Yakin. Auch Laien, für die der Sport nicht im Fokus steht, sind willkommen. Früher hätte er als Kind draussen freier spielen können. Deshalb sei es heute umso wichtiger, den Kindern gerade in den Ferien etwas zu bieten, damit sie rausgehen und Spass haben.

Deshalb will er den Teilnehmern auch abseits des Platzes punkto Ausrüstung und Verpflegung etwas bieten. Zudem will er noch ein oder zwei aktuelle Profis gewinnen, die mit Besuchen für weitere Höhepunkte sorgen. Als Aktiver seien für ihn die lachenden Kindergesichter bei Autogrammstunden wertvolle Momente gewesen. «Ich bin überzeugt, dass der erfolgreichste Schweizer Trainer auch mal einen Tag reinschauen wird», sagt Yakin und lacht. Gemeint ist natürlich sein älterer Bruder Murat Yakin. Nach einer erfolgreichen Spielerkarriere hat er sich in den letzten zehn Jahren in der Super League als Cheftrainer etabliert und steht zurzeit beim FC Sion an der Seitenlinie.

Beim Bruder in der Schule

Bei seinem Bruder lernte Hakan Yakin das Trainerhandwerk. Zunächst wandte er sich nach seiner Spielerkarriere für ein Jahr ab vom Fussball. «Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich auf den Platz gehöre», sagt er. So startete er als Jugendtrainer und war mittlerweile in mehreren Vereinen unter Murat Assistenztrainer, zuletzt bis im Frühling 2018 bei den Grasshoppers. Als Trainer fange man quasi wieder von null an. Deshalb schätze er die wertvollen Erfahrungen als Assistent. «Aber jetzt bin ich bereit, selbst Cheftrainer zu sein», sagt Yakin. Zurzeit absolviert er die dafür notwendige Ausbildung. Und ab und zu spielt er noch selbst mit Kollegen in Basel Fussball.

Die aktuelle Entwicklung der Nationalmannschaft verfolgt Yakin aus der Ferne mit grossem Interesse. Obwohl die Spannung in der aktuellen Qualifikationsrunde mit der zusätzlichen Nations League darunter leide, dass alles zu verzettelt sei. «Die Erwartung ist jetzt nicht mehr, ob wir uns qualifizieren, sondern wann», beschreibt er das neue Selbstverständnis der Schweiz, dass sich auch dank ihm gebildet hat. Das sei auch gut so, denn die Mannschaft gehöre zu den besten zehn der Welt, findet Yakin.

In der ersten Frühlingsferienwoche wird Yakin mit den Limmattaler Nachwuchsfussballern sicher auch über die aktuellen Natistars wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka fachsimpeln. Und der eine oder andere Campteilnehmer wird künftig sicher genauer zuhören, wenn seine Eltern erzählen, dass der Name Yakin lange für Kreativität im Schweizer Offensivspiel bürgte.

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