Kampfsport
Top Team Zürich: Wo man kickend und boxend fit wird

Erfolgreiche Trainer des Top Team Zürich führen seit einem Jahr in Schlieren Interessierte in die Welt des Kampfsports ein. Doch viele sehen darin vor allem ein intensives Kraft- und Ausdauertraining.

Florian Schmitz
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Zurich Top Team
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 Mirko Kuhn feierte seine grössten internationalen Erfolge mit mehreren Weltmeistertiteln im Muay Thai.
 Weitere Impressionen aus dem Training.
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Zurich Top Team

SEVERIN BIGLER

Autohändler und Baustellen, soweit das Auge reicht: Wer in der Nähe der Gasometerbrücke der Zürcherstrasse entlang spaziert, hat keine Chance, zu erahnen, dass gleich um die Ecke in einem unscheinbaren Gebäude einige der ambitioniertesten und besten Kampfsportler der Schweiz trainieren. Vorbei an Parkplätzen, Warenlieferungszugängen und einer offenen Parkgarage führt der Weg zum Eingang des David Gym.

Gleich dahinter öffnet sich Fitnessenthusiasten eine neue Welt: Der riesige Raum mit Galerie ist mit einer beeindruckenden Fülle an Geräten für Kraft- und Ausdauertraining ausgestattet – inklusive einer 50-Meter-Rennbahn für Schnellkraftübungen. In einer Ecke liegt das sogenannte Dojo: Eine Tür führt zu zwei kleineren, mit Matten ausgelegten Räumen, in denen sich Boxsäcke aneinanderreihen. Die Trophäensammlung am Eingang zeigt, welch geballte Kampfkunst-Kompetenz hier zuhause ist. Davor thront ein hoher Boxring, dessen Boden in fetten Lettern markiert, wer hier zu Hause ist: Top Team Zürich.

Mirko Kuhn: Trainer und Muay-Thai-Star Bereits mit sechs Jahren kam Mirko Kuhn mit Kampfsport in Berührung: «Meine Mutter meinte, ich hätte zu viel Energie und sollte etwas machen», sagt er lachend. So kam er übers Judo zum Boxen und schliesslich zum Kickboxen. Bereits mit 13 Jahren stand er erstmals für einen Amateurkampf im Ring, mit 17 wurde er Profi. Seine grössten internationalen Erfolge feierte der 32-Jährige mit mehreren Weltmeistertiteln im Muay Thai. In Japan kämpfte er in der bekannten Kickboxorganisation K-1, wo der Schweizer Kampfsportpionier Andy Hug zum grossen Star wurde. Und auch im Mixed Martial Arts absolvierte er einige Profikämpfe. Seinen letzten Kampf bestritt Kuhn 2016. Neben seiner Arbeit als Security Guard und Kampfsport-Trainer sowie seinen beiden Söhnen bleibe nicht mehr viel Zeit. Trotzdem ist er immer noch in der internationalen Kampfsportwelt unterwegs, weil er als Trainer beim Top Team Zürich sein Wissen an die jüngeren Profis weitergibt. Im Herzen bleibt er aber ein Kämpfer: «Es gibt nichts, in dem ich mich so ausleben und so völlig auspowern kann wie im Kampfsport. Ich vermisse es, nicht zu kämpfen.» (flo)

Mirko Kuhn: Trainer und Muay-Thai-Star Bereits mit sechs Jahren kam Mirko Kuhn mit Kampfsport in Berührung: «Meine Mutter meinte, ich hätte zu viel Energie und sollte etwas machen», sagt er lachend. So kam er übers Judo zum Boxen und schliesslich zum Kickboxen. Bereits mit 13 Jahren stand er erstmals für einen Amateurkampf im Ring, mit 17 wurde er Profi. Seine grössten internationalen Erfolge feierte der 32-Jährige mit mehreren Weltmeistertiteln im Muay Thai. In Japan kämpfte er in der bekannten Kickboxorganisation K-1, wo der Schweizer Kampfsportpionier Andy Hug zum grossen Star wurde. Und auch im Mixed Martial Arts absolvierte er einige Profikämpfe. Seinen letzten Kampf bestritt Kuhn 2016. Neben seiner Arbeit als Security Guard und Kampfsport-Trainer sowie seinen beiden Söhnen bleibe nicht mehr viel Zeit. Trotzdem ist er immer noch in der internationalen Kampfsportwelt unterwegs, weil er als Trainer beim Top Team Zürich sein Wissen an die jüngeren Profis weitergibt. Im Herzen bleibt er aber ein Kämpfer: «Es gibt nichts, in dem ich mich so ausleben und so völlig auspowern kann wie im Kampfsport. Ich vermisse es, nicht zu kämpfen.» (flo)

SEVERIN BIGLER

Seit einem Jahr trainieren die Mitglieder des Kampfsportteams im David Gym in Schlieren. «Unser altes Gebäude in Glattbrugg wurde abgerissen, deshalb suchten wir ein neues Gym», sagt Mirko Kuhn, Leiter und Mitgründer des Top Team Zürich. Die Zusammenarbeit sei entstanden, weil er und David-Gym-Besitzerin Kathi Fleig sich bereits seit längerem gut kannten.

So kam es, dass eine der besten Adressen für Mixed Martial Arts (siehe Box am Ende des Texts) in der Schweiz im Januar 2017 nach Schlieren zog. Nicht als Gast im neuen Gym, sondern als fester Bestandteil: «Es gibt nur ein Abo mit einem Preis für das Top Team und das David Gym», sagt Kuhn, der die gesamte Kampfsportabteilung im Gym leitet. Es sei super, in einem der bekanntesten und besten Bodybuilding Gyms der Schweiz trainieren zu können.

«Ich fand die Idee von Anfang an spannend, da das Top Team im Bereich Kampfsport einen sehr guten Ruf hat», sagt Fleig. Nach einem Jahr Zusammenarbeit zieht sie eine positive Bilanz. Viele Fitnessmitglieder würden mittlerweile auch das Kampfsportangebot als Ausdauertraining nutzen. «Und die Kämpfer vom Top Team sind allesamt noch etwas muskulöser und fitter geworden», sagt sie.

Polster verprügeln

Das Training ist intensiv. An diesem Abend steht Muay Thai auf dem Programm – bei dem im Unterschied zum Kickboxen auch Treffer mit Knie und Ellbogen sowie das Greifen des Gegners im Nacken, das sogenannte «Clinchen», erlaubt sind. Mehrmals wöchentlich wird auch der Bodenkampf trainiert. Nach dem intensiven Aufwärmen montieren die knapp 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen – obwohl klar in der Unterzahl, trainieren auch einige Frauen mit – Handschuhe, Mundschutz und Beinschoner.

Trainer Kuhn demonstriert jeweils Kombinationen mit Faustschlägen, Ellbogen, Kicks und Knien, die anschliessend zu zweit geübt werden. Das Stöhnen und Keuchen zeugt davon, wie intensiv und verbissen die Schlagkombinationen ausgeführt werden. Damit sich niemand verletzt, benutzt die Person in der Defensive Polsterkissen, die dem Angreifer als Ziel dienen. Auffallend ist, dass die Stimmung im Raum sehr konzentriert ist. Gerät doch einmal jemand aus dem Tritt, sind aufmunternde und unterstützende Worte zu vernehmen.

Das Niveau ist sehr unterschiedlich. Kein Wunder, trainiert ein Teil doch noch nicht mal ein Jahr lang, während einige Profis sich gerade intensiv auf einen Kampf vorbereiten. Die Mischung aus Novizen, die einfach gerne trainieren, und hochtalentierten Kampfsportlern ist aussergewöhnlich und hat mit der Geschichte des Top Team Zürich zu tun.

Zufällig Trainer geworden

Die Strukturen für Kampfsportler seien in der Schweiz eher schlecht und es sei schwer, hochkarätige Trainingspartner zu finden, sagt Kuhn. 2011 mietete er, der selbst als Profikämpfer viel herumgekommen ist und etliche Weltmeistertitel einheimste, mit einigen Kollegen ein kleines Gym, um gemeinsam auf hohem Level trainieren zu können. «Wir wollten eigentlich keine Trainings leiten, sondern selbst trainieren», sagt er. Anfangs hätten sie deshalb viele entsprechende Anfragen abgelehnt. Doch als im gleichen Jahr in einer Liegenschaft seines Vaters ein grosser Raum frei wurde, musste Kuhn sich entscheiden.

Als Kampfsportler organisierte er im neuen Raum den Kampfabend «Ready 4 War», der sogleich rund 1000 Zuschauer anlockte. Zwei Monate später hatte er seinen ersten Trainingskurs aufgezogen, zu dem regelmässig mehr als 40 Leute kamen. Ein Grossteil der Mitglieder ist laut Kuhn vor einem Jahr vom Norden Zürichs nach Schlieren mit umgezogen. Gerade für die Profis sei die neue Infrastruktur super: «Hier können wir unsere Kämpfer optimal vorbereiten», sagt er, der unter dem Jahr vier bis sechs Profis mit einem umfangreichen Trainingsprogramm betreut und auch mit ihnen zu internationalen Kämpfen reist.

Kämpfen für die Fitness

Rund 150 bis 200 Leute trainieren spezifisch mit dem Top Team Zürich. Dank der Integration im David Gym würden auch mehr und mehr Kampfsportfremde das Training für sich entdecken. Für Anfänger werden spezifische Einsteigerkurse in kleineren Gruppen angeboten. Und auch bei den Fortgeschrittenen ist die Mehrheit auf ein interessantes und intensives Kraft- und Ausdauertraining aus. Kampfsport sei dafür sehr effizient, weil es so intensiv sei, sagt Kuhn. Rund 90 Prozent seien vor allem zum trainieren da, schätzt er.

«Ich trainiere seit fünf Jahren und finde es toll, mich auszupowern und Aggressionen loszuwerden», erzählt die 21-Jährige Sheeva beim Training. Aber der Kampfsport habe sie gepackt und sie würde gerne mal für einen Amateurkampf im Ring stehen. Bis es soweit ist, kann sie sich im gemeinsamen Training von den Profis noch einige Tricks abschauen.

Was ist Mixed Martial Arts?

Mixed Martial Arts (MMA) ist eine Vollkontaktsportart, bei der im Stehen und auf dem Boden gekämpft wird und Techniken aus verschiedenen Kampfsportdisziplinen angewendet werden. Die Kämpfer bedienen sich sowohl der Schlag- und Tritttechniken des Boxens, Kickboxens, Taekwondo, Muay Thai und Karate als auch der Bodenkampf- und Ringtechniken des Jiu-Jitsu, Ringens, Judo und Sambo. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten ist es beim MMA erlaubt, seinen Gegner auch im Bodenkampf mit einigen Einschränkungen zu schlagen und zu treten. (flo)