Routiniert stellt sich die 46-Jährige vor die Kamera und präsentiert ein Lächeln. Susanne Brunner ist mit Rollkoffer am HB-Zürich unterwegs. Es eilt. Im Koffer schleppt sie Akten für die nächste Sitzung in Bern mit. Am Bahnhof trifft sie zufällig den Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Kurzer Schwatz. Brunner kennt die einflussreichen Leute unter der Bundeshauskuppel. Das gehört zu ihrem Beruf. Sie leitet seit 2013 das Büro Bern von Economiesuisse, der wichtigsten Lobbyorganisation der Schweizer Wirtschaft. Zwei Mitarbeiter sind ihr unterstellt.

«Das persönliche Gespräch ist das A und O», sagt Brunner im Gespräch über ihre Lobbytätigkeit und ihre Kandidatur für den Zürcher Stadtrat. Wie bringt sie die restriktiven Positionen der SVP (Masseneinwanderung, verzichtbare Bilaterale) mit dem betont wirtschaftsliberalen Kurs von Economiesuisse zusammen? Darüber will Brunner partout nicht sprechen. «Das ist nicht das Thema, ich kandidiere für den Zürcher Stadtrat», sagt sie. Alles Nachhaken ist vergebens.

Gerne spricht Brunner hingegen über die «linksgrüne Sackgasse» des Zürcher Stadtrates. Die 5,5 Milliarden Schulden der Stadt nennt sie eine Zeitbombe. Die «gewerbefeindliche Haltung» des Stadtrates illustriert sie mit ihrem Lieblingsbeispiel: dem Passantenstopper. Das sind kleine Reklametafeln auf Trottoirs, die Kleingewerbler wie Metzger oder Bäcker nicht aufstellen dürfen, weil sie damit gegen die städtischen Vorschriften verstossen.

Zweierlei Regeln

Es geht weiter mit den «übereifrigen Beamten», die laut Brunner in Gartenbeizen mit dem Messband unterwegs sind und ermitteln, ob die Gartenstühle in der erlaubten Zone stehen oder nicht. Diese angebliche Nulltoleranz lässt Brunner genüsslich kontrastieren mit der Grosszügigkeit des Stadtrates gegenüber Hausbesetzern. «Für sie gelten andere Regeln als für Normalbürger.» Klar, dass Brunner die FDP-Initiative zum besetzten Koch-Areal unterstützt.

Auf Brunners Anklageliste stehen sodann die «desolate Lage der Stadtspitäler» und die linke Verkehrspolitik. «Der Stadtrat macht alles für den öV und die Velos, bremst aber den Autoverkehr aus». Das sei ein tägliches Ärgernis für die Gewerbler, deren Bedürfnisse sie als Präsidentin des Gewerbeverbands Seefeld sehr genau kenne. Brunner hat selber kein Auto. Leidet sie wie viele Stadtbewohner unter Verkehrslärm? Brunner wehrt ab und sagt dazu nur: «In der Stadt muss mehr Verkehr abgewickelt werden. Dass es nicht so ruhig sein kann wie auf dem Land, ist offensichtlich.»

Einsatz in Sarajevo

Susanne Brunner wuchs in einem CVP-Elternhaus mit vier Geschwistern in Wil (SG) auf und studierte an der Kaderschmiede HSG in St. Gallen Staatswissenschaften. Für die UNO arbeitete sie im kriegsversehrten Sarajevo und war danach unter anderem bei einer Bank und für die Stadtzürcher Standortförderung tätig.

2008 rutschte sie für die CVP in den Zürcher Kantonsrat nach, fand aber deren Kurs zu links. 2010 wechselte sie zur SVP, verpasste aber 2011 die Wiederwahl sehr knapp. Dann wurde es vorerst still um Brunner, bis sie 2017 als Stadtratskandidatin wieder auftauchte.