Birmensdorf-Urdorf
Tradition geht verloren: Seifenkistenrennen müssen abgesagt werden

Die Tradition der Seifenkistenrennen serbelt: Teilnehmermangel und enormer Aufwand bremsen alle drei Veranstaltungen im Limmattal aus.

Katja Landolt
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Im Limmattal geht eine Tradition verloren: Das Seifenkistenrennen Birmensdorf-Urdorf musste mangels Teilnehmer abgesagt werden. Damit ereilt die Veranstaltung das gleiche Schicksal wie das Seifenkistenrennen in Dietikon und dasjenige in Oberengstringen.

Yvonne Hanselmann vom Organisationskomitee ist enttäuscht: «Wir haben auf allen Kanälen nach Teilnehmern gesucht; mündlich, mit Plakaten, über die Medien, sogar via Facebook.» Genützt hat es nichts, nur gerade 15 Kinder und Jugendliche haben sich angemeldet. Nötig gewesen wären mindestens 25.

«Aufwand rechtfertigt sich nicht»

Für Mel Nipkow aus Bergdietikon ist das eine besonders traurige Nachricht: Einen Tag vor der Absage noch hatte der 10-Jährige die Reporterin stolz in die Seifenkistenwerkstatt geführt – in heller Vorfreude auf das Rennen.

In der Garage stand das Gefährt aufgebockt; die Räder montiert, das Lenkrad auch. Die Kiste, die er sich zum Geburtstag gewünscht hatte; selbst gebaut, natürlich. Und mit der er am Sonntag zum ersten Mal den Hang hinunter kesseln wollte. «Schwarz mit Flammenmuster», so hatte sich Mel die Verschalung der Kiste vorgestellt.

2009 fiel bereits das Dietiker Seifenkisten Rennen, kurz DISERE, dem fehlenden Interesse zum Opfer. Bereits 2008 war die Teilnehmerzahl eingebrochen, von jeweils über 40 auf 19. 2009 meldeten sich nur noch gerade 15 Fahrer an.

«Das rechtfertigte den ganzen Aufwand am Rennwochenende mitsamt der Sperrung der Weinbergstrasse in keiner Weise», sagt Oliver Martitsch-Kreiner, damaliger OK-Präsident, rückblickend. Damit war der Anlass, den die Pfadi St. Ulrich davor 14 Jahre lang organisiert hatte, gestorben.

Zwar habe man intern besprochen, 2010 einen neuen Anlauf zu nehmen, so Martitsch-Kreiner, habe sich dann aber dagegen entschieden. «Das OK hat sich aufgelöst. Ein weiteres DISERE ist von unserer Seite nicht geplant.»

Nach dem Anlass im September 2009 schlug auch das letzt Stündlein für das Seifenkistenrennen des Elternvereins Oberengstringen (EVO). Der Grund sei aber nicht der Teilnehmerschwund gewesen, sagt EVO-Präsidentin Brigitte Velten, Fahrer hätten sich genug angemeldet.

Vielmehr fehlte es an den Freiwilligen, die ein solches Grossereignis aufziehen helfen. «Der Aufwand, ein solches Rennen auf die Beine zu stellen, ist enorm», so Velten. Das letzte Fünkchen Hoffnung ist aber noch nicht verglüht: «Der Anlass ist nicht in Vergessenheit geraten. Vielleicht gibt es irgendwann wieder ein Rennen in Oberengstringen.»

Woran es liegt, dass sich die Kinder und Jugendlichen nicht mehr für Seifenkistenrennen interessieren, weiss niemand so genau. Schliesslich sei die Begeisterung an den Renntagen jeweils an allen Orten gross gewesen – sowohl bei den Fahrern als auch beim Publikum, sagt Oliver Martitsch-Kreiner.

«Vielleicht fehlt es an der fehlenden Seifenkiste und am Engagement; so eine Seifenkiste baut sich nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit und Einsatz.»

Ein Argument – aber keines, das für den Teilnehmerschwund für das Seifenkistenrennen Birmensdorf-Urdorf gilt: «Wir stellen allen Teilnehmern Seifenkisten zur Verfügung», sagt Hanselmann. Sie vermutet, dass das mangelnde Interesse vom Überfluss an Veranstaltungen herrührt. «Und vielleicht ist Seifenkistenfahren einfach nicht mehr in.»

Ein Trostpflaster für Mel

Seifenkistenpilot Mel lässt sich trotz der Enttäuschung über die Absage nicht so schnell unterkriegen: «Die Kiste wird trotzdem fertig gebaut. Wir suchen uns einfach ein anderes Seifenkistenrennen», sagt er. Auch für Mutter Zvezdana Nipkow steht fest: «Wir machen weiter, ganz im Sinne von Mel.»

Und Yvonne Hanselmann verspricht: «Wir werden es irgendwann möglich machen, dass Mel seine neue Kiste trotzdem ausfahren kann.» Ob es aber jemals wieder ein Seifenkistenrennen Birmensdorf-Urdorf geben wird, steht noch in den Sternen. Laut Hanselmann wird nach den Sommerferien darüber entschieden.