Aesch
Tempo 30 erhitzt an der Gemeindeversammlung die Gemüter

Der Gemeinderat stellt mögliche Massnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion vor. Die Diskussion, ob in Aesch eine flächendeckende Tempo-30-Zone eingeführt werden soll, ist ein emotionales Thema.

Dominic Kobelt
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Lukas Ostermayr erklärt den Anwohnern, weshalb welche Massnahme geplant ist. kob

Lukas Ostermayr erklärt den Anwohnern, weshalb welche Massnahme geplant ist. kob

Uneinigkeit im Gemeindesaal: «Das ist eine Verschandelung unseres Dorfes», meint einer. «Das hier ist keine Informations-, sondern eine Verkaufsveranstaltung», sagt ein anderer. «Ein Leben ist mehr Wert, als 300000 Franken», sagt dagegen eine junge Frau. Die Diskussion, ob in Aesch eine flächendeckende Tempo-30-Zone eingeführt werden soll, ist ein emotionales Thema.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Gruppe «Gesund leben in Aesch: Langsamerischschnäller». Sie hat eine Petition mit 205Unterschriften eingereicht. «Das sind 20 Prozent der Bevölkerung, also haben wir eine Arbeitsgruppe eingesetzt», sagte Gemeinderat Diego Bonato. An einer Infoveranstaltung wurde am Mittwochabend über die Ergebnisse der bisherigen Abklärungen und die geplanten Massnahmen informiert.

Eine Vorlage wird voraussichtlich im Dezember an der Gemeindeversammlung präsentiert – zu vernehmen war bereits, dass vermutlich der Antrag auf Urnenabstimmung gestellt wird. Wird dieser Antrag von mehr als einem Drittel der Anwesenden unterstützt, wird eine Abstimmung an der Urne angesetzt.

Gemeinderat will Massnahmen

Um die momentane Situation zu erfassen, wurden elf Messungen an sieben Strassen vorgenommen. Dabei wurden keine Nummernschilder registriert – zu hohe Geschwindigkeiten hatten keine Konsequenzen. Bonato sieht aufgrund der Messungen Handlungsbedarf: «Egal ob wir
Tempo 30 oder alternative Beruhigungen ohne Tempo 30 wollen: es sind bedeutende Massnahmen zur Verkehrsberuhigung nötig.»

Lukas Ostermayr von der SNZ Ingenieure und Planer AG erläuterte, welche baulichen Massnahmen vorgesehen sind, um eine Reduktion der Geschwindigkeit zu bewirken. Laut Ostermayer sind dazu Fahrbahnerhöhungen, seitliche Einengungen und ähnliche Massnahmen nötig – nur eine Signalisation bringe nichts (siehe Box): «Wenn wir nur Signaltafeln aufstellen, haben wir keine Chance, das angestrebte Ziel zu erreichen.»

Falls Aesch zu einer generellen Tempo-30-Zone wird, dann bildet die Dorfstrasse eine Grenze: Die Kantonstrasse teilt das Dorf dann in zwei 30er-Zonen auf. Im nördlichen Teil gibt es nur auf der Lielistrasse Handlungsbedarf – dafür aber grossen: Maximalgeschwindigkeiten von bis zu 73 km/h wurden hier gemessen. Auch die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt einiges über den momentan erlaubten 50 km/h. Trotzdem schlägt der Gemeinderat vor, hier nicht sofort Massnahmen zu ergreifen – die Strasse muss sowieso saniert werden. Deshalb macht es Sinn, mit den Massnahmen bis dahin zu warten.

300000 Franken für Tempo 30

In der Zone südlich der Dorfstrasse gibt es diverse geplante Massnahmen, zum Beispiel an der Haldenstrasse, an der Grossacherstrasse oder an der Feldstrasse. Die Schätzungen der Kosten für sämtliche Massnahmen – inklusive Planung, Gutachten und Umsetzung – belaufen sich auf 300000 Franken. Eine Alternative: Die Beruhigung ohne die Einführung einer verbindlichen Temporeduktion würde den Steuerzahler 250000 Franken kosten.

Anschliessend an die Informationsveranstaltung beantwortete Ostermayr Fragen der Anwohner. Die Unterlagen liegen nun während 20Tagen auf der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme auf. Alle Aescherinnen und Aescher, die nach dem Studium der Vorlage eine Besprechung wünschen, können sich bei der Gemeindeverwaltung melden.