Veganer wollen auch Währschaftes essen — eine Quiche zum Znacht beispielsweise, oder eine Omelette zum Zmorge. Deshalb hat Soyana diese Woche das vegane Ei auf den Markt gebracht. «Eine Weltneuheit», triumphiert der Schlieremer Hersteller in seiner Pressemitteilung.

Sicher ist: In der Schweiz kennt die Alternative zum konventionellen Hühnerei noch keiner, Bioläden können das Produkt jetzt bestellen. Doch wie sieht es aus? Und: Schmeckt es überhaupt?

Wie ein echter Koch

Zum Testessen in der firmeneigenen Küche stellt sich der Chef Walter Dänzer höchstpersönlich an den Herd. Vor rund 36 Jahren hat er den ersten Fleischersatz aus Soja auf die Schweizer Teller gebracht. Heute trägt er eine Kochschürze. Ihm zur Seite steht eine «Mittüftlerin» aus dem firmeneigenen Labor, intern «LifevisionLab» genannt. Dänzer hat es 1996 gegründet, 14 Jahre nach der Firma Soyana, 4 der 50 Angestellten forschen inzwischen dort. Die andern sorgen für den Vertrieb der über 100 eigenen veganen Produkte.

Dem Original zum Verwechseln ähnlich: Die Omelette aus dem veganen Ei.

Dem Original zum Verwechseln ähnlich: Die Omelette aus dem veganen Ei.

Zweck des Labors ist zu ergründen, was Lebensmittel wirklich sind. Für Dänzer geht es beim veganen Essen um viel mehr als nur um «Produkte» — ähnlich wie es einem Homöopathen nicht nur um die einzelnen Organe eines Patienten geht — sondern um das grosse Ganze, den Menschen. Oder im Fall der Lebensmittel: Um die Lebensenergie, die ihnen inne wohnt. Dänzer hat eine Methode entwickelt, die diese Energie mittels Kristallisationsbildern sichtbar macht. Selbstredend, dass die Lebendigkeit in einem unbehandelten Bio-Produkt weit grösser ist als in einem chemisch behandelten.

Meditieren und Sport treiben

Schnell wird auch bei der Essensprobe in der firmeneigenen Küche klar: Beim Bio-Ei geht es nicht nur um eine Alternative zum konventionellen Hühnerei. Oder darum, das «Tierleid» zu verringern. Hinter dem Bio-Ei steckt eine ganze Lebensphilosophie, sein Verzehr ist eine «Einladung in die Welt des Friedens». So steht es auf dem Werbeflyer. «Essen», sagt Dänzer, «ist nur ein Teil des ganzheitlichen Lebens.»

Der 70-Jährige treibt täglich Sport und meditiert. Seine Angestellten tun es ihm gleich. Indische Meditationsklänge berieseln die Firmenräume die ganze Zeit. Die Ausrichtung von Soyana ist eng verbunden mit Dänzers Lebensweg, dem eines Visionärs, den die konventionelle Welt nie richtig schlucken wollte und der sich deshalb einen eigenen, alternativen Weg suchte.

Die Agrarpolitik revolutionieren

Als junger Betriebsökonom wollte Dänzer die Schweizer Agrarpolitik revolutionieren. Nicht mehr die Rentabilität oder Effizienz sollten im Zentrum stehen, sondern die Gesundheit. In den 1970er-Jahren ein neuer Gedanke, stand man doch noch vor der Gründung des ersten Biolabels oder dem Bewusstsein, wie schädlich die Chemie auf Umwelt und Tier sind. «Die Wirtschaftspolitik war beherrscht von Technokraten», erinnert er sich, «ausgerichtet auf die Lebensentfernung von Tier und Natur.»

Dänzers Doktorarbeit wurde aber abgelehnt, später räumte Coop die Soyana-Produkte aus den Regalen, weil darauf für ein gratis Friedens-Konzert im Hallenstadion geworben wurde. Ablehnung widerfuhr Dänzer auch beim Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit, als er mit der Idee vorstellig wurde, alle Lebensmittel neu mit den Kristallisationsbildern aus seiner Forschung zu deklarieren.

Dänzer brachte die Ergebnisse in einem Buch im Eigenverlag heraus. Seinen spirituellen Führer fand er im indischen Meister Sri Chinmoy. Und die Abnehmer für seine Produkte sind heute die Bio-Läden, ehemals Reformhäuser, «die wahren Reformer der Welt».

Und das Bio-Ei? Angerührt aus einer Masse von Bio-Sojabohnen und -Kichererbsenmehl, erhitzt mit einem Bio-Sonnenblumenöl, serviert mit einem fermentiertes Biogetränk — enttäuscht es zunächst. Es schmeckt gar nicht nach Ei. «Das ist die falsche Erwartung», sagt Dänzer. Der zweite Versuch folgt, verfeinert mit Tomaten, Kräutern, schwarzem Salz. Optional: Mandonaise (Mayonnaise aus Mandelpurée). Nun schmeckt’s. Glutenfrei, eiweisshaltiger und halb so fettig wie ein Ei.