Während die Volkspartei in der Vergangenheit bei Budgetkürzungen für Gleichstellungsarbeit Erfolge verbuchen konnte, mochte die Ratsmehrheit von einer Stilllegung nichts wissen.

Namens der SVP warb Hans Frei für die Vorlage. Er kritisierte Justizdirektor Martin Graf (Grüne), der in einem Interview im «Tages-Anzeiger» von vergangener Woche den Abschaffungsbefürwortern «ein veraltetes Rollenbild» vorgeworfen hatte. Die rechtliche Gleichstellung sei längst erreicht, so Frei, deshalb gehöre die Fachstelle abgeschafft. Wer ein Zeichen für die Gleichstellung setzen wolle, stimme im Sinne der SVP Ja.

Diese Argumentation sei wenigstens neu, so die Gegner. Wenn man schon lange im Rat sitze, müsse man immer wieder bei denselben Themen zuhören, sagte Urs Lauffer von der FDP. Seine Partei half in der Vergangenheit, die Mittel für die Gleichstellungsarbeit zu kürzen.

Doch mit der aktuellen Aufstellung der Fachstelle gab er sich zufrieden: «Positiv ist festzustellen, dass unter der heutigen Leitung pragmatisch gearbeitet wird», so Lauffer. Er unterstellte der SVP die Ansicht, Frauen seien selber Schuld, wenn sie ihre Chancen nicht wahrnehmen würden. Dies führte postwendend zu gehässigem Gemurmel in den SVP-Reihen.

In die Kritik geraten war die Fachstelle für Gleichstellung in jüngster Zeit wegen des Debakels um den Männerbeauftragten. Markus Theunert, der den Job erhielt, entschied sich nach nur einem Monat aufgrund eines Ultimatums seiner Chefin, die Stelle aufzugeben und Präsident des Männerdachverbandes zu bleiben. Kein Wunder also, musste die Fachstelle in der Debatte einiges an «Schimpfis» einstecken.

Noch immer Lohnunterschiede

Die Grüne Ornella Ferro sagte, wegen einer Fehlbesetzung müsse nicht gleich die ganze Fachstelle abgeschafft werden. Und SP-Vertreter Davide Loss erinnerte daran, dass die tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau noch meilenweit entfernt sei: «Wir haben immer noch 25 Prozent Lohnunterschied in der Privatwirtschaft.»

Auch CVP, GLP, EVP und die BDP schlugen sich auf die Seite der Abschaffungsgegner. «Die Aufgabe ist noch nicht erfüllt, nur weil die Gesetze da sind», fand der Grünliberale Thomas Wirth.

Einzig die EDU schlug sich auf die Seite der SVP. Doch deren Stimmen reichten bei Weitem nicht aus. Letztlich lehnte der Rat das Postulat für die Abschaffung mit 57 Ja- zu 107 Nein-Stimmen deutlich ab.