Kloster Fahr

Technik trifft auf Geschichte: Der Silja Walter-Weg lässt sich auch virtuell beschreiten

Priorin Irene Gassmann testet eine Virtual-Reality-Brille: Diese ermöglicht einen anderen Zugang zum immensen Werk von Schwester Maria Hedwig.

Priorin Irene Gassmann testet eine Virtual-Reality-Brille: Diese ermöglicht einen anderen Zugang zum immensen Werk von Schwester Maria Hedwig.

Ein Stationen-Weg für die «schreibende Nonne» ist offiziell eingeweiht worden.

Ihr Schreiben und Werk dienen noch heute vielen als Inspiration und Weg im Glauben. Am vergangenen Dienstag, 23. April, wäre Silja Walter 100 Jahre alt geworden. 60 Jahre lang wirkte sie als Schwester Maria Hedwig und als «schreibende Nonne», wie sie sich selbst bezeichnete, im Kloster Fahr.

Im Rahmen einer Gedenkwoche mit dem Titel «Voll singenden Feuers» – eine Gedichtzeile aus ihrem Werk – liess sich das Kloster einiges einfallen: Ein Silja-Namenstag wurde durchgeführt, an dem Namensvetterinnen aus der ganzen Schweiz ins Kloster kamen, aber auch verschiedene Gesprächsrunden fanden in den altehrwürdigen Gemäuern statt. Höhepunkt und Abschluss dieser speziellen Woche war nun am Samstag die Einweihung eines Silja Walter-Stationenweges. Gekommen waren 150 geladene Gäste.

An zehn Stelen, verteilt auf dem Klostergelände und Umland, sind Textausschnitte von Silja Walter angebracht. Die Texte sind jeweils einem Thema gewidmet und passen zum Standort: «Segen» an der Limmat, «Schöpfung» vor dem Garten, «Himmel» auf dem Friedhof, «Freude» bei den Reben und «Kreuz» auf der Anhöhe des Umlandes.

«Die Textausschnitte können Türöffner zum immensen Werk von Silja Walter sein», sagte Carmen Frei, Projektleiterin der Gedenkwoche, an der Eröffnung. Der Silja Walter-Weg sei ein Geschenk der Römisch-Katholischen und der Reformierten Kirche im Aargau, der Römisch-Katholischen Kirche des Kantons Zürich und Katholisch Stadt Zürich ans Kloster Fahr, so Frei.

Rundumblick und Lesungen

Doch damit nicht genug: Zum physischen Weg gibt es auch noch einen virtuellen. Dank der finanziellen Unterstützung der Gemeinden Würenlos und Unterengstringen, des Vereins Pro Kloster Fahr und der Agentur Kommpakt könne man den Silja Walter-Weg auch virtuell auf dem Smartphone, am Computer oder mit einer Virtual-Reality-Brille anschauen und erleben, erklärte Frei weiter. An jeder Stele verweist ein fürs Smartphone lesbarer QR-Code in die virtuelle Welt. Dort gibt es eine 360-Grad-Fotografie und Audiolesungen. Als Geschenk bekamen die geladenen Gäste VR-Brillen.

«Schon in ihren Prosatexten hat Silja Walter virtuelle Personen eingebracht», bemerkte Priorin Irene Gassmann und erntete einige Lacher, nachdem sie die geladenen Gäste bereits mit der Rezitation des Drehorgel-Gebets von Silja Walter bestens unterhalten hatte. Darin kamen eine «Regentonne» und eine «Drehorgel» vor, die zum Wetter und zur musikalischen Unterhaltung vor Ort im Klosterhof passten.

Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, sprach über Walters «leichtfüssige Ernsthaftigkeit und dem Ringen mit dem irdischen Machtgefüge», das Kloster Fahr als kirchlichen Kraftort, die Wichtigkeit alte Wege zu verlassen und neue zu begehen und so das Feuer weiterzutragen.

Dann ging es in die Klosterkirche zur ökumenischen Feier. Ulrike Wolitz, die Herausgeberin des Gesamtwerks von Silja Walter, las aus ihrem neusten Buch «Dich kommen sehen und singen» vor. Darin verwebt Wolitz eigene Erinnerungen ihrer Zeit mit Silja Walter mit deren Texten. Die Lesung zeigte eine vitale, humorvolle und inspirierende Schwester Maria Hedwig: Walter habe einmal etwas im Schrank gesucht. Wolitz fragte, ob sie helfen könne, und die Schwester meinte, ach, sie suche ihren Seelenführer. Und dann, nein, Seelenwärmer. Sie fischte ein schwarzes, ärmelloses Strickoberteil heraus. Beide Frauen mussten lachen.

Auch Abt Urban Federer arbeitete mit Silja Walter zusammen. Er sprach über ihr Gedicht «Ostermontag». Dieses helfe dem modernen Menschen, das innere Feuer zu finden. Gleichzeitig verband Abt Urban seine Meditation mit einer Erinnerung: Für einen Anlass spielte er als junger Mönch die Rolle des Propheten Simeon, während Walter die Greisin und Prophetin Hanna verkörperte. Diese sah fast nichts und doch sah sie innerlich sehr gut, ein Feuer, so Abt Urban. Beim Spiel merkte er, wie Walter zur Hanna wurde.

Das Motiv des Feuers nahm auch Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau, in seiner Kurzpredigt auf: Feuer stehe für den Heiligen Geist, die Feuerzungen an Pfingsten. Es heisst, Gott taufe mit Feuer und Geist, der Mensch mit Wasser. Die Taufe sei ein Zeichen für die Möglichkeit einer Änderung in der Wahrnehmung. Liebe und Versöhnung statt Hass. Abschliessend sagte Priorin Irene zur Gedenkwoche «Voll singenden Feuers»: «Das Feuer soll in uns weiterbrennen!»

Persönliche Erinnerungen

Unter den Gästen gab es einige, die Schwester Maria Hedwig persönlich gekannt hatten. Beim anschliessenden Apéro konnte man sich austauschen. Den Unterengstringer Gemeinderat Beat Fries freute der Anlass besonders: Seine Schwester nahm Violinenunterricht bei Silja Walter. Im Unterricht war der Bub Beat ebenfalls dabei. Zur 1100-Jahr-Feier von Würenlos schrieb Walter ein Chronikspiel, das 1970 uraufgeführt wurde. «Meine Mutter spielte darin eine Nonne und mein Vater machte über die Aufführung einen Film», verriet der Würenloser Gemeindepräsident Anton Möckel. Auch Besucherin Dora Weissenbach aus Bremgarten verband mit Schwester Maria Hedwig ein Weihnachtsspiel, das diese für Bremgarten schrieb und 1991 uraufgeführt wurde.

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