Eigentlich wäre die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in Aesch bereits Tatsache: Die Gemeindeversammlung stimmte dem Traktandum Anfang Dezember 2012 mit 89 zu 81 Stimmen zu. Der Kredit von 340 000 Franken muss dennoch an die Urnenabstimmung, weil damals 104 Stimmberechtigte dies verlangten.

Die Abstimmung fiel also denkbar knapp aus. Trotzdem ist in Aesch keine organisierte Opposition gegen ein flächendeckendes Tempo-30-Regime – nur die kantonale Dorfstrasse ist nicht betroffen – auszumachen.

«Grundsätzlich wünschen sich viele Aescherinnen und Aescher, dass langsamer gefahren wird», erklärt Gemeindepräsident Hans Jahn (Forum Aesch) an einer Presseorientierung. «Bei der Frage, wie dies erreicht werden soll, gehen die Meinungen aber stark auseinander. Der Gemeinderat ist nach wie vor der Ansicht, es ist besser, Tempo 30 flächendeckend einzuführen, als nur einzelne Massnahmen zu treffen.»

Die konsequente Lösung

Es ist die rechtlich konsequente Lösung, so Jahn, und macht finanziell keinen grossen Unterschied aus zu punktuellen Massnahmen. Diese wären fast gleich teuer. Im Zentrum der Vorlage stünden ja auch nicht finanzielle Aspekte, sondern die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Es sei unbestritten, dass bei Tempo 30 weniger Unfälle passierten und die Unfälle weniger schwerwiegend seien. Und wenn in Aesch in der letzten Zeit keine gravierenden Unfälle passiert seien, sei dies keine Garantie für die Zukunft, habe doch der Verkehr auf den Quartierstrassen wegen des Dorfwachstums zugenommen.

Steile Strassen im Dorf

Diego Bonato (SVP), Polizeivorstand, erklärt die relativ hohen Kosten: «Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind sie höher als andernorts. Der Hauptgrund liegt in der Steilheit der Strassen in Aesch. Praktisch jede, die beruhigt werden muss, braucht überdurchschnittliche Massnahmen. Ausserdem seien die Strassen in den 70er-Jahren gebaut worden. Sie seien zu breit für das heutige Empfinden und würden zu schnellem Fahren verleiten. Klassisch sei in diesem Zusammenhang die Haldenstrasse.
Drei Zonen beruhigen

Die Kantonsstrasse kann wie erwähnt nicht beruhigt werden. Da verbleiben die beiden Zonen links und rechts dieser Strasse. Als dritte Zone könnte später das Neubaugebiet Heligenmatt-Feltsch für Verkehrsberuhigungsmassnahmen berücksichtigt werden, wie Bonato weiter ausführte.

«Nein-Stimmen ernst nehmen»

In die Arbeitsgruppe, welche das Geschäft nach einer Petition aus der Bevölkerung in Angriff genommen hatte, seien auch Gegner einbezogen worden, erklärt Bonato weiter. Er denkt, man müsse die vielen Nein-Stimmen ernst nehmen. Sollte die Vorlage durchkommen, solle man es nicht übertreiben mit den Massnahmen. Wichtig wird es sein, so Gemeindepräsident Jahn, die Gestaltung insgesamt und jede einzelne Massnahme nochmals genau zu diskutieren. Im Rahmen des weiteren Verfahrens wird der Gemeinderat dafür auch die Bevölkerung nochmals beiziehen. Dem Gemeinderat ist es ein grosses Anliegen, die Signalisation und die Massnahmen möglichst schonend ins Dorfbild einzufügen. Diego Bonato denkt, die Nein-Stimmen müsse man auch dahingehend verstehen, dass die Leute keine übertriebenen Massnahmen wollten.

Jahn wie Bonato zeigen sich zuversichtlich, dass die Tempo-30-Vorlage, hinter welcher der gesamte Gemeinderat und ein grosser Teil der Bevölkerung stehen, angenommen wird. Ein Nein würde allerdings nicht heissen, dass gar keine Verkehrsberuhigungsmassnahmen erstellt würden. Man müsste dann gezielt einzelne Massnahmen zur Entschärfung gefährlicher Stellen umsetzen, denkt Hans Jahn.