Der Strickhof rief schon vor einigen Jahren die Bauern dazu auf, gegen das Berufkraut zu kämpfen. Hat sich die Situation verbessert?

Fiona Cimei: Unglücklicherweise nicht wirklich. In der Landwirtschaft ist das Thema mittlerweile besser bekannt, aber die Bauern sind nicht die Einzigen, die etwas tun müssen. Auch Privatgärten und Gemeindeflächen zeigen teilwiese Probleme. Es ist wichtig, dass auch an diesen Orten weiterhin viel Aufklärungsarbeit stattfindet.

Wie können Sie dagegen vorgehen?

Wir vom Strickhof haben keinen direkten Einfluss auf die Gemeinden und die Bevölkerung, da wir ausschliesslich für die Landwirtschaft zuständig sind. Hat ein Bauer ein Problem, kann er sich bei uns beraten lassen. Wenn er in einer Gemeinde wohnt, in der das Berufkraut ein grosses Problem ist, versuchen wir, die Bauern zu mobilisieren, damit sie die Gemeinde, aber auch Private mit Gärten voller Berufkraut auf die Problematik aufmerksam machen. Meist kennen die Leute das Berufkraut gar nicht, zeigen aber Verständnis, wenn man sie darauf hinweist.

Weshalb ist das Berufkraut so schlimm?

Das Berufkraut bevorzugt vor allem Orte, an denen der Boden nicht dicht bewachsen ist. Dummerweise befinden sich auf diesen Flächen meist auch die für die Biodiversität wertvollsten Pflanzen. Kann sich ein Samen des Berufkrauts auf diesem lichten Boden etablieren, verdrängt es die anderen Pflanzen sehr schnell. Ab Ende Juni beginnen die Blumen zu blühen und produzieren bis zu 50'000 Samen. Aus Sicht der Biodiversität sind die Blüten vollkommen wertlos. Kein Bestäuber profitiert davon.

Bauern wünschen sich, bei starkem Befall Ökowiesen früher mähen zu dürfen, und sagen, das werde staatsseitig oftmals ausgeschlossen.

Der Ansatz ist höchstens kurzfristig nützlich, weil sich das Berufkraut mit einem Frühschnitt leider nicht bekämpfen lässt. Das Kraut passt sich nach dem ersten Schnitt an, macht kürzere Stiele und blüht weiter unten. Irgendwann ist es gar nicht mehr mähbar und versamt trotzdem. Bei grossem Befall kann ein früher Schnitt eine Symptombekämpfung sein – letztlich muss das Kraut aber anders bekämpft werden.

Wie tut man das, wenn das Jäten von Hand schlicht zu aufwendig ist?

Wir machen in Absprache mit den Bauern viele Versuche, probieren etwa Pflanzenschutzmittel aus, machen Übersaaten oder setzen Weidetiere ein, die das Kraut niedertrampeln und so zerstören. Und dann gibt es noch die Extremvariante, die leider auch ab und zu zum Einsatz kommt. Dann müssen wir die gesamte Wiese umbrechen.

Was heisst umbrechen?

Das heisst, dass wir die Ökowiese zu einer Ackerkultur wie Mais oder Getreide umwandeln und anderswo eine Ökowiese anlegen. Das ist aber meist eine eher schlechte Lösung, weil die Ökoflächen üblicherweise dort liegen, wo sie von den äusseren Umständen her auch hinpassen. Ein frühzeitiges Zurücktauschen der Flächen nach wenigen Jahren ist aber eher heikel.

Wieso?

Der Samenvorrat im Boden ist enorm gross. Vor allem, wenn es schon zwei, drei Jahre Berufkraut auf der Fläche hatte. Die Samen, die sich bereits auf der Fläche angesammelt haben, sterben leider nicht so schnell ab, sondern bleiben mehr als fünf Jahre unter der Erdoberfläche, bis für sie die Bedingungen zum Keimen wieder stimmen.

Bauern sind teilweise der Ansicht, das Berufkraut gebe es hierzulande erst seit wenigen Jahren. Stimmt das?

Das würde ich nicht unbedingt so bestätigen. Allerdings haben die Ausmasse, in denen das Berufkraut vorkommt, in den letzten Jahren stark zugenommen. Wir haben das Gefühl, dass trockene Jahre das Kraut begünstigen. Letztes Jahr gab es Flächen, auf denen die Population explodiert ist. Früher war man sich der Gefahr einfach nicht so bewusst, die vom Berufkraut ausgeht. Man konnte die Samen für den Garten sogar in den Läden kaufen.

Hat der Kanton schon mal einem Zürcher Bauern die Direktzahlungen gekürzt, weil zu viel Berufkraut auf seinem Land vorkam?

Dies ist bisher nur äusserst selten passiert. Wir versuchen, solche Fälle möglichst zu vermeiden. Wir wollen die Bauern nicht dafür bestrafen, dass sie das Kraut auf ihren Wiesen haben. Sie können ja nichts dafür. Kommt ein Kontrolleur und stellt den Befall fest, so muss der Bauer einen Bekämpfungsplan mit dem Strickhof ausarbeiten. Dieser wird dann mindestens die kommenden drei Jahre durchgeführt und durch den Strickhof begleitet. Die Zusammenarbeit mit den Bauern ist angenehm, denn wir führen einen Kampf mit dem gleichen Ziel: Das Berufkraut ein für alle Mal loszuwerden.