1'860'000'000 Menschen besitzen ein Smartphone. Das ergibt eine Erhebung von Statista im Jahr 2015. Hochrechnungen zufolge steigt diese Zahl bis 2020 auf rund 2,9 Milliarden Menschen an. Weil für die Produktion eines Smartphones heute sowohl Mensch als auch Umwelt in Mitleidenschaft gezogen werden, hat sich die studentische Non-Profit-Organisation Buy Aware zum Ziel gemacht, die Bevölkerung über ethische und ökologische Aspekte der Elektronikprodukte aufzuklären. Ab Montag wird sie das auch an der Swiss Sustainability Week – der Schweizer Nachhaltigkeitswoche – in Zürich tun.

An ihrem Stand erfahren Interessierte wie ihr Smartphone hinsichtlich Klimabelastung und Energieverbrauch, den Arbeitnehmerrechten und Transparenz des Herstellers wie auch der Produktleistung und den enthaltenen Konfliktmineralien abschneidet. Beispielsweise erfahren Besitzer des iPhone 6s von Apple, dass das Gerät auf dem fünften Rang aller bislang bewerteten Smartphones liegt. «Bei Apple wurden in den letzten Jahren in Bezug auf die Umweltverträglichkeit enorme Fortschritte erzielt», sagt Patrick Weber, Co-Präsident von Buy Aware. Als eines der ökologischsten und sozial verträglichsten Smartphones gilt das Gerät von Fairphone, gefolgt von den jüngeren Apple-Modellen sowie den Smartphones von Nokia und Asus. Schlusslichter des Ratings sind die Waren von HTC, Xiamoi und One Plus.

Von Zürich in die ganze Schweiz

Nicht nur den Handys sondern der Digitalisierung sowie ihren Chancen und Risiken für ein nachhaltigeres Alltagsleben werden diverse Veranstaltungen an der Swiss Sustainability Week gewidmet. Interaktive Ausstellungen befassen sich mit Situationen, die das nachhaltige Bewusstsein im Alltag schärfen sollen. Mit der Berechnung des persönlichen ökologischen Fussabdrucks können sich Besucher ein Bild über ihren Lebensstil machen. Beim Nähen des eigenen T-Shirts kann der Entstehungsprozess und der Wert der Arbeit miterlebt werden.

Die Studierenden hinter dem Projekt wollen mit Vorträgen und Workshops die Bevölkerung über einen nachhaltigeren Lebensstil informieren. Mehr noch: Sie wollen sensibilisieren und zum Handeln anregen. Dass sie das tun und ein reges Interesse am Thema Nachhaltigkeit besteht, zeigt die Entstehungsgeschichte der Swiss Sustainability Week.

Am Anfang stand die Zürcher Nachhaltigkeitswoche. Organisiert und ins Leben gerufen wurde sie von einer Handvoll Studierenden vor fünf Jahren. «Ein solches, auf ehrenamtlicher Arbeit basierendes Projekt steht und fällt mit der Motivation der Menschen, die dahinter stehen», sagt Simon Liebi, OK-Mitglied der Swiss Sustainability Week.

Die Motivation ist beachtlich, die Tendenz gar steigend. Denn mittlerweile engagieren sich 300 Studierende an 20 Hochschulen in 12 Schweizer Städten für eine nachhaltigere Zukunft. «Den Stein ins Rollen gebracht, hat sicherlich die Unterstützung von U-Change, einem Programm das vom Bund finanziert und vom Netzwerk für transdisziplinäre Forschung der Akademien der Wissenschaften Schweiz zur Förderung der Nachhaltigkeit an Schweizer Hochschulen geleitet wird», sagt Liebi.

So wurde die Zürcher Nachhaltigkeitswoche mit dem Schweizerischen Verband der Studierendenorganisationen für Nachhaltigkeit und der seit 2016 existierenden Genfer Nachhaltigkeitswoche zum grössten studentischen Nachhaltigkeitsprojekt der Schweiz. Für Liebi ist klar, dass gerade in einem wohlhabenden Land wie der Schweiz das Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschärft werden muss: «Wir leben hier auf grossem Fuss und leiden nicht direkt oder nur bedingt unter den Folgen des Klimawandels. Unser konsumorientiertes Leben geht vor allem zu Lasten der künftigen Generationen.»

Entsprechend widmen sich über 40 öffentliche, kostenlose Veranstaltungen unter anderem an der ETH, der Uni oder der ZHdK kommende Woche dem Thema, wie die Gesellschaft gemeinsam eine Welt schaffen kann, in der ein bewusster Konsum und ein umweltschonender Lebensstil als Norm gelten.

Seit 2010 ist Hilty Professor für Informatik und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich. Zudem ist er Nachhaltigkeitsdelegierter der Universitätsleitung leitet eine Forschungsgruppe der Abteilung «Technologie und Gesellschaft» an der Empa.

Lorenz Hilty

Seit 2010 ist Hilty Professor für Informatik und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich. Zudem ist er Nachhaltigkeitsdelegierter der Universitätsleitung leitet eine Forschungsgruppe der Abteilung «Technologie und Gesellschaft» an der Empa.