«Während vier bis fünf Wochen gilt das Gebot, dass ausser den Regierungsmitgliedern niemand etwas von der Ämtervergabe erfahren darf. Zum Teil sind nicht einmal die Generalsekretäre eingeweiht», erzählt die Zürcher Justizdirektorin im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Die Amtsübergabe leide unter dieser Geheimniskrämerei. Der Austausch mit dem Amtsvorgänger sei nur oberflächlich möglich, mit anderen wichtigen Personen könne gar kein Austausch stattfinden. «Man kann sich kein eigenes Bild machen, hat einzig und allein die Perspektive des Vorgängers», sagt Fehr. Ausserdem starte man so mit entsprechend wenig Vorwissen ins Amt, was die Abhängigkeit von der Verwaltung erhöhe. «Die Deutungshoheit liegt dann über lange Zeit bei den Kaderleuten.» Die Justizdirektorin meint, dass solche mangelhaften Amtsübergaben nicht zuletzt auch Fehlentwicklungen begünstigt haben, die zum Skandal rund um Entsorgung + Recycling Zürich führten.

Des Weiteren würden zentrale verwaltungsinterne Projekte stillgelegt, da während Wochen niemand wisse, wie es denn weitergehe. Oder man arbeite aufgrund bisheriger Entscheide weiter mit dem Risiko, dass nach dem Wechsel an der Spitze alles umsonst war. Die Regierungsrätin kritisiert dieses Vorgehen als «unsinnige Ressourcenverschleuderung».

Beim Amtsantritt würde man dann doppelt eingedeckt mit Arbeit, da keine sonstigen Gespräche geführt und Besuche abgestattet werden konnten. «So gerät man von Anfang an ins Hintertreffen.» Die Justizdirektorin erinnert an einen Martin Neukom (Grüne), der kurz nach Amtsantritt als Zürcher Baudirektor zweimal in den Kantonsrat musste, um wichtige Geschäfte zu vertreten. «Da bleibt doch keine Zeit, mal in Ruhe mit einem Amtsdirektor eine Auslegeordnung zu machen oder einen Workshop zu organisieren.»

«Gespräche mit Schlüsselpersonen wären Pflicht»

Jetzt fordert Fehr dazu auf, die Amtsverteilung jeweils umgehend zu kommunizieren. Während den vier bis fünf Wochen bis zur konstituierenden Sitzung folge dann eine Einarbeitung, die nach einer klaren Systematik geschehen solle. «Gespräche mit Schlüsselpersonen wären Pflicht.» Danach folge, wie gehabt, die Vereidigung am Tag der Legislatureröffnung und der Amtsantritt.

Im Regierungsrat habe man die Direktionsverteilung bereits diskutiert, bestätigt Fehr auf Anfrage der Zeitung. «Allerdings ohne Ergebnis.»