Offener Bücherschrank

«Teilen» steht im Vordergrund: In Schlieren gibt es bald kostenlose Bücher

Vielerorts wurden nicht mehr genutzte Telefonkabinen in öffentliche Bücherschränke umgewandelt. (Bild: Stansstad, 28. Oktober 2018)

Vielerorts wurden nicht mehr genutzte Telefonkabinen in öffentliche Bücherschränke umgewandelt. (Bild: Stansstad, 28. Oktober 2018)

Öffentliche Bücherschränke erfreuen sich grosser Beliebtheit. Im Frühling will auch die Stadt Schlieren auf dem Stadtplatz aktiv werden.

Der Schlieremer Gemeinderat Manuel Kampus (Grüne) will in Schlieren ein neues Leseangebot ermöglichen. In einem Postulat richtete er die Bitte an den Stadtrat, öffentliche Bücherschränke zu errichten. «Ich habe in Solothurn einen Bücherschrank gesehen und dachte, dass dies eine gute Option für Schlieren wäre», sagt Kampus auf Anfrage. So könne die Stadt kulturell bereichert werden.
Das Anliegen stösst beim Stadtrat auf offene Ohren. In seiner Postulatsantwort führt er aus, dass im Frühling 2020 ein erster Bücherschrank auf dem Kulturplatz aufgestellt wird, in der Nähe der Kreuzung von Stadtplatz-Kreisel und Uitikonerstrasse.

Aus einem Bücherschrank können Bücher und andere Medien – etwa Hörbücher oder Filme – umsonst mitgenommen werden. Ob diese zurückgegeben werden oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Allerdings lebt der Bücherschrank davon, dass man wiederum Bücher hineinlegt. Idealerweise wechselt das Sortiment dadurch automatisch. «Beim Bücherschrank ist die Hemmschwelle, ein Buch mitzunehmen, niedriger als bei der Bibliothek», erklärt Kampus. Es biete sich beispielsweise an, beim Warten auf den Bus spontan ein spannendes Buch aus dem Schrank zu nehmen. Bibliotheken und Bücherschränke stehen aber weder für Kampus noch für den Stadtrat in Konkurrenz zueinander. Stattdessen stellen Bücherschränke ein Zusatzangebot dar.

Wird eine Telefonkabine umfunktioniert?

Für Kampus sind Bücher etwas, das man teilen sollte: «Meine Partnerin liest sehr viel. Sie liest ihre Bücher aber nur einmal durch und gibt sie dann weiter», sagt er. Auch beim Bücherschrank stehe der Aspekt des Teilens im Vordergrund. Anstatt gelesene Bücher zu Hause zu horten, bringe man sie so wieder in Umlauf. Und könne sich gleichzeitig mit neuem Lesestoff eindecken.

Bücherschränke erfreuen sich grosser Beliebtheit. In der Schweiz wurden seit der Eröffnung des ersten offenen Bücherschranks in Basel im Jahr 2011 unzählige Bücherschränke aufgestellt. Im Limmattal laufen auch einige Projekte, die in diese Kerbe schlagen. So wurden 2015 in Dietikon bei gut frequentierten öffentlichen Sitzgelegenheiten Kisten mit Büchern angekettet.

Noch im Januar soll in Unterengstringen eine Telefonkabine zu einem Bücherschrank umgebaut werden. Nachdem Telefonkabinen zunehmend überflüssig wurden – im November nahm die Swisscom in Baden ihre letzte Kabine ausser Betrieb –, wurden sie vielerorts zu Bücherschränken umfunktioniert. Gemäss der Antwort des Schlieremer Stadtrats wäre es auch in Schlieren denkbar, eine alte Telefonkabine zu verwenden. Aber auch andere Schränke kämen in Frage. Einzige Voraussetzung sei, dass die Bücher vor Wind und Wetter geschützt sind.

Der Schrank soll maximal 10'000 Franken kosten

Für die Anschaffung des Schlieremer Bücherschranks hat der Stadtrat einmalige Kosten von maximal 10'000 Franken eingeplant. «Für einen einzelnen Bücherschrank ist das etwas hoch gerechnet. Das wird auf jeden Fall reichen», sagt Kampus. Zudem wird das Personal der Bibliothek Schlieren einmal pro Woche das Sortiment betreuen. So werden Medien, die kaputt oder inhaltlich nicht angemessen sind, entsorgt. Kampus könnte sich auch vorstellen, dass sich in Zukunft Freiwillige um die Betreuung des Bücherschranks kümmern könnten. Der Stadtrat schreibt, dass weitere Bücherschränke denkbar wären, wenn der erste Schrank gut genutzt wird. So wären etwa Bücherschränke bei der Badi Im Moos oder im Goldschlägi-Quartier denkbar. Mit der Stadtratsantwort zeigt sich Kampus zufrieden. Nun sei er gespannt, wie der Bücherschrank umgesetzt wird.

Autor

Manuel Reisinger

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