Birmensdorf

Tag der Angehörigen: Die Durchdiener bieten Nervenkitzel

1650 Angehörige von Rekruten besuchten die erste Rekrutenschule in Birmensdorf seit 14 Jahren. Bisher wurde der Waffenplatz unter anderem für Orientierungstage oder Entlassungsfeiern genutzt.

Erwartungsvoll steht Kim Schregenberger aus Stammheim am Freitagmorgen auf einer Wiese vom Schiessplatz 2 im Reppischtal. Ihr Freund ist einer von rund 450 Rekruten an der Infanterie-Durchdienerschule 14 in Birmensdorf. Er hat in wenigen Minuten einen Auftritt bei einer Gefechtsübung. Es handelt sich um die erste von mehreren Demonstrationen am Tag der Angehörigen, dem rund 1650 Besucher beiwohnen.

«Eine Beziehungskrise haben wir also nicht», antwortet Schregenberger im Hinblick auf die momentane Trennung. Manchmal sei er am Wochenende aber schon etwas müde. «Ich bin stolz auf meinen Bruder», interveniert die Schwester des Soldaten. Er habe immer viel zu erzählen. «Das ist oft lustig, etwa wenn er mit Abkürzungen kommt, die keiner versteht», sagt Jamie-Lee von Allmen.

Es ist das erste Mal seit 14 Jahren, dass wieder Rekruten in der Kaserne Reppischtal ausgebildet werden. Bisher wurde der Waffenplatz unter anderem für Orientierungstage oder Entlassungsfeiern genutzt. «Militärs konnten im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee (WEA) ihre Bedürfnisse zum Stationierungskonzept einbringen», sagt Schulkommandant Oberst im Generalstab Hubert Bittel. Daraufhin habe die Politik eine Auslegeordnung gemacht, in die wirtschaftliche und politische Faktoren hineinwirkten. Letztlich sei der Entscheid gefallen, die Rekrutenschule in Birmensdorf wieder aufzunehmen.

Mittel der ersten Stunde

Die Durchdiener werden im Rahmen der Bereitschaft als Mittel der ersten Stunde eingesetzt. Nach der 18-wöchigen Rekrutenschule in Birmensdorf kommen die frischgebackenen Soldaten entweder in den «Chüechlibunker» Schwyz oder in eine Kaserne in Liestal. Dort halten sie sich bereit, um jederzeit aufgeboten werden zu können, etwa zum Schutz des World Economic Forum (WEF) in Davos oder zum Botschaftsschutz in Genf. Im Zuge der Vorbereitungen ist es wichtig, dass die Rekruten trainieren und sich am «Checkpoint» richtig verhalten.

Am Freitag präsentierten sie bei bestem Wetter ihr Können. «Bei der ersten Demonstration verläuft eine Pw-Kontrolle reibungslos. In der zweiten Sequenz durchbricht ein Pw die Absperrung, worauf es zu einem Feuergefecht kommt», kündigt Leutnant Flavio Semeraro über ein Megafon an. Beim Feuergefecht kommt nur Markiermunition zum Einsatz. Semeraro hält das Publikum dazu an, sich trotzdem die Gehörschutzpfropfen einzusetzen.

Die Übung wird zum Showdown. Als der zweite Pw die Absperrung durchbricht und die Insassen aussteigen, um sich ein – natürlich aussichtsloses – Feuergefecht mit den Soldaten der Schweizer Armee zu liefern, fühlt man sich in einen Actionfilm hineinversetzt. Auf dem Höhepunkt landet ein Eurocopter, der einen verletzten Soldaten birgt. Das Publikum quittiert die Show mit viel Applaus. Bei der darauffolgenden Gefechtsübung wird scharf geschossen, unter anderem mit einer Panzerfaust, aber nur auf Scheiben.

Unterdessen demonstriert die zweite Kompanie von Oberst Bittel auf dem Stierliberg den Häuserkampf. Soldaten rammen mit Rammböcken – und mit Unterstützung von mutigen Besuchern – Türen ein oder erklettern Fassaden, über die sie ins Fenster im zweiten Stock gelangen. «Wir lieben es», sagt Wachtmeister Yanis Giroud, einer von drei Fassadenkletterern aus dem Welschland. In der Armee lerne er die eigenen Grenzen auszudehnen. «Zudem ist es toll, dass wir so jung schon Führungserfahrung sammeln können», meint der 21-jährige Wachtmeister Florian Borgeat. Manchmal sei es zwar streng, jeden Morgen um 5.30 Uhr aufzustehen, so Wachtmeister Yasin Zorgui.

«Die Kameradschaft motiviert uns aber, alles zu geben», sagt Giroud. Nach einer intensiven Woche freuen sich die drei Fassadenkletterer nun auf das wohlverdiente Wochenende. Während Giroud sich erst mal ins Bett legen will, geht Zorgui gut essen und Borgeat hat noch genug Energie gespart für den Ausgang.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1