Es ist eine regelrechte Bombe, welche sieben Zürcher Statthalter und eine Statthalterin am Dienstag platzen liessen. Sie wünschen sich für den Bezirk Dietikon «wieder einen verlässlichen Kollegen», schreiben sie in einer Mitteilung, und unterstützen deshalb im zweiten Wahlgang der Statthalterwahl am 21. Mai nicht ihren ehemaligen Kollegen Adrian Leimgrübler (FDP), sondern Simon Hofmann (FDP).

Alkoholgeruch schon am Morgen

Brisant sind vor allem die Gründe, wieso die Statthalter sich nicht hinter Leimgrübler stellen. «Es darf nicht mehr vorkommen, dass ein Statthalter schon zu morgendlichen Terminen mit Alkoholgeruch oder gar nicht erscheint, zum Teil unentschuldigt oder mit kurzfristig mitgeteilten Begründungen», schreiben sie. Zudem habe die Statthalterkonferenz Leimgrübler «infolge fehlender Zuverlässigkeit» nicht für wichtige Aufgaben wie die Teilnahme an Arbeitsgruppen, die Organisation von Weiterbildungen oder die Ausarbeitung von Vernehmlassungen delegieren können. An den monatlichen Konferenzen der Statthalter habe Leimgrübler wenig konsequent teilgenommen und im Durchschnitt jedes zweite Mal gefehlt.

Auf Anfrage präzisiert Marcel Tanner (SVP), Vorsitzender der Statthalterkonferenz: «Wenn wir ihn als Delegierten der Statthalterkonferenz für eine Aufgabe delegiert haben, nahm er teilweise gar nicht an den Sitzungen teil.» Auch an internen Sitzungen sei er manchmal komplett unvorbereitet gewesen.

In der Mitteilung schreiben die ehemaligen Kollegen Leimgrüblers auch, wie wichtig es sei, dass der Statthalter und Bezirksratspräsident seiner Pflicht als Aufsichtsorgan über die Feuerwehren «glaubwürdig und verlässlich» nachkomme. In diesem Bereich habe es bei Leimgrübler Lücken geben, sagt Tanner. Während dreier Jahren sei der Dietiker Statthalter an keiner Feuerwehrinspektion gewesen, obwohl er diese hätte leiten müssen.

Schon seit mehreren Jahren

Tanner kennt Leimgrübler schon seit Jahrzehnten: Früher waren beide Bezirksanwälte, zwischen 2009 und 2015 dann beide Statthalter. Wann die Probleme mit dem Alkoholkonsum und der fehlenden Zuverlässigkeit erstmals aufgetaucht seien, könne er nicht ganz genau sagen, so Tanner. «Sicher ist, dass dies schon seit mehreren Jahren der Fall ist. Es ist keine kurzfristige Erscheinung.»

Dass er und seine Kollegen und die Kollegin jetzt an die Öffentlichkeit gehen, habe einen einfachen Grund: «Wir finden es nicht richtig, dass die Stimmbürger auf einer unvollständigen Basis entscheiden müssen. Sie sollten Kenntnis von den Grundlagen haben.» Denn bedauerlicherweise habe Leimgrübler weder die Einstellungsverfügung des Strafverfahrens, noch die Entscheide der Justizdirektion und des Regierungsrats offen gelegt, sagt Tanner – auch wenn dies natürlich sein Recht sei. «Deshalb haben wir uns letztlich entschieden, die Stimmbürger auf diese wichtigen Informationen aufmerksam zu machen.» Geärgert habe die Statthalter auch, so Tanner, dass Leimgrübler in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung sagte, Amtspflichtverletzungen, wie sie das Verwaltungsgericht in seinem Fall festgestellt habe, kämen in jedem staatlichen Amt regelmässig vor. «Gegen diese Aussage wehren wir uns ganz entschieden», sagt Tanner.

Unterzeichnet ist die Mitteilung von acht der elf Statthalter im Kanton. Nicht unterschrieben haben sie der Horgemer Statthalter, der sich laut Tanner aus dem Thema raushalten will, und der Zürcher Statthalter, der erst seit 2016 im Amt ist und nie mit Leimgrübler zusammengearbeitet hat. Der Meilemer Statthalter Ueli Hofmann ist nicht dabei, weil er als Vater des Statthalterkandidaten Simon Hofmann nicht befangen wirken will.

Leimgrübler: «Polemisch und falsch»

Für Leimgrübler, der am Dienstag nicht mündlich, sondern nur schriftlich Stellung nehmen wollte, ist indessen klar, dass es «nur um Wahlkampf» gehe und dass diese Aktion von Ueli Hofmann initiiert worden sei. «Wohlweislich» habe dieser selber nicht unterschrieben. Leimgrübler vermutet zudem, dass die Statthalter «nicht selbst in den Fokus» von Justizdirektorin Jacqueline Fehr geraten wollen, wie er in einer Mitteilung schreibt: «Man will ja die Statthalterämter genauer unter die Lupe nehmen. Da scheint es angezeigt, sich von mir zu distanzieren.»

Die Medienmitteilung nennt Leimgrübler «sehr polemisch». Zu den persönlichen Vorwürfen wie dem Alkoholkonsum will er keine Stellung nehmen: «Ich lasse mich nicht auf dieses Niveau herab.» Dass er in Arbeitsgruppen nicht mitgearbeitet habe, lässt er aber nicht gelten. Auch sei die Behauptung, er sei an rund der Hälfte der monatlichen Zusammenkünfte abwesend gewesen, falsch. Er habe vielleicht jedes zehnte Mal gefehlt.

Die Aufsicht über die Feuerwehren habe er «korrekt und zuverlässig» wahrgenommen, betont er. Dies hätten zwei ehemalige Bezirksräte auch in Leserbriefen kundgetan. Leimgrübler verweist zudem auf rund 40 Schreiben, die er nach seiner fristlosen Entlassung im November 2015 von Gemeindevertretern, Feuerwehrleuten, Justizpersonen und anderen bekommen habe. Für ihn ist klar: «Es geht hier lediglich darum, den Sohn von Ueli Hofmann durchzuboxen, mit welchen Mitteln auch immer.»