Fahrweid

Tag der offenen Baustelle zog viele Interessierte an – und bot tiefe Einblicke in den Untergrund

Für einmal hiess es an diesem Samstag bei den rot-weissen Absperrungen, die aktuell das gesamte Strassenbild der Fahrweidstrasse prägen: Zutritt für Unbefugte erlaubt. Ermöglicht wurde am Tag der offenen Baustelle eine Besichtigung des Microtunneling-Verfahrens, das zur Umsetzung des Grossprojekts «Entwässerung Fahrweid» im Untergrund seit Ende Juli im vollen Gange ist.

Der Anlass stösst auf grossen Anklang. Bereits die erste Führung um 10.30 Uhr ist innert Kürze ausgebucht. Im 30-Minuten-Takt werden jeweils 30 Leute zum Schacht an der Kreuzung zur Austrasse begleitet. Von dort aus geht der Blick der Teilnehmenden fünf Meter in die Tiefe. Das letzte Stück eines rund drei Tonnen schweren Rohrs, das nun Stück für Stück mit einer hydraulischen Presse vorangetrieben wird, ist zu sehen. Rund 100 Meter weiter vorne bohrt die Bohrkopfmaschine, die in diesem Projekt auf den Namen Corinne getauft wurde, weiterhin den unsichtbaren Tunnel. Zehn Meter pro Tag kommt die Arbeit voran. Sie zeigt die ungemeinen Kräfte und Druckverhältnisse auf, die hier wirken.

«Wenn ihr in eurem Garten so tief graben würdet, dann wärt ihr schon beim Grundwasser, das geht gar nicht», erklärt Fabrice Bachmann von der SWR Infra AG den Anwesenden. Sie beschreibt damit die Problematik, weshalb das gesamte Vorhaben überhaupt gestartet wurde. Die Fahrweid liegt so tief, dass es zu Rückstaus in den Abwasserkanälen kam, was wiederum zu Wasserschäden in den Wohnungen führte. Zudem stammen die Rohre noch aus den 1950er Jahren, sodass eine generelle Modernisierung nötig war.

Die Kosten liegen nun bei 17,4 Millionen Franken

Die Beseitigung der Überschwemmungen mit grösseren Rohren sowie leistungsfähigerem Pumpwerk, um das Wasser aus dem Quartier zu fördern, ist somit oberstes Ziel. Vor rund zehn Jahren haben die ersten Ideen hierzu begonnen. Die Kosten wurden nach oben korrigiert, sie liegen nun bei 17,4 Millionen Franken und werden von den Gemeinden Weiningen, Geroldswil sowie der Limeco getragen. Anstelle einer offenen Grossbaustelle, die eine Sperrung der Strassen erfordert hätte, ermöglicht dieses Untergrundverfahren eine geringere Einschränkung der Verkehrsführung. Viele der Besucher können von den Überschwemmungen oder den üblen Gerüchen der Kanalisation erzählen. So auch Albert Wanner, der seit über 60 Jahren in der Gegend wohnt: «Wir mussten immer wieder die Keller reinigen und waren bereits auf das nächste Mal gefasst, um wieder die Stiefel zu montieren», sagt er. Und weiter: «Auch die Problematik mit der zu kleinen Pumpe ist seit langem ein Thema. Je nachdem, woher der Wind wehte, war auch der Geruch ätzend.»

Von dieser Zeit noch nichts mitbekommen hat Ibrahim Demiroglu, der erst seit zwei Jahren in der Fahrweid zu Hause ist. Gemeinsam mit seinem Vater Ali Demiroglu besichtigt er die Baustelle: «Wir wollten mehr erfahren und nehmen an der Führung erst noch teil. Zurzeit ist es etwas mühsam, weil überall gleichzeitig gebaut wird, was den Verkehr erheblich erschwert. Aber dass Investitionen für die Zukunft wichtig sind, ist mir natürlich bewusst», meinte der 25-Jährige.

Neben den Führungen gibt es zum Frühstück Gipfeli und Kaffee und später eine Grillwurst spendiert. Zudem sind die neuen Schneckenschrauben beim Pumpwerk Länggenbach zur Besichtigung geöffnet und für die jungen Besucher stehen zwei Bagger bereit. Der 11-jährige Fabio Kupfer aus Geroldswil nimmt mit konzentriertem Blick Platz, wobei er sich nicht beirren lässt, als die Kabine sich auf einmal langsam zur Seite neigt. In einer Seelenruhe baggert er im grossen Haufen weiter.

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